ZdK-Präsidentin würdigt Fokus des Herbert-Haag-Preises 2022

"Betroffene zählen - nicht die Kirche"

Vor der Verleihung des Herbert-Haag-Preises 2022 würdigt ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp dessen Fokus auf Betroffene von Missbrauch. Der Preis geht an acht Betroffene von Machtmissbrauch und sexueller Gewalt in der Kirche.

Symbolbild Missbrauch / © TetianaDov (shutterstock)

Die Preisverleihung habe einen "traurigen, einen wütend machenden Anlass", sagte Stetter-Karp am Samstag in Bonn. Gerade deshalb aber sei sie "ein wichtiges Zeichen" dafür, dass die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der Kirche weitergehen müsse.

Am Sonntag erhalten acht Personen den Herbert-Haag-Preis 2022 für Freiheit in der Kirche von der gleichnamigen Stiftung. Alle acht sind Betroffene von Machtmissbrauch und sexueller Gewalt in der Kirche. Zwei von ihnen gehören dem ZdK an.

ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp / © Dieter Mayr (KNA)
ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp / © Dieter Mayr ( KNA )

Wertschätzung und Achtung für Preisträgerinnen und Preisträger

Trierer Missbrauchsbetroffene kritisieren UKA-Entschädigung

Missbrauchsbetroffene im Bistum Trier haben das Vorgehen der katholischen Kirche in Deutschland bei der Entschädigung von Opfern sexueller Gewalt kritisiert. "Nehmt der Kirche die Aufarbeitung und Entschädigung endlich aus den Händen", forderte der Verein "Missbrauchsopfer und Betroffene im Bistum Trier" (Missbit) am Donnerstag. Das Verfahren müsse "mit Betroffenenbeteiligung komplett in eine staatliche Kommission gegeben werden". Ein "opfergerechtes Entschädigungssystem" müsse geschaffen werden.

Stapel von Geldmünzen und Geldscheinen spiegeln sich vor einer gezeichneten Kuppel des Petersdoms.  / © Julia Steinbrecht (KNA)

Die Preisträgerinnen und Preisträger erhielten "die Wertschätzung und Achtung, die ihnen gebührt - vor allem für ihr jahrelanges Engagement im Bereich der Aufklärung und Prävention", sagte Stetter-Karp. Es sei wichtig, "gegen die Erfahrung von sexueller Gewalt und Machtmissbrauch anzuschreiben, die eigene Stimme zu erheben".

Noch immer seien nicht alle Opfer bekannt, "noch immer sind Täter in der Anonymität verschwunden", kritisierte die ZdK-Präsidentin. "Und noch immer hat die Kirche es nicht geschafft, mit ihren Unabhängigen Kommissionen in den Diözesen für völlige Aufklärung zu sorgen." Die Preisverleihung sei deshalb eine Mahnung: "Betroffene zählen - nicht die Kirche." Noch immer machten sich zu viele vor allem Sorgen um das Image der Institution. "Dabei geht es um Menschen und ihre Schicksale. Die Perspektive zu wechseln ist Voraussetzung dafür, dass sich Grundlegendes verändert."

10.000 Franken bzw. Euro für die Preise

Mit je 10.000 Franken bzw. Euro zeichnet die Stiftung für Freiheit in der Kirche aus: erstens Matthias Katsch, Begründer der deutschen Initiative "Eckiger Tisch" sowie die Sprecher des Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz Johanna Beck, Kai Christian Moritz und Johannes Norpoth; zweitens Jacques Nuoffer für die Westschweizer Opfervereinigung Sapec und Albin Reichmuth für die Deutschschweizer Interessengemeinschaft für Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld; drittens die Theologin und Philosophin Doris Reisinger aus Frankfurt sowie viertens den Wiener Theologen Wolfgang Treitler. Die Stiftung wurde 1985 vom Schweizer Theologen Herbert Haag (1915-2001) gegründet.

Quelle:
KNA