Altbundespräsident Christian Wulff hat an die katholischen Bischöfe appelliert, den eingeschlagenen Reformkurs fortzusetzen. Vor der Wahl eines Nachfolgers von Georg Bätzing an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz sagte Wulf der "Augsburger Allgemeinen": "Der eingeschlagene Weg muss mutig und entschlossen weitergegangen werden."
Reformen als geistlicher und kultureller Weg würden aus der Mitte der Kirche selbst erwartet. Nur so könne die Kirche glaubwürdig bleiben und "die Botschaft des Evangeliums in unsere Zeit übersetzen".
Entscheidend sei dabei, ob sich Reform im konkreten Alltag der Kirche zeige - "in Verantwortung für Frauen in Leitungsfunktionen, in transparenteren Entscheidungsstrukturen, in einer ernsthaften Aufarbeitung von Fehlern und Schuld", fügte der CDU-Politiker hinzu. "Wenn Menschen im Alltag erleben, dass Kirche bereit ist, zu lernen, dann gewinnt sie Vertrauen zurück", betonte Wulff. "Gerade für unsere Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt brauchen wir eine Kirche, die vertrauenerweckend, dialogbereit und nah bei den Menschen ist."
Stetter-Karp: Entscheidende Wahl
Auch die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, mahnte, den begonnenen Reformprozesses in der katholischen Kirche fortzusetzen. Er lasse sich ohnehin nicht mehr zurückdrehen. "In den zurückliegenden Jahren hat sich viel bewegt: Was wir auf dem Synodalen Weg alle gemeinsam vorangebracht haben, lässt sich nicht mehr verrücken, kleinreden oder gar ungeschehen machen", sagte Stetter-Karp der Zeitung.
Wer immer neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz werde, müsse sich zu dessen Ergebnissen verhalten. "Es wird auf ihn ankommen, auf seine Gestaltungskraft. Ganz persönlich, in Verantwortung für seine neue Aufgabe", sagte Stetter-Karp. "Die deutschen Bischöfe stehen jetzt vor einer entscheidenden Wahl", fügte sie hinzu. Sie habe aber keine Angst um den Reformkurs in der deutschen katholischen Kirche.
Spaltung überwinden
Der Publizist und Kritiker des Synodalen Wegs, Bernhard Meuser, sagte der Zeitung im Namen der Katholiken-Initiative "Neuer Anfang", er erwarte sich vom neuen Vorsitzenden "die Überwindung der innerkirchlichen Spaltung". Mit Blick auf Bätzings Amtszeit sagte er: "Sechs Jahre sind wir zentrifugal auseinandergeflogen. Ohne etwas Hilfe von ganz oben wird es Jahrzehnte dauern, bis die Kirche wieder an das Evangelium erinnert und nicht an einen zerstrittenen Hühnerhaufen."
Der Limburger Bischof Bätzing, der das Amt des Bischofskonferenz-Vorsitzenden seit 2020 innehat, tritt am Dienstag nicht zur Wiederwahl an. Bis zuletzt und gegen Widerstände hatte er den 2019 gestarteten Reformprozess "Synodaler Weg" vorangetrieben. Dieser, getragen von der Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), war eine Reaktion auf den Missbrauchsskandal in der Kirche.