Was der Bätzing-Rückzug für die Kirche in Deutschland bedeutet

Neue Karten im Dialog mit Rom?

Bischof Georg Bätzing, bislang Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, tritt nicht erneut an. Jahre voller Krisen prägten seine Amtszeit. Wie fällt seine Bilanz unterm Strich aus? Ein Kommentar von Renardo Schlegelmilch.

Georg Bätzing, Bischof von Limburg und bisheriger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz / © Peter Jülich (KNA)
Georg Bätzing, Bischof von Limburg und bisheriger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz / © Peter Jülich ( KNA )

Eigentlich sollte dieser Schritt für niemanden eine völlige Überraschung sein. Unter Journalisten und Beobachtern der kirchlichen Szene wurde schon länger diskutiert, ob der Limburger Bischof sein Amt als Vorsitzender der Bischofskonferenz in eine zweite Amtszeit führen könnte und würde. Die Amtszeit von Georg Bätzing war von Krisen und Konflikten geprägt – von außen wie von innen. 

Im März 2020, in den ersten Tagen der Corona-Pandemie, übernahm er das Amt von seinem Vorgänger, dem Münchner Kardinal Reinhard Marx. Schon früh musste er das Handeln der Kirche in der größten gesellschaftlichen Ausnahmesituation der vergangenen Jahrzehnte erklären und rechtfertigen. Gleichzeitig kam der Synodale Weg, der Reformdialog der Kirche in Deutschland, in Fahrt. Nach dem Missbrauchsskandal und den Ergebnissen der MHG-Studie aus dem Jahr 2018 wurde Bätzing zum Gesicht der Reformversuche der deutschen Kirche. 

Das verschaffte ihm nicht nur Freunde. Besonders international geriet der Limburger Bischof ins Kreuzfeuer der Kritiker. Bis hin zum Vorwurf des Schismas, der Abspaltung der deutschen Kirche vom Vatikan, gingen die Anschuldigungen. 

Himmelklar-Podcast mit Bischof Georg Bätzing (DR)
Himmelklar-Podcast mit Bischof Georg Bätzing / ( DR )
Im Gespräch: Bischof Georg Bätzing (r.) mit DOMRADIO.DE-Chefredakteur Renardo Schlegelmilch.

Fakt ist: Der Limburger Bischof hat sich als Vorsitzender eines Themas angenommen, das alles andere als dankbar ist. Die Reform der Kirche ist komplex und langwierig - ganz gleich wie sie aussehen mag. Egal, welchen Weg Bätzing mit der Bischofskonferenz gewählt hätte, es wäre intern wie extern auf Kritik gestoßen.

Fakt ist aber auch: Heute sind die Bischofskonferenz, die Kirche und die Welt gespaltener als zu seinem Amtsantritt im Frühjahr 2020. Das hat freilich nicht nur mit der Person Georg Bätzing zu tun. Trotzdem ist es ihm nicht hinreichend gelungen, seine Brüder zu vereinen und im Namen der deutschen Bischöfe mit einer Stimme zu sprechen. Der Konflikt geht so weit, dass mehrere Bischöfe, die dem Synodalen Weg gegenüber kritisch eingestellt sind, ihre Mitarbeit beim Reformdialog aufgekündigt haben.

Insofern ist es nur konsequent und zu respektieren, dass Bätzing nun den Weg für einen Nachfolger freimacht, der andere Akzente setzen mag. Vielleicht entwickelt sich die Bischofskonferenz jetzt ähnlich wie der Vatikan in den letzten zwölf Monaten. Obwohl Papst Leo politisch im Großen und Ganzen auf der Linie seines Vorgängers Franziskus unterwegs ist, betont der erste Papst aus Amerika das Vereinende, Verbindende und schenkt auch den Kreisen in der Kirche Aufmerksamkeit, die unter Franziskus weniger Gehör fanden.

Was das für die Bischofskonferenz heißt, bleibt abzuwarten. Gerade aber auch im Dialog mit Rom – besonders wenn es um den Synodalen Weg geht – kann es nicht unbedingt schlecht sein, mit neuen Karten zu spielen.

Eine bemerkenswerte Randnotiz: An diesem Dienstag, dem 20. Januar, wird der Apostolische Nuntius in Berlin, Erzbischof Nikola Eterović, 75 Jahre alt und sollte dem Papst damit seinen Rücktritt anbieten. Eterović galt und gilt als Kritiker der Reformen von Georg Bätzing. Sollte dieser Rücktritt zeitnah angenommen werden, könnte es im Dialog zwischen Rom und Deutschland bald ganz anders aussehen.

Quelle:
DR

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