Georg Bätzing (64), Bischof von Limburg und scheidender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, ist laut eigenem Bekunden mit sich im Reinen. Er hadere nicht mit seiner Entscheidung, nach der regulären Amtszeit von sechs Jahren den Vorsitz der Bischofskonferenz abzugeben, sagte er in einem Interview der "Zeit".
Bätzing fügte jedoch hinzu, zwei weitere Jahre hätte er gerne noch drangehängt, "um ein paar Dinge festzuzurren. Aber mal ehrlich, nach einer weiteren Amtszeit wäre ich 70 oder 71. Das muss nicht sein!" Die Gesellschaft sei schnelllebig, die Probleme häuften sich, das erfordere enorme Energie: "Eine Weile schafft man das. Dann muss jemand frischen Wind reinbringen."
Die Bischöfe wollen am Dienstag bei ihrer Vollversammlung in Würzburg einen neuen Vorsitzenden wählen. Auf die Frage, wen er wählen werde, antwortete Bätzing: "Den besten. Ist doch klar." Er selbst freue sich darauf, künftig mehr Zeit zu haben. Auch im Urlaub und am Sonntag jederzeit erreichbar zu sein, werde er nicht vermissen.
Bischof Bätzing verteidigt Brandmauer zur AfD
An einer klaren Abgrenzung zur AfD hält Bätzing weiter fest. "Die Brandmauer muss halten. Sie ist das Signal, dass die AfD nicht mitregieren darf, das würde die Demokratie gefährden", sagte der scheidende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz weiter. Das Parteiprogramm für Sachsen-Anhalt zeige, was die Partei vorhabe.
"Die AfD steht für völkischen Nationalismus, und der ist mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar", fügte Bätzing hinzu: "So etwas wollen wir nicht an der Regierung." Dabei verwies er auch auf die Position der Bischofskonferenz. Man könne nicht als AfD-Mitglied menschenverachtende Positionen vertreten und gleichzeitig in der Kirche eine Funktion haben: "Das passt nicht zusammen. Da bleibe ich hart."
Auf die Frage, ob er mit AfD-Wählern spreche, antwortete der Bischof von Limburg: "Ich versuche es, aber viele geben nicht zu, was sie wählen. Mein Rat an die AfD-Wähler: Schauen Sie genau hin."
Bischofskonferenz-Vorsitzender ruft zu Solidarität mit Ukraine auf
Kurz vor dem vierten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine ruft Bätzing zur Solidarität mit dem Land auf. "Wir erleben die Rückkehr der Autokraten. Der Universalismus wird verdrängt von Nationalismus und Imperialismus", beklagte der Limburger Bischof in dem Interview der "Zeit". Das dürfe nicht die Zukunft sein.
Beispielhaft verwies Bätzing auf die Opfer des Krieges gegen die Ukraine. "Da müssen wir als Kirche Einspruch erheben." Zugleich räumte er ein, dass die Kirche den Krieg nicht beenden könne: "Aber wir organisieren materielle Hilfe vor Ort." Die Caritas und das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis setzten sich dafür ein, dass die Menschen den Winter überleben: "Wir müssen ihren Widerstandswillen stärken."
Bätzing ergänzte: "Aber auch in Deutschland können wir helfen, indem wir die Solidarität mit den geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern aufrechterhalten. Wir bringen sie jetzt vermehrt in Arbeit, damit sie Geld verdienen und Steuern zahlen, denn das stärkt sie selbst - und verhindert, dass die Stimmung der Bevölkerung kippt."
Am 24. Februar 2022 marschierten russische Truppen in die Ukraine ein. Seitdem leiden die Menschen unter Krieg und Gewalt.