Wo liegen die Ursprünge des Valentinstags?

Vogel-Balz und ein doppelter Heiliger

Um den Tag der Liebenden und dessen Geschichte ranken sich seit Jahrhunderten Mythen. Es ist eine komplizierte Zeitreise von der römischen Antike über das mittelalterliche England in die Neuzeit.

Autor/in:
Sebastian Fischer
Ein Paar mit einem Strauss roter Rosen / © Andrii Medvediuk (shutterstock)
Ein Paar mit einem Strauss roter Rosen / © Andrii Medvediuk ( shutterstock )

Der Autor der weltberühmten "Canterbury Tales", Geoffrey Chaucer, gilt als einer der ersten Dichter, die die romantische Liebe mit dem Heiligen Valentin in Verbindung bringen. "Denn dies war just Sankt Valentinus' Tag, / wo jeder Vogel dorthin kommt als Freier."

Zusammenhang spätestens seit dem 14. Jahrhundert

In seinem mittelenglischen Gedicht "Parlament der Vögel", das zwischen 1381 und 1382 entstand, nimmt er die höfische Liebe auf die Schippe. Vögel verschiedener Arten schickt Chaucer zur Balzzeit Mitte Februar auf lyrische Braut- und Bräutigamschau. "Und alle Vögel waren emsig nur, / Gar artig jetzt zu werben; sie begehrten, / Mit ihrem Willen, Weibchen und Gefährten."

In einem frühlingshaften Garten debattieren die Tiere am Tag des Heiligen Valentin darüber, welche Form der Paarung und Beziehung denn wohl die richtige sei. Es scheint also spätestens im 14. Jahrhundert bereits einen Zusammenhang zwischen dem christlichen Geistlichen und dem Verliebtsein zu geben – zumindest auf den Britischen Inseln.

Die Ehe als Sakrament

Die Paare verstehen ihre Ehe als einen sakramentalen Bund – als eine ganzheitliche Lebensgemeinschaft, die in ihrer Unauflöslichkeit die unverbrüchliche Treue der göttlichen Liebe spiegelt.

Sie begreifen ihren Ehebund und ihre eheliche Treue in Verbindung mit dem – in Jesus endgültig offenbar gewordnen – Versprechen, dass Gott in der konkreten Lebenswirklichkeit präsent ist und den Menschen unbedingt treu bleiben will.

Symbolbild Ehe / © BONDART PHOTOGRAPHY (shutterstock)

Ein Valentin oder mehrere?

Um das Leben des Heiligen Valentin ranken sich aber seit jeher mehr Spekulationen als tatsächliche Erkenntnisse. Es ist nicht einmal auszuschließen, dass die Legende auf zwei unterschiedliche Männer desselben Namens zurückgeht.

Da ist zum einen der Bischof von Terni in Umbrien, der Mitte des dritten Jahrhunderts als Märtyrer starb. Er hatte nach katholischer Überlieferung Menschen zum christlichen Glauben bekehrt und wurde deswegen unter der Herrschaft des römischen Kaisers Aurelian am 14. Februar 273 geköpft. Damals waren Christen im Römischen Reich immer wieder Verfolgung und Ermordung ausgesetzt.

Die Basilika in Terni, die sich mit einem Teil der Gebeine Valentins schmückt, weiß zu berichten: Er habe die höfliche Angewohnheit gehabt, jungen Menschen, die ihm begegneten, eine Rose aus seinem Garten zu schenken.

Und dann gibt es noch einen Valentin von Rom. Zwar ist es möglich, dass es sich bei ihm um denselben Heiligen handelt. Doch überliefert die katholische Kirche für ihn auch einen anderen Todestag: Er sei am 14. Februar 269 enthauptet worden, weil er unter anderem Liebespaare nach christlichem Zeremoniell getraut haben soll.

Ursprünge der Blumengeschenke

Ob nun schlussendlich eine oder zwei Personen: Der Erzdiözese Wien zufolge wird das Gedenken an Valentin bereits seit Mitte des 4. Jahrhunderts am 14. Februar begangen. Er gilt als Patron der Verliebten, Brautpaare und glücklichen Eheleute.

Ein Zusammenhang mit Blumengeschenken besteht allerdings schon seit vorchristlicher Zeit. Im antiken Rom ist die Mitte des Reinigungsmonats Februar der Flora und der Liebe gewidmet.

Nach der römischen Mythologie nämlich gedenkt man dann der Göttin Juno, Gattin von Göttervater Jupiter und Beschützerin der Ehe und der Familie. Frauen bekommen Blumen geschenkt, Altäre der Göttin werden mit Gestecken geschmückt.

Von Europa nach Amerika und zurück

Doch wie kommt der Brauch nach Deutschland? Ein Projekt an der Radboud Universität im niederländischen Nijmegen, das sich mit amerikanischen Einflüssen nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt, erläutert: Nachdem ihn Einwanderer aus Europa mitgebracht hätten, sei der Valentinstag in den 1840er Jahren zunächst in den USA sehr populär geworden. Heute ist er dort einer der wichtigsten Feiertage - inklusive ausschweifender Geschenkartikel-Industrie.

US-Soldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland stationiert sind, bringen die Tradition dann mit nach Zentraleuropa. Artikel in deutschen Zeitungen der 1950er Jahre belegen, dass hierzulande schon frühzeitig Gärtnereien und Floristikhändler die Gelegenheit für gute Geschäfte wittern. Und das hält bis heute an: Blumen sind das Nummer-1-Geschenk am Valentinstag. Im vergangenen Jahr haben die Deutschen in der Woche um den 14. Februar durchschnittlich doppelt so viel Geld für Schnittblumen ausgegeben wie in einer normalen Woche.

Quelle:
dpa