Wissenschaftlerin warnt vor Antisemitismus in Musik

"Augen, Ohren und Mund zu öffnen"

Die Musikwissenschaftlerin Karin Germerdonk hat vor einer zunehmenden Gefahr von Antisemitismus in der Musik gewarnt und dazu mehr Aufklärung in der Bevölkerung gefordert. Solche Gesinnung könne sich schnell und schlimm ausbreiten.

Jetzt aufstehen gegen Antisemitismus / © Christophe Gateau (dpa)
Jetzt aufstehen gegen Antisemitismus / © Christophe Gateau ( dpa )

Das habe die NS-Zeit gezeigt, so Germerdonk. Wenn NS-Gedankengut "heute wieder fröhliche Urständ feiert und Aufschwung nimmt, dann müssen wir viel aufklären, um jungen Menschen Augen, Ohren und Mund zu öffnen, was sie da hören und singen", warnte die Musikhistorikerin am Dienstagabend bei einem Vortrag in Saarbrücken.

Antisemitische, frauenfeindliche und homophobe Texte

Als Beispiele dafür, wie mit Songtexten und Shows rechtsgerichtetes antijüdisches Gedankengut in die Gesellschaft einziehe, nannte Germerdonk unter anderem den Mitgründer der Band Pink Floyd, den inzwischen 79-jährigen Roger Waters, sowie die Rapper Kollegah und Farid Bang. Rogers habe bei seinen früheren Auftritten öfter einen Schweinskopf mit Davidstern gezeigt. Die Rapper Kollegah und Farid Bang hätten mit der umstrittenen Wortzeile über Auschwitz-Insassen ihre Haltung dargelegt und seien nach wie vor erfolgreich mit antisemitischen, frauenfeindlichen und homophoben Texten.

Das Antisemitismus-Problem in der Musik sei international, aber gerade Deutschland habe hier wegen seiner Vergangenheit die Aufgabe, eine aufklärerische Vorreiterrolle und Gegenbewegung einzuleiten. Das von Germerdonk geleitete gemeinnützige gegen Antisemitismus gerichtete Forum Alma Rosé in Völklingen plant dazu nach eigenen Angaben eine Reihe von Konzerten, Vorträgen und Podiumsdiskussionen, die auch mithilfe einer Podcast-Serie verbreitet werden sollen.

"Antisemitisch können aber immer nur Texte sein"

Benannt ist das Forum nach der 1944 in Auschwitz ermordeten damaligen Leiterin des dortigen Jugendorchesters. Der strukturelle wie auch der Israel-bezogene Antisemitismus sei sehr breit gefächert, betonte Germerdonk. Der Antisemitismus in der Musik habe seinen Aufschwung vor allem in der Zeit der Weimarer Republik und nach der Machtübernahme Adolf Hitlers erlebt. "Antisemitisch können aber immer nur Texte sein", schränkte die Musikwissenschaftlerin ein, nicht musikalische Werke wie die Carmina Burana oder Wagners Opern an sich.

Antisemitismus

Antisemitismus nennt man die offen propagierte Abneigung und Feindschaft gegenüber Juden als Volksgruppe oder als Religionsgemeinschaft. Der Begriff wird seit dem 19. Jahrhundert gebraucht, oft als Synonym für eine allgemeine Judenfeindlichkeit. Im Mittelalter wurden Juden für den Kreuzestod Jesu verantwortlich gemacht und als "Gottesmörder" beschuldigt. Während der Kreuzzüge entlud sich die Feindschaft in mörderischen Ausschreitungen, Vertreibungen und Zwangsbekehrungen.

Teilnehmende einer Demonstration zur Solidarität mit Israel / © Michael Kappeler (dpa)
Teilnehmende einer Demonstration zur Solidarität mit Israel / © Michael Kappeler ( dpa )
Quelle:
epd