Wissenschaftlerin sieht religiöse Herrschaft im Iran vor dem Aus

"Gesellschaft ist zunehmend säkular geworden"

Wie geht es weiter im Iran? Darüber wird derzeit heftig spekuliert. Eine Konstante der vergangenen Jahrzehnte hat allerdings auf jeden Fall ausgedient, meint die Konfliktforscherin Sara Bazoobandi. Auch der Iran sei säkular geworden.

Eine Frau mit den Farben der iranischen Flagge im Gesicht / © Alexandros Michailidis (shutterstock)
Eine Frau mit den Farben der iranischen Flagge im Gesicht / © Alexandros Michailidis ( shutterstock )

Die religiöse Herrschaft wird in der Zukunft des iranischen politischen Systems nach Ansicht von Konfliktforscherin Sara Bazoobandi keine Rolle mehr spielen. "Die iranische Gesellschaft ist zunehmend säkular geworden", sagte Bazoobandi, die in Teheran studiert hat, am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Dies liege an einem "Missbrauch der Religion durch den Staat", der zudem religiöse Praktiken im öffentlichen und privaten Leben erzwungen habe. Das wiederum habe eine massive Gegenbewegung in der Bevölkerung ausgelöst.

Trennung von Politik und Religion

"Einer der Hauptgründe, warum der Kronprinz im Exil, Reza Pahlavi, in den letzten Jahren als Alternative zum Übergang weg von der Islamischen Republik an Zustimmung gewonnen hat, ist sein Versprechen, Politik und Religion zu trennen sowie Religionsfreiheit zu garantieren." 

Reza Pahlavi / © Thomas Padilla/AP (dpa)
Reza Pahlavi / © Thomas Padilla/AP ( dpa )

Der öffentliche Diskurs der vergangenen Jahrzehnte habe sich um die Überzeugung geformt, dass Religion eine Privatangelegenheit sei, so Bazoobandi weiter. Wer gläubig ist, hat das Recht, seinen Glauben zu praktizieren – solange dies nicht die Freiheit anderer einschränkt.

Bazoobandi lehrt und forscht am German Institute for Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg sowie am Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel (ISPK).

Quelle:
KNA