Hilferuf von brasilianischem Erzbischof in Corona-Pandemie

"Wir haben sehr viele Tote zu beklagen"

Das Hilfswerk Adveniat beklagt eine dramatische Corona-Lage in der brasilianischen Amazonas-Metropole Manaus. Das Gesundheitssystem ist kollabiert, zudem fehlen personelle und materielle Unterstützung sowie Sauerstofflieferungen.

Kreuz für ein Grab auf dem Friedhof in Manaus, Brasilien / © Alex Pazuello/Semcom/Prefeitura Manaus (dpa)
Kreuz für ein Grab auf dem Friedhof in Manaus, Brasilien / © Alex Pazuello/Semcom/Prefeitura Manaus ( dpa )

"Wir sind in einer fast aussichtslosen Lage", sagte der Erzbischof von Manaus, Dom Leonardo Steiner, laut Mitteilung am Montag in Essen. "Helfen Sie uns mit Sauerstoff. Die Menschen sollen nicht sterben müssen, weil es an Betten und Sauerstoff fehlt."

Mit mehr als 1.400 Covid-19-Toten in den ersten drei Januarwochen erlebe die Millionenstadt im brasilianischen Regenwald einen der schlimmsten Momente ihrer Geschichte, so das Hilfswerk. Papst Franziskus drückte den Hinterbliebenen der Covid-Toten im Amazonasgebiet sein Beileid aus und sprach von einem "sehr schwierigen Moment" für Manaus.

"Wir haben sehr viele Tote zu beklagen"

Adveniat-Projektpartner Bischof Johannes Bahlmann, der seit 30 Jahren vor Ort ist, berichtete aus der Amazonas-Diözese Obidos: "Wir haben sehr viele Tote zu beklagen. Und nicht nur das: Viele leiden Hunger." Die Gesundheits- und Notversorgung in schwer zugänglichen Flussufergemeinden sei nur mit Hospitalschiffen und Beibooten des Bistums möglich.

Insgesamt verzeichnet Brasilien den Angaben zufolge bereits rund 217.000 Covid-Tote und rund 8,8 Millionen registrierte Infektionen.

Katastrophales Corona-Krisenmanagement

Der Brasilien-Referent von Adveniat, Klemens Paffhausen, bezeichnete das Ausmaß der Krise als zum Teil hausgemacht. "Das katastrophale Corona-Krisenmanagement der Regierung des rechtsradikalen Präsidenten Jair Bolsonaro, der von Beginn an die Gefährlichkeit des Coronavirus verharmloste und empfohlene Hygienestandards verspottet, findet nun seine Fortsetzung im Chaos um die Beschaffung von Impfstoff."

Zudem sei Manaus viel zu lange mit den Problemen alleine gelassen worden.

Adveniat hilft den Angaben zufolge in den Diözesen Manaus und Obidos Ordensgemeinschaften, die sich um die Corona-Prävention sowie um die Verteilung von Lebensmitteln, Medikamenten und Hygienekits an arme und benachteiligte Menschen kümmern. Auch die vom Hilfswerk direkt unterstützte katholische Kirche in Brasilien helfe Manaus und der Amazonas-Region in der Notlage. Die Brasilianische Bischofskonferenz spendete Sauerstoff-Flaschen für Manaus.

Manaus: Bestattungshelfer in Schutzkleidung / © Edmar Barros (dpa)
Manaus: Bestattungshelfer in Schutzkleidung / © Edmar Barros ( dpa )
Quelle:
KNA