"FC-Andacht" im Kölner Dom und Livestream

"Wir beten nicht um Erfolge"

Zum achten Mal versammeln sich an diesem Sonntag um 13.45 Uhr Fußballfans im Kölner Dom, um für eine gute Saison zu beten. Stadtdechant Robert Kleine leitet die Andacht mit und verrät, ob es auch in diesem Jahr die FC-Hymne von der Orgel geben wird.

Die Fahnenstangen hochhalten - das tun echte FC Köln-Fans. / © Beatrice Tomasetti (DR)
Die Fahnenstangen hochhalten - das tun echte FC Köln-Fans. / © Beatrice Tomasetti ( DR )

DOMRADIO.DE: Was passiert bei dieser außergewöhnlichen Andacht?

Msgr. Robert Kleine (Kölner Stadt- und Domdechant): Wir sind im Dom und bitten um eine gute Saison in Fairness und ohne Unfälle. Und das ist natürlich eine Andacht anlässlich des ersten Heimspiels des 1. FC Köln. Das ganze wird "FC-Andacht" genannt. Aber natürlich sind wir gottesdienstlich neutral. Das heißt, wir beten nicht um die Erfolge des FC. Die erhoffen wir, aber wir Beten natürlich, dass es eine für alle gute Zeit wird. Und das sicherlich auch gerade im Hinblick auf die Entwicklung des Coronavirus.

DOMRADIO.DE: Das ist jedes Jahr ein schönes Bild. Denn die Fans kommen im Fan-Outfit mit allem, was man da so trägt.

Kleine: Ja, normalerweise. Normalerweise kommen natürlich alle die wollen und es gibt keine Beschränkung im Dom. Da kommen alle mit ihren Trikots - Schals und Fahnen werden mitgebracht und man muss sich auch nicht anmelden. In diesem Jahr ist natürlich alles anders. Die Plätze sind alle schon vergeben. Und ob jetzt die, die in der Andacht sind, anschließend auch ins Stadion hineinkommen, ob das sozusagen eine Schnittmenge ist, das weiß ich nicht. Es kann auch sein, dass die dann eben in Lokale müssen oder das Fußballspiel zu Hause schauen. Wir hoffen natürlich, dass im nächsten Jahr wieder ein voller Dom da ist. Jetzt sind es 178 Leute, stellvertretend für alle Fans, nicht nur FC-Fans, sondern auch die der anderen Vereine.

DOMRADIO.DE: Akustischer Höhepunkt ist immer die auf der Domorgel gespielte FC-Hymne. Wird das auch dieses Jahr passieren?

Kleine: Ja natürlich. Mit Maske wird gesungen und da scheiden sich etwas die Geister. Die einen wollen, die anderen wollen es nicht, von außerhalb betrachtet. Aber die Hymne wird nach dem Schlusssegen gesungen. Also nicht im Gottesdienst selbst. Ob der liebe Gott parteiisch ist, das wissen wir nicht. Aber nach dem Abschluss singen wir dann - und das gehört ja schon zum Volksgut - natürlich unsere FC Hymne. Und dann hoffen wir, dass es dieses Mal nicht ganz so spannend wird, was den Klassenerhalt betrifft, wie letztes Mal, sondern dass wir etwas gelassener mitfiebern können. Und nach oben überraschen darf uns der FC natürlich immer gern.

DOMRADIO.DE: Wissen Sie, ob es sowas auch in anderen Bundesligastädten gibt? Hat man sich den FC und den Dom da irgendwie zum Vorbild genommen?

Kleine: Das wäre natürlich sehr positiv. Ich glaube, es gibt sowas an dem einen oder anderen Ort, aber da dürfen sie mich nicht festnageln. Auch in den allermeisten Fällen wie bei uns ökumenisch gestaltet. Also der Stadtsuperintendent ist im Dom dabei und ich in meiner Funktion als Stadtdechant, also die beiden großen Konfessionen. Die Fürbitten werden von Fans vorgetragen und der Vorstand ist mit anwesend. Die Spieler sind natürlich schon im Stadion und bereiten sich auf das Match vor. Und das ist eigentlich immer eine sehr schöne Stimmung. Vor allem geht es ja um Respekt und Toleranz. Und normalerweise sind auch immer Fans des gegnerischen Vereins im Dom, um zu zeigen: Hier sind wir eigentlich keine Gegner und schon gar keine Feinde. Und es geht ja auch darum, ein Zeichen zu setzen, vor allem gegen jede Gewalt,wenn ich zum Beispiel an Hooligans denke. Aber die haben ja eigentlich auch kein Anrecht darauf, egal zu welchem Verein sie gehören, dass sie sich überhaupt Fans nennen. Denn sie lieben nicht den Sport, sondern sorgen dafür, dass der negativ in die Schlagzeilen kommt. Das wollen wir alles nicht.

DOMRADIO.DE: Was erwarten Sie für eine Saison des FC?

Kleine: Ich hoffe natürlich auch unter dem neuen Trainer, dass die Mannschaft in der ersten Hälfte der Liga diese Saison beendet. Das wäre für alle, glaube ich, sehr gut. Und nach oben habe ich ja schon gesagt, ist alles offen, aber vielleicht noch nicht in diesem Jahr.

Das Interview führte Carsten Döpp.

Dom- und Stadtdechant Msgr. Robert Kleine ist Mitinitiator des Telefon-Projektes. / © Beatrice Tomasetti (DR)
Dom- und Stadtdechant Msgr. Robert Kleine ist Mitinitiator des Telefon-Projektes. / © Beatrice Tomasetti ( DR )
Quelle:
DR