DOMRADIO.DE: Herr Faber, wie machen Sie das in Wien?
Anton Faber (Dompfarrer des Wiener Stephansdoms): Vor 25 Jahren haben wir uns für eine Doppellösung entschieden. Zum einen bleibt der freie Zugang zum Gotteshaus immer gewahrt. Natürlich auch zu den täglichen sieben Gottesdiensten und am Sonntag zu den neun Gottesdiensten. Gleichzeitig sperren wir zwei Drittel des Stephansdoms ab. Das gilt für diejenigen, die den Stephansdom mit Audioguide selbst besichtigen oder Gruppenführung machen. Die führen auch in ruhigere Bereiche, durch manche Geheimnisse des Doms.
Somit ist ein Drittel des Domes frei begehbar: Vom Haupttor, wo man zum Beten, zum Kerzenanzünden, zur Anbetung, zur Beichte, zum Dom-Shop kommen kann, zur Katakomben-Führung, zum Aufgang und zum Südturm.
DOMRADIO.DE: Was haben Sie gedacht, als Sie hörten, dass jetzt auch im Kölner Dom Eintritt genommen wird?
Faber: Ein sicher gut überlegter, weiser Entschluss. Ich könnte mir nicht vorstellen, ohne diese Einnahmen den Dombetrieb aufrechtzuerhalten, da sie einen wesentlichen Teil unserer Möglichkeiten ausmachen, Mitarbeiter, Gottesdienstbetrieb, Musikbetrieb und alles andere zu finanzieren.
DOMRADIO.DE: Wie haben die Menschen damals in Wien reagiert, als Sie die Eintrittspreise eingeführt haben?
Faber: Mit einem kleinen Unglück, dass in einer auflagenstarken Zeitung ein Aufschrei durchgegangen ist, weil ein unerleuchteter Mitarbeiter im Interview über die Maßnahme sprach, als gäbe es keinen freien Eintritt mehr in den Dom. In der Freude über die zukünftigen Einnahmen hat er das Ziel verfehlt. Ich musste dann richtigstellen, dass alle Wienerinnen und Wiener, die zum Gebet oder zum Gottesdienst kommen wollen, weiterhin freien Eintritt haben – ebenso wie Besucher aus allen Ländern.
DOMRADIO.DE: Wie haben sich die Besucherzahlen bei Ihnen im Stephansdom entwickelt?
Faber: Die Besucherzahlen haben sich insgesamt sehr positiv entwickelt. Wir haben sechs Millionen Besucher pro Jahr. Früher waren es zwei bis drei Millionen. Das System ist zu Spitzenzeiten fragwürdig geworden, weil die Menschen, die sich durch das Haupttor hereinwälzen, fast nicht mehr bewältigt werden können. Wir überlegen derzeit, ob wir angesichts der gestiegenen Zahlen zusätzliche Maßnahmen ergreifen müssen.
DOMRADIO.DE: Was hat sich seit der Einführung noch verändert?
Faber: Wir müssen überlegen, ob wir eine neue Sicherheitsstrategie brauchen. Zum Beispiel: Wie weit lassen wir Menschen mit Rucksack, kleinem Koffer oder größeren Gepäckstücken ohne Weiteres hinein? Wenn wir am Platz große Container für Gepäck aufstellen müssten, würde uns das vor Herausforderungen stellen, die wir nicht so leicht lösen können.
DOMRADIO.DE: Es gibt also tatsächlich Überlegungen, etwas zu ändern?
Faber: Genau. Ich habe diese Woche mit dem Dombaumeister gesprochen. Er hat sich das System in Köln angeschaut: Auf der Platte vor dem Dom stehen Container, in denen Besucher ihr Gepäck abstellen können. Das könnten wir kaum bewältigen, wenn wir den Zustrom der Gläubigen und der vielen touristischen Besucher stark einschränken.