Religionsvertreter erfreut über "SchUM-Städte" als Welterbe

Wiege des Judentums in Europa

Religionsvertreter haben sich erfreut über die Auszeichnung des jüdischen Kulturguts in Mainz, Speyer und Worms als neues Unesco-Weltkulturerbe geäußert.

Worms: Der älteste jüdische Friedhof Europas weist rund 2000 Gräber auf / © Frank Rumpenhorst (dpa)
Worms: Der älteste jüdische Friedhof Europas weist rund 2000 Gräber auf / © Frank Rumpenhorst ( dpa )

Der Mainzer katholische Bischof Peter Kohlgraf schrieb am Mittwoch auf Facebook, dies sei eine großartige Entscheidung. "Die Gläubigen aus dem Judentum haben unsere Kultur geprägt, und sie gehören auch heute zu uns", betonte Kohlgraf. Er sei auch deswegen dankbar, in Mainz Bischof zu sein. "Unseren jüdischen Geschwistern einen ganz herzlichen Glückwunsch, Dank und Anerkennung."

Die Entscheidung markiere, "welchen wertvollen Beitrag jüdische Kultur seit vielen Jahrhunderten auch für Europas Kultur leistet", betonte der Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER), Moskaus Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt.

Impulse für die Entwicklung des Judentums

Die sogenannten SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz gehörten zur Wiege des Judentums in Europa. Von ihr seien entscheidende Impulse für die Entwicklung des Judentums ausgegangen, erklärte Goldschmidt. "Ich wünsche mir, dass von den ersten jüdischen Welterbestätten in Deutschland auch ein Impuls ausgeht, dass sie ein Ort des Austausches und des gegenseitigen Lernens voneinander sind, um mehr über jüdisches Leben zu erfahren und offensichtliche Wissenslücken über das Judentum zu schließen."

Denn nach wie vor sei über positive Beiträge des Judentums zur deutschen und europäischen Kultur viel zu wenig bekannt, kritisierte der orthodoxe Oberrabbiner. Dies sei auch selten ein Thema an Schulen oder in Medien.

Unesco-Auszeichnung kam am Dienstag

Die Weltkulturorganisation Unesco hatte am Dienstag das jüdische Kulturgut in Mainz, Speyer und Worms ausgezeichnet - die sogenannten SchUM-Städte. Die Abkürzung SchUM ist abgeleitet aus den mittelalterlichen hebräischen Anfangsbuchstaben Schin (Sch), Waw (U) und Mem (M); sie stehen für die drei Städte Schpira, Warmaisa und Magenza - also für Speyer, Worms und Mainz. Die dortigen jüdischen Gemeinden waren seit dem 11. Jahrhundert als Zentren des mittel-, ost- und nordeuropäischen Judentums eng miteinander verwoben.

Bischof Peter Kohlgraf / © Harald Oppitz (KNA)
Bischof Peter Kohlgraf / © Harald Oppitz ( KNA )
Oberrabiner Pinchas Goldschmidt / © Heike Lyding (epd)
Oberrabiner Pinchas Goldschmidt / © Heike Lyding ( epd )
Quelle:
KNA
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