Queen Elizabeth II. war zu Lebzeiten die bekannteste Frau der Welt und auch die meistfotografierte. Sie führte ein wahrhaft außergewöhnliches Leben – mit vielen Rekorden. Der vielleicht wichtigste, der so schnell nicht überholt werden kann: Sie regierte 70 Jahre lang, von 1952 bis 2022.
Spricht man heute von "der Queen", taucht bei den meisten Menschen noch sofort ein Bild von Elizabeth II. vor Augen auf – auch wenn seit ihrem Tod im September 2022 ihre Schwiegertochter Camilla diesen Titel führt. Vor 100 Jahren, am 21. April 1926, wurde sie geboren.
Pflicht als persönliches Schutzschild
An ihrem 21. Geburtstag gab sie in einer Radioansprache ein Versprechen ab: "Ich erkläre vor Ihnen allen, dass mein ganzes Leben, sei es lang oder kurz, meinem Dienst und dem Dienst unserer großen imperialen Familie, der wir alle angehören, gewidmet sein wird". Dieses Versprechen hat sie gehalten, auch wenn aus der imperialen Familie schon bald das Commonwealth wurde.
Ihr Pflichtbewusstsein leitete die Queen ihr ganzes Leben lang; ihre Familie und persönlichen Beziehungen mussten hinten anstehen. "Die ganz eigene Tortur ihres Daseins als Königin stand sie durch, indem sie ihre Pflichterfüllung zum schützenden Panzer machte", schreibt Autor Craig Brown in einer aktuellen Biografie. "Sie tat das Richtige, indem sie nie das Falsche tat." Komplett bei sich selbst war sie wahrscheinlich nur bei ihren geliebten Corgis und ihren Rennpferden. Die Tiere erlebten sie als Mensch, nicht als Königin.
Der Glaube als innerer Anker
Was hat sie dabei getragen? Woraus schöpfte sie die Kraft für ihr Leben? Zum einen aus ihrer Ehe mit Prinz Philip (1921–2021). Der Prinz von Griechenland und Dänemark, der für sie das Rauchen, seinen Glauben und seine Nationalität aufgegeben hatte, war ihre ganz große Liebe. Die beiden waren von 1947 bis zu Philips Tod kurz vor seinem 100. Geburtstag 2021 verheiratet.
Was ihr überaus viel Kraft gab, war ihr Glaube. Ihre Eltern, selbst tiefgläubig, erzogen sie entsprechend. Die Queen hat, wie sie selbst durchblicken ließ, offenbar nie an ihrem Glauben gezweifelt. "Der Anker in meinem Leben", wie sie in ihrer Weihnachtsansprache 2016 sagte. Und in der Ansprache im Jahr 2000: "Für viele von uns ist unser Glauben von größter Wichtigkeit. Die Lehre Christi und das Wissen um meine persönliche Rechenschaftspflicht vor Gott stellen für mich den Rahmen dar, in dem ich versuche, mein Leben zu führen. Wie so viele von Ihnen habe ich auch großen Trost in Jesu Christi Worten und Vorbild gefunden."
Monarchin und Verteidigerin des Glaubens
Elizabeth II. war aber nicht nur ein frommer, gläubiger Mensch – als Königin war sie auch das weltliche Oberhaupt der anglikanischen Kirche von England und trug den Ehrentitel "Verteidiger des Glaubens". In Schottland war sie Mitglied der presbyterianischen Church of Scotland, hatte dort aber keine offizielle Funktion. Sie ernannte auf Vorschlag des Premierministers die 108 Bischöfe, die ihr dann die Treue schworen und ihr huldigten.
Es erinnert an das Mittelalter, aber bis heute knien die ernannten Erzbischöfe von Canterbury vor ihrem Monarchen und legen ihre Hände in die seinen oder ihren, wenn sie ihm oder ihr die Treue schwören – wie zuletzt Sarah Mullally bei König Charles III.
Religiöse Vielfalt und neue Rollenbilder
Als Elizabeth II. 1952 als junge Frau den Thron bestieg, war Großbritannien ein "weißes" Land, in dem die meisten Menschen der Kirche von England angehörten. Das änderte sich deutlich. Seit einigen Jahrzehnten bezeichnen sich immer weniger Menschen als christlich. Durch Zuwanderung aus den ehemaligen Kolonien sind gleichzeitig Menschen anderer Religionszugehörigkeit in das Land gekommen.
Elizabeth II. hatte sowohl im Königreich als auch im Commonwealth die Breite an verschiedenen Religionen anerkannt und sich für religiöse Toleranz starkgemacht. Ganz auffällig ist dabei, dass sie das erst nach dem Tod ihrer sehr konservativen Mutter, der Queen Mother, im Jahr 2002 deutlich und öffentlich umsetzte. Zu ihrem Platin-Jubiläum 20 Jahre später gratulierten der Queen Vertreter der verschiedenen Religionen im Königreich und dankten ihr für ihren Dienst an der Gemeinschaft.
Gutes Verhältnis zur katholischen Kirche
Queen Elizabeth pflegte ein offenes und gutes Verhältnis zur katholischen Kirche. Im Januar 2002 war Kardinal Cormac Murphy-O'Connor der erste Erzbischof von Westminster seit der Reformation, den sie zum Wochenende auf ihren privaten Landsitz in Sandringham einlud. Er predigte dann am Sonntag vor ihr. Bekannt ist auch, dass sie sich mit Kardinal Basil Hume sehr gut verstand – sie bezeichnete ihn als "my cardinal". Kurz vor seinem Krebstod im Jahr 1999 verlieh sie ihm noch eine hohe Auszeichnung.
Mehrere Treffen mit den Päpsten
Im Vatikan galt sie als die letzte christliche Monarchin Europas. Dort traf sie dreimal zu einem Besuch ein, zuletzt 2014 bei Papst Franziskus. Es war ihr siebtes und letztes Treffen mit einem Papst – entweder in Rom oder in England.