DOMRADIO.DE: Wie ist die Atmosphäre in der Stadt aktuell?
Dietrich Bäumer (Leiter der Schmidt-Schule in Ost-Jerusalem): Es ist ein sehr ruhiges Osterfest, eine stille Osteroktav möchte man sagen, im Unterschied zu den letzten Jahren. Im letzten Jahr waren trotz des Krieges noch etliche Pilger im Heiligen Land. Jetzt ist es eher das Bild einer ausgestorbenen Stadt, ganz abgesehen davon, dass die Altstadt über die Osterfeiertage auch gesperrt war. Man konnte nur zum Teil in die Altstadt hinein, am Ostersonntag war sie komplett abgeriegelt.
An Osterfeiern in dem Rahmen, wie wir sie aus der Vergangenheit her kennen, mit Tausenden von Pilgern die Richtung Grabeskirche strömten, war in diesem Jahr überhaupt nicht zu denken. Das heißt, man hat sich in kleinere Kreise zurückziehen müssen. Es war ein sehr stilles Osterfest.
DOMRADIO.DE: Sie haben es gesagt, Gottesdienste und Prozessionen waren wegen des Krieges verboten. Wie haben Sie persönlich Ostern verbracht?
Bäumer: Wir haben Ostern zum Glück in der kleinen Gemeinschaft mit den Mönchen und mit Abt Nikodemus auf dem Zionsberg in der Krypta der Dormitio-Abtei mitfeiern dürfen. Das war sehr schön. Es war auch mal eine ganz andere Atmosphäre, als wir das normalerweise gewohnt sind.
Es waren vielleicht 25 bis 30 Menschen: Die noch vor Ort verbliebenen Mitarbeiter der deutschen Auslandsvertretungen aus Ramallah sowie Kolleginnen und Kollegen der Schule, die noch hier sind. Wir haben ein sehr schönes, besinnliches und kleines, aber feines Osterfest verbracht - in Sicherheit. Abt Nikodemus hat es sehr schön in seiner Einführung am Gründonnerstag gesagt: Es ist der schönste Bunker Jerusalems, und das stimmt wohl.
DOMRADIO.DE: Sie leiten die deutsche katholische Schmidt-Schule in Ost-Jerusalem, die vom Heilig-Land-Verein getragen wird. Die Schule wird von muslimischen und christlichen Mädchen besucht. In Ihrer Schule sind aktuell noch Osterferien, aber ein normaler, richtiger Schulbetrieb ist bei Ihnen gar nicht möglich. Schon seit Wochen nicht und wahrscheinlich auch in der Zukunft nicht. Wie schauen Sie in die Zukunft?
Bäumer: Im Moment ungewiss. Wir wissen nicht genau, wie es weitergeht und wann es weitergeht. Wir sind seit dem 28. Februar, seit Kriegsbeginn, im Online-Unterricht. Das klappt zum Glück recht gut, denn das Training der vergangenen Jahre ist ja da: Erst Corona, dann der Beginn des Kriegs nach dem 7. Oktober. Da waren wir auch schon mal im Online-Unterricht.
Aber wir sind erstmalig in einer so langen, kontinuierlichen Phase des Online-Learnings, wie wir das bisher während des Kriegs noch nicht waren. Aber es funktioniert, die digitalen Tools dafür stehen zur Verfügung und unsere Schülerinnen, auch die Lehrkräfte, sind Gott sei Dank sehr gut damit vertraut.
Das Interview führte Carsten Döpp.