Patientenschützer: Ärzteverband hat Priorisierung torpediert

Wie geht es mit dem Impfen weiter?

Am Montag wird die Priorisierung bei den Corona-Impfungen aufgehoben. Ärzte rufen zur Geduld auf. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung warnt vor einem Ansturm auf die Praxen. Ein vorhersehbares Problem, sagen Patientenschützer.

Hinweisschild zum Impfzentrum / © Harald Oppitz (KNA)
Hinweisschild zum Impfzentrum / © Harald Oppitz ( KNA )

Die deutschen Ärzte haben die Bevölkerung angesichts der Aufhebung der Impfpriorisierung in den Praxen ab Montag zu Geduld und Rücksicht aufgerufen. Er rechne mit einem "Ansturm auf die Praxen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag).

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sprach von einer vorhersehbaren Entwicklung. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbundes als Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, sagte der Zeitung: "Nach wie vor gibt es in den Praxen zu wenig Impfstoff. Daher müssen wir unsere Patienten um Geduld bitten."

Brysch: Überlastung der Praxen vorhersehbar

Immerhin gehe es jetzt nur noch um Wochen, nicht um Monate, bis alle Impfwilligen ein Angebot bekämen. Gassen merkte an, dass bei vielen Menschen der falsche Eindruck entstanden sei, sie könnten sich sofort impfen lassen. Dies sei keineswegs möglich. Zudem habe die Politik den Anschein erweckt, "dass auch Kindern und Jugendlichen bereits ab kommendem Montag die Möglichkeit eines Impfangebots unterbreitet werden könne, obwohl es seitens der Ständigen Impfkommission keine generelle Impfempfehlung dazu gibt", kritisierte er.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte dem epd, die Kassenärztliche Bundesvereinigung treibe "Volksverdummung". "Schließlich war es dieser Ärzteverband, der die Impfpriorisierung seit Monaten torpediert hat", sagte Brysch. Das Ende der "ethischen Reihenfolge" und der Mangel an Impfstoffen führten vorhersehbar zu einer Überlastung der Praxen. Haus- und Fachärzte seien schließlich für die medizinische Grundversorgung verantwortlich. "Die vielen zusätzlichen Anfragen von Impfwilligen, denen jetzt praktisch nicht geholfen werden kann, gefährden diesen ärztlichen Sicherstellungsauftrag."

Quelle:
epd