Zum Auftakt der westfälischen Landessynode am Sonntag haben Politiker die Rolle der Kirchen in der Corona-Krise gewürdigt. "Gerade in diesen Zeiten gibt der Glaube den Menschen Halt und Hoffnung", sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in einer Videobotschaft an das digital tagende Kirchenparlament.
Er dankte der Evangelischen Kirche von Westfalen für ihren verantwortungsvollen Umgang mit der Corona-Pandemie und äußerte die Hoffnung, dass das religiöse Leben "so bald wie möglich auch wieder normal stattfinden" kann. Auch der Bielefelder Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) hob die Bedeutung der Kirche in der Corona-Krise hervor, gerade jetzt sei ihre Stimme gefragt.
Lob für kirchlichen Beitrag in Zeiten der Pandemie
Laschet wies darauf hin, dass das kirchliche Leben wegen der Pandemie seit über einem Jahr in hohem Maße beeinträchtigt sei. Viele Gottesdienste würden mit begrenzter Besucherzahl oder digital gefeiert, um die Gesundheit und damit das Leben der Menschen zu schützen.
Dankbar sei er auch Pflegeheimen, Kitas und Krankenhäusern in evangelischer Trägerschaft, "ohne deren Wirken wir nicht so glimpflich durch diese Krise gekommen wären". Die leitende Theologin der westfälischen Kirche, Präses Annette Kurschus, lobte die enge Abstimmung mit der Politik im Blick auf den Infektionsschutz.
Bielefelds Oberbürgermeister Clausen betonte, die Äußerungen der Kirche seien von den Werten der Verantwortung und der Nächstenliebe getragen. Er beklagte, nach über einem Jahr Corona werde das anfangs noch sichtbare Gemeinschaftsgefühl zunehmend von Egoismen überlagert. Herausforderungen wie die Pandemie seien jedoch nur zu bewältigen, wenn sie in einem gesellschaftlichen Zusammenhalt angegangen würden.
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, sieht die benachbarten Landeskirchen im Rheinland und in Westfalen eng verbunden. Sie hätten eine große gemeinsame Geschichte, sagte er in einem Video-Grußwort an die Synode: "Wir waren Vorreiter für eine moderne Kirche mit der presbyterial-synodalen Ordnung und mit unserer gemeinsamen rheinisch-westfälischen Kirchenordnung." Die Frage sei nun: "Werden wir gemeinsam auch Vorreiter für eine moderne Kirche der Zukunft sein?" In einer solchen Kirche müssten beispielsweise Menschen anderer Sprache und Herkunft eine Heimat finden können.
Essener Weihbischof Wilhelm Zimmermann wirbt für Ökumene
Der Essener Weihbischof Wilhelm Zimmermann warb für weitere Fortschritte der evangelischen und katholischen Kirche beim Thema Abendmahl. "In der Bischofskonferenz sehen wir noch nicht alle Fragen geklärt, die damit zusammenhängen", sagte er in seinem Grußwort an die Synode.
"Offene Fragen dürfen aber nicht länger den weiteren Weg blockieren." Sie müssten vielmehr "mit dem Ziel einer Klärung und nachvollziehbaren Argumenten" diskutiert werden. Der ökumenische Kirchentag in Frankfurt am Main habe "sehr wertvolle Anregung gegeben, Abendmahl und Eucharistie ökumenisch sensibel zu feiern".
Die westfälische Synode, die rund 2,1 Millionen Protestanten vertritt, tagt bis Mittwoch. Hauptthemen der Online-Beratungen sind das Verständnis von Mission und eine Aufteilung der Pfarramts-Aufgaben auf Teams aus mehreren Berufen. Am Montag trägt Präses Kurschus ihren traditionellen Bericht zu aktuellen Themen in Kirche und Gesellschaft vor. Wegen der Pandemie berät die Synode, die erstmals im Frühjahr zusammenkommt, ausschließlich per Videokonferenz. Auch der Auftaktgottesdienst am Sonntag in Bielefeld wurde live im Internet übertragen.