Die katholische Kirche hat ein langes Gedächtnis, und die Päpste haben in fast 2.000 Jahren Geschichte schon eine Menge erlebt.
Deshalb sind auch die jüngsten Ausfälle von US-Präsident Donald Trump nicht die ersten dieser Art. Und das, was der mächtige New Yorker in der Nacht zum Montag über sein Netzwerk Truth Social an die Adresse des Papstes aus Chicago absonderte, war bei weitem nicht die heftigste Kritik eines Politikers an einem Papst.
Trump nannte Leo XIV. "SCHWACH im Umgang mit Kriminalität und eine Katastrophe in der Außenpolitik". Er führte aus, er wolle "keinen Papst, der es für in Ordnung hält, dass der Iran Atomwaffen besitzt".
Auch gegen die Papst-Kritik am US-Eingreifen in Venezuela verwahrte er sich und betonte, das südamerikanische Land habe "riesige Mengen an Drogen" sowie "Mörder, Drogendealer und Killer" in die USA geschickt.
"Papst soll kein Politiker sein"
Weiter schrieb Trump: "Und ich will keinen Papst, der den Präsidenten der Vereinigten Staaten kritisiert, weil ich genau das tue, wozu ich mit einem Erdrutschsieg gewählt wurde: Rekordtiefstände bei der Kriminalität zu erreichen und den besten Aktienmarkt der Geschichte zu schaffen." Die Tirade gipfelte in den Worten: "Leo sollte sich als Papst zusammenreißen, seinen gesunden Menschenverstand einsetzen, aufhören, der radikalen Linken nach dem Mund zu reden, und sich darauf konzentrieren, ein großer Papst zu sein, kein Politiker".
Der Papst reagierte umgehend auf die Kritik und teilte mit, dass er auch künftig als Botschafter des Friedens und des Evangeliums auftreten werde und "keine Angst" habe vor der Regierung Trump. Damit steht Leo XIV. in einer langen Tradition päpstlicher Unabhängigkeit und Standhaftigkeit im Angesicht weltlicher Machthaber und solcher, dies es sein wollen.
Angefangen hat es mit Leo dem Großen
Angefangen hat die Reihe mit seinem Namensgeber, Leo dem Großen. Der trat, so wird es überliefert, als Bischof von Rom im Jahr 452 dem Hunnenkönig Attila entgegen und hielt ihn erfolgreich davon ab, in Rom einzufallen. Drei Jahre später brachte derselbe Papst die Vandalen davon ab, die Peterskirche und den Lateran zu plündern.
Doch während noch Attila dem Papst laut der Legende mit Respekt begegnete und vor ihm niederkniete, verliefen die Auseinandersetzungen von Päpsten mit späteren Herrschern weniger glimpflich. Vor allem die Machthaber Frankreichs kannten kein Pardon.
Pius VI. und VII. von Napoleon inhaftiert
Einmal entführten sie im 14. Jahrhundert die Päpste samt Hofstaat nach Avignon. (Ähnliches soll laut inzwischen dementierten Berichten auch ein US-Sicherheitsberater dem heutigen Papst angedroht haben.) Ein anderes Mal nahm Napoleon Papst Pius VII. im Jahr 1809 gefangen und setzte ihn für die Dauer von fünf Jahren in Haft fest. Sein Vorgänger Pius VI. wurde ebenfalls auf Bonapartes Geheiß nach Frankreich verschleppt; er starb nach einmonatiger Haft mit fast 82 Jahren in der Zitadelle von Valence.
In jüngerer Zeit taten sich von Bismarck bis Merkel auch deutsche Kanzler mit Papstkritik hervor. Wobei die Bundeskanzlerin ihre scharfe Kritik an der aus ihrer Sicht mangelhaften Distanzierung des Papstes Benedikt XVI. von dem Holocaustleugner Richard Williamson im Ton recht zurückhaltend formulierte.
Was sie aber nicht daran hinderte, den Deutschen auf dem Papstthron in der Sache bei einer Pressekonferenz am 3. Februar 2009 öffentlich und kräftig abzuwatschen. Das Verhältnis der beiden war seither unreparierbar belastet.
Milei als Vorbild?
Anders erging es Papst Franziskus mit seinem Landsmann Javier Milei. Der libertäre Politiker hatte das Kirchenoberhaupt aus Buenos Aires noch im Wahlkampf 2023 unflätig als "Dummkopf" und "Hurensohn" beschimpft und ihm Nähe zu Kommunisten unterstellt.
Als Argentiniens Präsident kam er dann aber artig nach Rom und tauschte mit dem Papst im Petersdom eine spontane und herzliche Umarmung aus. Ob eine ähnliche Wendung eines Tages auch zwischen Trump und Leo zustande kommt, werden spätere Kirchenhistoriker berichten.