Architekt Mario Botta über seine Arbeit und laufende Projekte

"Wenn ich könnte, würde ich nur Kirchen bauen"

Der Schweizer Architekt Mario Botta würde am liebsten nur Kirchen bauen. Sein Traum sei ein Kloster, erzählt er und kritisiert außerdem den Plan eines originalgetreuen Wiederaufbaus der Pariser Kathedrale Notre-Dame.

Mario Botta (2.v.r.) erhält den Joseph-Ratzinger-Preis 2018 / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Mario Botta (2.v.r.) erhält den Joseph-Ratzinger-Preis 2018 / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

"Der Architekt entscheidet nicht, was er bauen soll. Er gewinnt einen Wettbewerb, bei dem er den Auftrag erhält, ein Haus, eine Schule oder ein Hotel zu bauen", sagte Botta im Interview der französischen Zeitung "La Croix L'Hebdo" (Online Dienstag). So passe man sich jedes Mal an.

Sein Traum sei, ein kleines Kloster zu bauen, so Botta. Einen solch "idealen Ort" zu schaffen, "die Zelle, in der man schläft, den Garten, das Gemüsebeet, den Kreuzgang ... das inspiriert mich". Ein Kloster sei kein Gefängnis, da sich die Person selbst entscheide, dort zu leben. "Alles muss nach den besten Möglichkeiten und Materialien durchdacht werden, um ein Leben lang dort zu bleiben."

Die Architektur Bottas

Bottas Bauten, darunter auch rund ein Dutzend Kirchen und Kapellen, zeichnen sich durch auf das Wesentliche reduzierte Formen und fast klösterliche Nüchternheit aus. Zu seinen Werken gehören das Museum of Modern Art in San Francisco, eine Synagoge in Tel Aviv, die Stadt- und Landesbibliothek in Dortmund, aber auch Verwaltungsbauten für Banken und Versicherungen. Auch bei den Wohnhäusern greift der Architekt oft auf den runden oder halbrunden Grundriss zurück.

In der Trabantenstadt Evry im Großraum Paris steht eine 1995 fertiggestellte Kathedrale Bottas in Zylinderform. Der am 1. April 1943 in Mendrisio geborene Architekt hat auch in seiner Heimatregion Tessin mehrere Kapellen konzipiert; so etwa die gestreifte Zylinderkirche "Johannes der Täufer" in Mogno im Lavizzara-Tal sowie eine auf dem Monte Tamaro über dem Lago Maggiore. Im Februar 2013 wurde Botta von Papst Benedikt XVI. in die Päpstliche Akademie der schönen Künste berufen. 2018 erhielt er im Vatikan den Joseph-Ratzinger-Preis.

Sakrale Bauprojekte laufen schon

Im "La Croix"-Interview beklagt Botta einen kollektiven Verlust an Spiritualität und an "Großzügigkeit" der Gemeinschaft, die "für ein harmonisches Zusammenleben notwendig" seien. Der Architekt unterscheidet auch in seinem Werk eine religiöse und eine weltliche Spiritualität. Auch Kunst, Musik und Literatur vermittelten durch die Kultur eine Seele. Die Architektur, so Botta, "verwandelt einen Zustand der Natur in einen Zustand der Kultur; in ein Werk, in dem es notwendig ist, Werte zu haben".

Derzeit laufen nach eigenen Worten mehrere sakrale Bauprojekte Bottas. Im südkoreanischen Seoul solle 2021 eine Kirche für maximal 2.000 Menschen fertiggestellt werden. Im italienischen Sambuceto zwischen Pescara und Chieti entstehe ein kleineres Gotteshaus. Zudem arbeite Botta im Auftrag eines örtlichen Geschäftsmanns an einer Moschee im nordchinesischen Yinchuan.

Kritik an Plänen für Notre-Dame

Botta kritisierte die derzeitigen Pläne eines originalgetreuen Wiederaufbaus der Pariser Kathedrale Notre-Dame und sagte: "Wiederherstellen ist immer ein Verrat." Es sei "Sache der Gemeinschaft zu entscheiden, bis zu welchem Punkt sie Verrat begehen soll."

Konkreter wurde er nicht, sagte aber an anderer Stelle des Interviews: "Man kann nicht die Vergangenheit wiedererrichten und mit der Sprache der Vergangenheit bauen. Wir müssen mit der Kultur unserer Zeit bauen."

Autor/in:
Alexander Brüggemann
Quelle:
KNA