Bistümer in Österreich legen Statistiken vor

Weniger Katholiken und mehr Kirchensteuern

Die Zahl der Katholiken in Österreich ist im abgelaufenen Jahr 2021 erneut leicht zurückgegangen. Zugleich stiegen die Kirchensteuereinnahmen im Jahr 2020 leicht an. Stabil präsentiert sich das sehr dichte Netz von Pfarrgemeinden.

Einzug zum Gottesdienst in Hirschbach (Österreich, Archivbild) / © Wolfgang Lehner (KNA)
Einzug zum Gottesdienst in Hirschbach (Österreich, Archivbild) / © Wolfgang Lehner ( KNA )

Laut den am Mittwoch von den österreichischen Bistümern veröffentlichten Statistiken gab es zum Stichtag 31. Dezember 2021 in Österreich 4,83 Millionen Katholiken (2020: 4,91 Millionen); das entspricht einem Rückgang um rund 1,6 Prozent (2020: minus 1,5 Prozent). Ein Grund dafür sind mehr Kirchenaustritte.

72.055 Personen traten 2021 aus der katholischen Kirche aus (2020: 58.727). Offensichtlich haben laut der Wiener Presseagentur Kathpress viele einen Austritt nachgeholt, nachdem im ersten Pandemie-Jahr 2020 die Kommunikation mit staatlichen Behörden oft nur eingeschränkt möglich war. 2010 hatte die Kirche in Österreich 85.960 Austritte zu verzeichnen. Dieser historische Höchststand war maßgeblich auf das Bekanntwerden von Missbrauchsfällen im kirchlichen Bereich zurückzuführen.

Weniger Taufen, Ehen, Erstkommunionen und Firmungen

Die Zahl der sonntäglichen Messbesucher sowie der Priester und Ordensleute gingen laut der am Mittwoch ebenfalls veröffentlichten Statistik zum kirchlichen Leben 2020 leicht zurück. Starke coronabedingte Rückgänge gab es bei Taufen, Ehen, Erstkommunionen und Firmungen. Viele Feiern mussten verschoben werden. Die Zahl der in Österreich wirkenden Diözesanpriester ging von 3.689 (2019) auf 3.548 (2020) zurück; 2015 waren es noch 3.944.

Stabil präsentiert sich laut Kathpress das nach wie vor sehr dichte Netz von Pfarrgemeinden. Die Statistik für 2019 weist landesweit 4.291 Pfarreien und sonstige kirchliche Seelsorgestellen aus; 2012 waren es 4.324.

Deutlich ging die Zahl der Taufen zurück: von 44.977 im Jahr 2019 auf nun 32.521; ebenso die der kirchlichen Trauungen, die gegenüber dem Vorjahr von 9.842 auf 3.595 sank. Die Zahl der kirchlichen Begräbnisse nahm 2020 deutlich zu: von 51.334 auf 54.621.

Budgets der Bistümer fast ausgeglichen

Die Budgets der zehn österreichischen Diözesen waren 2020 mit insgesamt 660 Millionen Euro fast ausgeglichen. Die Kirchensteuereinnahmen (österr.: "Kirchenbeitrag"), mit 75 Prozent der Gesamteinnahmen das Rückgrat der Kirchenfinanzierung, stieg von 481 Millionen im Vorjahr auf knapp 484 Millionen Euro. Dass die Einkünfte aus Kirchensteuern zu- die Zahl der Gläubigen aber abnahm, ergibt sich daraus, dass der Kirchenbeitrag - dem deutschen Kirchensteuersystem nicht unähnlich - vom steuerpflichtigen Jahreseinkommen von Kirchenmitgliedern berechnet wird.

Zwei Drittel der Budgets sichern laut Kathpress die kirchliche Basisstruktur und die Seelsorge. So wurden laut Rechenschaftsbericht für die Pfarreien und pastoralen Aufgaben insgesamt 421 Millionen Euro aufgewendet, also knapp zwei Drittel der Gesamtausgaben.

Die staatlichen Leistungen Österreichs zur Abgeltung von Schäden aus dem Nationalsozialismus machen 55,3 Millionen Euro und somit 8,6 Prozent der kirchlichen Einnahmen aus. Die restlichen 104 Millionen Euro und damit 16,2 Prozent der Einnahmen stammen aus der Vermögensverwaltung, aus Vermietungen, Leistungen, Subventionen und sonstigen Erträgen. Über das größte Budget verfügte auch 2020 die Erzdiözese Wien mit Einnahmen von 138,8 Millionen Euro (2019: 138 Millionen).

Quelle:
KNA