Weihbischof stellt sich Gespräch mit Missbrauchsbetroffenen

Bistum steht hinter Bongartz

Die Betroffeneninitiative in Hildesheim hatte Anfang März den Rücktritt von Weihbischof Heinz-Günter Bongartz gefordert. Das Bistum hatte das abgelehnt. Nun stellt sich der Weihbischof einem Gespräch mit den Missbrauchsbetroffenen.

Weihbischof Heinz-Günter Bongartz  / © Julia Steinbrecht (KNA)
Weihbischof Heinz-Günter Bongartz / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Nach einer Rücktrittsforderung stellt sich der Hildesheimer Weihbischof Heinz-Günter Bongartz (67) dem Gespräch mit Missbrauchsbetroffenen.

Ein Treffen zwischen Bongartz und der Betroffeneninitiative Hildesheim soll am 31. August stattfinden, wie die Initiative und das Bistum Hildesheim am Freitag übereinstimmend mitteilten. Die Gesprächsführung übernimmt eine externe Moderatorin.

Kein verantwortungsvoller Umgang

Die Betroffeneninitiative hatte Bongartz in einem Anfang März veröffentlichten Brief dazu aufgefordert, dem Papst seinen Rücktritt anzubieten. Sein Umgang mit Fällen von sexuellem Missbrauch sei nicht verantwortungsbewusst gewesen, heißt es in dem Schreiben an den Geistlichen, der früher unter anderem Generalvikar, Personalchef und Missbrauchsbeauftragter des Bistums war. Die Initiative beruft sich dabei auf zwei Aufarbeitungsgutachten aus den Jahren 2017 und 2021.

Rücktritt abgelehnt

Das Bistum hatte die Forderung nach einem Rücktritt Bongartz' zurückgewiesen. Einen solchen Schritt sehe er der Person und den derzeitigen Aufgaben des Weihbischofs als nicht angemessen an, so Generalvikar Martin Wilk in einem Antwortbrief an die Betroffeneninitiative.

Bongartz habe zu keinem Zeitpunkt Meldungen von sexuellem Missbrauch vertuscht und habe sich für Fehlverhalten bereits entschuldigt. Zugleich habe er im Bistum gegen erhebliche Widerstände einen "Paradigmenwechsel" im Umgang mit Missbrauchsfällen eingeleitet. Bongartz selbst hat sich zu der Rücktrittsforderung bislang nicht geäußert.

Heinz-Günter Bongartz war von 2006 bis 2014 Personalchef im Bistum Hildesheim und in dieser Zeit vorübergehend auch Missbrauchsbeauftragter der Diözese. 2011 wurde er zum Bischof geweiht; seit 2014 ist er Domdechant. Von 2016 bis 2019 war Bongartz Generalvikar, also Stellvertreter des Bischofs in Verwaltungsangelegenheiten.

Bistum Hildesheim in Kürze

Das Bistum Hildesheim, gegründet 815, ist eine der ältesten Diözesen Deutschlands und umfasst mit seinen 30.000 Quadratkilometern weite Teile Niedersachsens sowie Bremen-Nord und Bremerhaven. Es ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und als kirchlicher Seelsorge- und Verwaltungsbezirk in 17 Dekanate und 119 Pfarrgemeinden gegliedert. Im Bistum Hildesheim leben rund 554.000 Katholiken. Sie bilden in fast allen Regionen der Diözese eine Minderheit (Diaspora). Geleitet wird das Bistum von Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ. Bischofskirche ist der Mariendom in Hildesheim.

Der Hildesheimer Dom (dpa)
Der Hildesheimer Dom / ( dpa )

Quelle:
KNA