Weihbischof Rolf Steinhäuser sprach in seiner Neujahrspredigt im Kölner Dom über die Bedeutung von Namen – besonders über den Namen Jesu, der dem Kind in Bethlehem am achten Tag gegeben wurde. Namen seien keine Nebensache, sondern trügen oft eine innere Botschaft, so Steinhäuser. Eltern überlegten sich häufig lange, welchen Namen sie ihren Kindern gäben. Auch Veränderungen oder Entwicklungen in Namen zeigten, wie eng Identität und Benennung verbunden seien. Wer den Namen eines anderen kenne, habe eine gewisse Macht über ihn. Umgekehrt bedeute es, jemandem den Namen zu nehmen, ihn seiner Würde zu berauben – wie es etwa in Konzentrationslagern geschah.
Am Neujahrstag, dem Oktavtag von Weihnachten, erinnere die Kirche an die Namensgebung Jesu. Dieser Name sei kein Zufall und keine Entscheidung von Maria oder Josef gewesen, sondern eine göttliche Offenbarung: Jesus – hebräisch Jeshua – bedeute „Gott rettet“. Darin liege das ganze Heilsprogramm Gottes. Der Name sei nicht nur Identifikation, sondern eine Aussage über Jesu Sendung. In ihm werde Gott anrufbar, in ihm komme Heilung, Erlösung und Neuanfang. Steinhäuser erinnerte an den biblischen Vers: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.“
Der Weihbischof stellte klar: Jesus sei nicht nur ein Name, sondern ein Programm. In ihm werde das Wesen Gottes sichtbar – ein Gott, der heilt, vergibt und die Beziehung zwischen Mensch und Schöpfer erneuert. Damit sei der Name Jesu ein Schlüssel zum Himmel, so Steinhäuser zum Abschluss seiner Predigt.
Liturgie und das Tagesevangelium
Im Gottesdienst erklangen Lieder und Wechselgesänge aus dem Gotteslob, darunter der Gloria-Hymnus nach dem Jesajaton und das Apostolische Glaubensbekenntnis in einer Vertonung von Jean-Paul Lécot und André Gouzes.
Am Oktavtag von Weihnachten, dem Beginn eines neuen Jahres, feiert die Kirche das Hochfest der Gottesmutter Maria. Das Fest entstand in Rom im siebenten Jahrhundert. Später feierte man den achten Tag nach Weihnachten (wobei man den 25.12. als ersten Tag mitzählt) als Tag der Beschneidung und zugleich Namensgebung Jesu, wie es im Lukasevangelium (2,21) heißt: "Als acht Tage vergangen waren und das Kind beschnitten werden sollte, erhielt das Kind den Namen Jesus." Erst bei der Liturgiereform von 1969 übernahm man wieder die ursprüngliche Bedeutung des Tages als Marienfest. Das Fest der Namensgebung Jesu wird am 3. Januar gefeiert. Maria hat der Welt den Urheber des Heils, Jesus Christus, geschenkt. In ihr verehren wir die Glaubende, an der wir uns ausrichten können in unserem Glauben. Als Urbild der Kirche ist Maria unsere Fürsprecherin bei Gott. Zugleich aber ist sie unsere Wegbegleiterin durch das neue Jahr.
1967 hat Papst Paul VI. den Neujahrstag zum Weltfriedenstag erklärt. Die Erfahrung vieler Kriege oder kriegerischer Auseinandersetzungen an manchen Orten der Erde macht deutlich, wie wichtig dieses Thema ist, und dass es deshalb auch zum Beginn eines neuen Jahres passt. Heute erinnert uns der Weltfriedenstag daran, dass der Friede in der Welt in uns selbst beginnen muss, wenn er gelingen soll. Dass wir zu Friedensboten werden in Wort und Tat, dabei mag Maria, die Königin des Friedens, uns helfend zur Seite stehen.