BAG Wohnungslosenhilfe veröffentlicht Jahresbericht

Weiblich, jung, mit Kind

Freie Träger der Wohnungslosenhilfe erfahren vermehrt Zulauf von Frauen, Familien und jüngeren Menschen. Zu diesem Ergebnis kommt die BAG Wohnungslosenhilfe in ihrem nun veröffentlichten Jahresbericht.

Symbolbild: Eine junge, wohnungslose Frau / © Africa Studio (shutterstock)
Symbolbild: Eine junge, wohnungslose Frau / © Africa Studio ( shutterstock )

Die Covid-19-Pandemie hätte verdeutlicht, wie wichtig gute Hilfsstrukturen seien und wie groß der Bedarf sei, sagte Werena Rosenke, Geschäftsführerin der BAG Wohnungslosenhilfe, mit Blick auf den "Tag der Wohnungslosen" am Freitag.

2018 lebten dem Bericht zufolge 21 Prozent der weiblichen und vier Prozent der männlichen Hilfesuchenden in Haushalten mit minderjährigen Kindern. Fast die Hälfte der Frauen war alleinerziehend. Ein großer Teil dieser Familien lebt demnach bei Familienangehörigen und Bekannten in prekären Verhältnissen, neun Prozent sind in Notunterkünften oder Übernachtungsstellen und elf Prozent leben auf der Straße.

Betroffene meist weiblich und jung

Knapp 27 Prozent der von Wohnungsnot Betroffenen sind weiblich. Damit hat sich laut BAG der Anteil in den vergangenen 20 Jahren nahezu verdoppelt. Frauen suchen den Erfahrungen nach früher Hilfe als Männer. Die Mehrheit der Frauen, die sich an die Wohnungslosenhilfe wenden, sind akut wohnungslos.

Auch beim Alter setzt sich demnach eine Entwicklung der vergangenen Jahre fort. Während vormals die größte Gruppe zwischen 40 und 49 Jahren alt war, ist nunmehr die größte Gruppe zwischen 30 und 39 Jahren alt. Frauen sind dabei im Schnitt jünger, 21 Prozent sogar unter 25 Jahren alt. Ebenfalls einen Anstieg gab es bei Hilfesuchenden ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Hier hat sich der Anteil zwischen 2010 und 2018 verdoppelt und liegt nun bei 30 Prozent.

Kündigung, Räumungsklage, Zwangsräumung

Wenig verändert haben sich die Gründe für Wohnungsnot. In der Hälfte der dokumentierten Fälle verloren die Betroffenen die Wohnung nach Kündigung durch den Vermieter, wegen einer Räumungsklage oder Zwangsräumung. Im letzteren Fall lagen meist Mietschulden vor. Knapp jeder Dritte zieht aber ohne Kündigung aus und verlässt die Wohnung ohne Räumungsverfahren oder vor der Zwangsräumung. Die Mehrheit versucht zunächst ohne Hilfe freier oder öffentlicher Träger zurecht zu kommen, meist bei Freunden, Familie oder Bekannten.

Wohnungslosenhilfe fordert mehr Unterstützung

Der Sozialdienst katholischer Frauen forderte mehr Beratungsangebote für Frauen. Viele Frauen betreuten während der Pandemie vermehrt ihre Kinder und könnten weniger arbeiten. Oftmals seien sie zudem in ungesicherten oder prekären Jobs beschäftigt. Gerade alleinerziehende Frauen bräuchten daher Möglichkeiten Mietschulden zurückzustellen, um die Wohnung nicht zu verlieren. Und es brauche mehr Notunterkünfte für Frauen.

Die Diakonie Deutschland rief mit Blick auf Herbst und Winter zu einer generellen Aufstockung der Hilfen und Notunterkünfte auf. Gerade für Wohnungslose werde die kalte Jahreszeit unter Corona-Bedingungen zur Gefahr.

Für die Erhebung der BAG wurde von 194 verbandlichen Diensten und Einrichtungen der Hilfen bei Wohnungsnot rund 44.000 anonymisierte Falldaten ausgewertet. Insgesamt waren 2018 circa 678.000 Menschen in Deutschland ohne Wohnung.

Im "Frauenzimmer": Bremer Beratungsstelle für wohnungslose Frauen / © Viola Falkenberg (epd)
Im "Frauenzimmer": Bremer Beratungsstelle für wohnungslose Frauen / © Viola Falkenberg ( epd )
Quelle:
KNA