Kirchliche Jugendfreizeiten in der Corona-Krise

Was möglich und was unwahrscheinlich ist

Der Sommer rückt immer näher und damit die großen Ferienlager der katholischen Jugendverbände. Doch in der Corona-Krise erscheinen Gruppenfahrten utopisch. Der Dachverband BDKJ bemüht sich, Perspektiven zu schaffen.

Jugendliche / © Florian Kopp (epd)
Jugendliche / © Florian Kopp ( epd )

Unterkünfte buchen, Busse bestellen, Zuschüsse beantragen. Ferienfreizeiten gehören nicht nur für katholische Jugendverbände und -gruppen zu den planungsintensivsten Aktionen; gleichzeitig sind sie aber auch die Höhepunkte des Jahres. Da die Vorbereitung aber schon frühzeitig beginnen muss, vergeht bis zum Fahrtantritt viel Zeit, in der einiges passieren kann, was das Event gefährdet. Die Corona-Krise treibt das nun auf die Spitze.

Pfingstlager finden praktisch nicht statt

Das erste "Opfer" hat das Virus bereits gefordert: Die beliebten Pfingstlager finden praktisch nicht statt - zumindest nicht in gewohnter Form. Wie durch Corona inzwischen etabliert, bieten einige Verbände digitale Alternativen an, um wenigstens etwas Gemeinschaftsgefühl erhalten zu können.

Doch was ist mit dem Sommer? Die großen Ferien bereiten den Verantwortlichen in den Jugendverbänden zurzeit noch viel Kopfzerbrechen. Selbst wenn Gruppenfahrten rein theoretisch wieder möglich sind, so wären Abstands- und Hygieneregeln auf den Lagern kaum einzuhalten. Absagen könnten im schlimmsten Fall zu Stornokosten führen, sofern zum Zeitpunkt des Rücktritts keine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für das entsprechende Reiseziel besteht. Doch selbst dann muss weiterhin zwischen Pauschalreisen und selbstorganisierten Fahrten unterschieden werden.

Viele Eventualitäten und viel Ungewissheit - dementsprechend hoch ist die Verunsicherung. Ein schwieriger Fall für den Dachverband, den Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der sich den Problemen seiner Mitglieder annehmen will. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass sich die Corona-Vorschriften von Bundesland zu Bundesland deutlich unterscheiden können. Einen allgemeingültigen Ratgeber auf Bundesebene zu erstellen, war so nicht möglich.

Fahrten ins Ausland eher unwahrscheinlich

Deshalb haben einige Verbände auf Landesebene Orientierungshilfen für ihre Mitglieder herausgegeben. So riet der nordrhein-westfälische BDKJ in einem vergangene Woche veröffentlichten Leitfaden dazu, das Ferienprogramm noch nicht abzusagen, bis eine klare rechtliche Regelung vorliegt. Generell sei aber davon auszugehen, dass Fahrten ins Ausland oder im Inland mit Übernachtungen eher unwahrscheinlich sind. Die gute Nachricht lautet aber, das Stornokosten zumindest teilweise aus Landesfördermitteln erstattet werden.

Jedoch ist ohnehin die wichtigste Frage, ob die Jugendverbände vor Ort die Durchführung verantworten können und wollen. Zur Orientierung hat der Landesverband in Abstimmung mit den NRW-Bistümern eine gemeinsame Checkliste mit einfachen Ja- und Nein-Fragen erarbeitet.

Dabei geht es um Abstandsregelungen ebenso wie um finanzielle Fragen und eventuelle Notfallpläne. Sollte die Mehrzahl der Fragen negativ beantwortet werden, sei es angemessener, die Freizeit nicht durchzuführen oder eine Alternative zu suchen, heißt es darin.

Auch in Bayern, wo die Sommerferien noch etwas länger hin sind, werden die Probleme ähnlich gesehen. "Je länger solche Freizeiten dauern, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie stattfinden können", erklärt die BDKJ-Landesvorsitzende Eva Jelen. Zwar könne bis zum Ferienbeginn Ende Juli noch viel passieren. "Aber beispielsweise Zeltlager werden wegen der Bestimmungen kaum möglich sein."

Alternativprogramme mit persönlicher Begegnung

Worin sich aber alle einig sind ist, dass trotz der Krise unbedingt Alternativprogramme stattfinden sollen - und diese nicht digital, sondern mit persönlicher Begegnung. "Alle Jugendverbände haben hier in den letzten Wochen sehr viel Engagement und Kreativität gezeigt", heißt es etwa in der Orientierungshilfe aus NRW. Daraus könnten sich auch neue Formate für Ferienfreizeiten entwickeln.

"Wir ermuntern unsere Mitglieder auch weiterhin Veranstaltungen zu planen", betont Eva Jelen. Das sei wichtig, einmal für die Kinder, damit sie auch mal wieder Spaß und Normalität erlebten, aber auch für die Erwachsenen, die ihren Jahresurlaub wegen der Krise oftmals schon aufbrauchen mussten. "Besser eine Aktion muss dann doch noch wegen Corona ausfallen, als dass sie gar nicht erst organisiert wird", so die bayerische BDKJ-Landesvorsitzende.

Autor/in:
Johannes Senk
Quelle:
KNA