DOMRADIO.DE: Seit sechs Jahren sind Sie Pastoralreferentin. Würden Sie sagen, dass Ihr Beruf eine Art Berufung ist?
Sarah Zurlo (Pastoralreferentin im Pfarrverband Overath): Auf jeden Fall. Aber ich denke auch, dass jeder Mensch eine Berufung hat. Nicht in dem Sinne, dass alle in der Kirche arbeiten müssen, sondern dass jeder Mensch von Gott gemeint und zu einem Leben gerufen ist, das sinnvoll und für andere gut ist.
DOMRADIO.DE: Wann haben Sie denn gemerkt, dass Sie die Berufung zur Pastoralreferentin haben?
Zurlo: Ich habe das Ehrenamt zum Hauptamt gemacht. In meiner Heimatgemeinde hatten wir einen super Pfarrer, der sehr offen war und sich gefreut hat, dass sich viele junge Menschen engagieren. Schon in meiner Jugend habe ich andere Jugendliche auf die Firmung vorbereitet. Ich war für die Ministrantenpastoral und die Sternsingeraktionen zuständig. Also ganz viele Dinge, die ich jetzt als Hauptamtliche mache, habe ich damals schon ehrenamtlich gemacht.
Ich habe erst auf Lehramt studiert. Aber im Laufe des Studiums habe ich verschiedene Praktika gemacht und gemerkt: Das ist es nicht, was ich werden möchte. Ich habe auch mit dem Pfarrer Gespräche geführt. Der sagte: "Warum machst du eigentlich dein Ehrenamt nicht zum Hauptamt?" So bin ich dazu gekommen, dass ich bei den Steyler Missionaren in Sankt Augustin Theologie studiert habe. Im Anschluss habe ich meine Assistenzzeit gemacht und heute bin ich Pastoralreferentin.
Wenn ich an meine Berufung denke, dann gab es nicht einen konkreten Punkt. Berufung ist nichts Abgeschlossenes. Sie ist ein Weg und wächst jeden Tag und in allem, was ich mache, vor allen Dingen in der Begegnung mit Jugendlichen, mit den Kindern, mit den Familien – das ist ja meine Schwerpunktarbeit, die Kinder-, Jugend- und Familienpastoral. Das ist kein fertiger Plan, der vom Himmel gefallen ist, sondern er entwickelt sich Schritt für Schritt, jeden Tag.
Es macht auf jeden Fall super viel Spaß, neue Projekte zu entwickeln, auch mal was Neues auszuprobieren und zu schauen: Was brauchen die Menschen und was kann ich dazu beitragen, dass sie Gott begegnen?
DOMRADIO.DE: Was ist denn Ihr aktuelles Lieblingsprojekt?
Zurlo: Die Erstkommunionvorbereitung liegt mir sehr am Herzen. Es gibt ganz viele Ehrenamtliche, die mich dabei unterstützen. Wir wollen auch die Familien integrieren und haben die sogenannten Familien-Entdeckertage mit ins Programm aufgenommen. Die Erstkommunion soll nicht nur ein einzelnes Event sein, sondern wir wollen darüber hinaus immer mal wieder im Jahr Berührungspunkte mit Kirche schaffen.
Wir haben insgesamt sechs Erstkommunionfeiern. Danach gibt es noch die Dankmesse mit anschließendem Frühstück, wozu wir alle Familien und auch die Ministranten einladen. Wir versuchen, sofort eine Brücke zu schlagen und zu zeigen, dass es Möglichkeiten gibt, sich auch noch weiterhin in der Kirche zu engagieren.
DOMRADIO.DE: Wie leben Sie Ihre Berufung im Alltag?
Zurlo: Mein Mann ist auch Pastoralreferent und an unserem freien Tag beten wir gemeinsam. Wenn ich hier in Overath mal eine Minute Zeit habe oder mir eine Pause gönne, gehe ich in die Kirche, zünde eine Kerze an und spreche ein Gebet.
DOMRADIO.DE: Als Frau sind Ihnen ja manche Wege in der Kirche verwehrt. Fällt es Ihnen manchmal schwer, nur die "zweite Geige" zu spielen?
Zurlo: Nein. Ich habe meinen Platz und habe meine Rolle und habe auch ganz viele Freiheiten, meine Arbeitsbereiche zu gestalten. Ich empfinde die Arbeit bei uns im Team mit den Kolleginnen und Kollegen auf Augenhöhe und nicht von oben herab.
Zwischendurch werde ich natürlich schon mal gefragt, ob ich nicht die Diakonen- oder Priesterweihe empfangen möchte. Aber dann denke ich: In dem Fall müsste ich das und das und das auch noch machen. Ich bin mit meinen Arbeitsbereichen glücklich ausgelastet, sogar mehr als ausgelastet, und brauche das tatsächlich nicht. Ich weiß: Es gibt ganz viele andere Bereiche, die ich ausfüllen kann, und daran habe ich so viel Freude. Da reibe ich mich an diesen Themen nicht auf. Es ist so ein lebendiger Beruf, kein Tag ist wie der andere.
DOMRADIO.DE: Gibt es denn neben der Freude an Ihrem Beruf auch Herausforderungen im Alltag?
Zurlo: Ja, dass der Tag manchmal zu wenig Stunden hat. Das besprechen wir oft mit meinem Mann, dass wir einfach von morgens bis abends und am Wochenende unterwegs sind. Wir haben keine festen Arbeitszeiten und müssen darauf achten, dass wir uns genug sehen.
Wir haben tatsächlich immer so viel zu tun und die Arbeit macht ja auch so viel Spaß. Nein zu sagen, insbesondere bei den immer größer werdenden Bereichen, das ist schon eine Herausforderung. Man muss sich auch selbst die Zeit nehmen, um wieder Kraft zu schöpfen. Zeit für Stille und Gebet ist mir wichtig.
DOMRADIO.DE: Wie finden Sie da einen Ausgleich?
Zurlo: Ich mache immer eine Stunde Sport pro Woche, einen Sportkurs bei der Volkshochschule. Da nehme ich mir auf jeden Fall die Zeit, den Kopf frei zu bekommen. Mit meinem Mann jogge ich auch gerne zusammen. Wenn wir ein freies Wochenende haben, sind wir unterwegs, machen Städtetrips und besuchen die Kirchen dort. Da haben wir auch Zeit, Kraft zu tanken.
Das Interview führte Teresa Kammerlander.