Nach einer Vorweihnachtszeit voller Konsum, Festtagen voller üppiger Mahlzeiten und einem rauschenden Jahreswechsel haben viele Menschen das Bedürfnis, der körperlichen und seelischen Gesundheit etwas Gutes zu tun. Fasten verspricht dabei Erfolg, sei es, um religiöse Stärkung zu erfahren, lästige Angewohnheiten über Bord zu werfen oder einfach nur ein paar Pfunde loszuwerden. Fragen und Antworten rund um die Tradition des freiwilligen Verzichts.
Welche Ursprünge hat das Fasten?
Der Verzicht auf Nahrung hat vielfältige religiöse und kulturelle Wurzeln. In der Bibel fasten Menschen etwa zur Buße, zur Neuausrichtung auf Gott oder zur Vorbereitung auf wichtige Entscheidungen. Bevor Jesus sein öffentliches Wirken begann, ging er 40 Tage in die Wüste, um zu fasten und den Versuchungen des Teufels zu widerstehen. Aus dieser biblischen Erzählung entwickelte sich die christliche Tradition der vorösterlichen Fastenzeit.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) greift das seit 1983 auf und lädt dazu ein, in den sieben Wochen vor Ostern mit einem jährlich wechselnden Schwerpunkt zu fasten. Die EKD-Aktion "7 Wochen Ohne" steht 2026 unter dem Motto "Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte". Dabei geht es weniger um Nahrungsverzicht, sondern darum, zu sich zu kommen und innere Freiräume zu entdecken.
Auch in anderen Religionen ist das Fasten bedeutsam. Muslime verzichten während des Fastenmonats Ramadan zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr, um Selbstbeherrschung zu üben und sich spirituell zu reinigen. Im Judentum gibt es keine längerfristigen Fastenperioden, sondern einzelne Fastentage wie den Versöhnungstag Jom Kippur. Im Buddhismus wiederum kennt das Fasten weder feste Termine noch klare Vorschriften. Viel mehr geht es darum, einen "Weg der Mitte" zwischen zu viel und zu wenig zu finden.
Welche Anlässe und Vorsätze gibt es für das Fasten?
Neben der EKD-Aktion "7 Wochen Ohne", an der jährlich zwischen zwei und drei Millionen Menschen teilnehmen, hat sich eine individualisierte Praxis des Fastens etabliert. Diese geht oftmals einher mit bestimmten Fastenvorsätzen, die nach jährlichen Umfragen der Krankenkasse DAK vor allem den Verzicht auf Alkohol, Süßigkeiten und Fleisch betreffen. Auch eine zeitlich begrenzte Smartphone-Abstinenz und das Pausieren digitaler Mediennutzung ("Digital Detox") ist verbreitet. Ebenso das sogenannte Klimafasten, bei dem es darum geht, das eigene Konsum- und Mobilitätsverhalten kritisch auf seine Umweltverträglichkeit hin zu überprüfen.
Eigentlich schon in den 1940er Jahren in Finnland ersonnen, hat sich der "Dry January", also ein alkoholfreier Januar, erst in den vergangenen rund zehn Jahren zu einem Trendphänomen entwickelt, das offenbar auch in Deutschland greift: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Januar-Absätze bei alkoholischen Getränken gegenüber den Dezember-Zahlen inzwischen um fast 50 Prozent gesunken.
Welche nahrungsbezogenen Fastenformen sind am beliebtesten?
Der Klassiker, das Heilfasten, hat Konkurrenz durch das sogenannte Intervallfasten bekommen. Während beim Heilfasten für eine bestimmte, oft rund einwöchige Zeitspanne vollständig auf feste Nahrung verzichtet wird, sieht das Intervallfasten nur möglichst lange Tagesabschnitte oder einzelne Tage als Fastenzeitraum vor.
Populär ist dabei zum Beispiel die sogenannte 16-zu-8-Methode, bei der täglich 16 Stunden gefastet wird und innerhalb von acht Stunden gegessen werden darf. Üblicherweise wird die Essenspause durch das Auslassen des Abendessens oder des Frühstücks erzielt.
Welche Effekte werden dem Intervallfasten zugeschrieben?
Sofern Intervallfastende sich während der deutlich verkürzten Essenszeiten maßvoll und ausgewogen ernähren, können dabei überschüssige Pfunde purzeln. Das ist kein Spezialeffekt des Intervallfastens, sondern liegt an einer insgesamt reduzierten Kalorienzufuhr, wie sie auch mit anderen Methoden wie einer klassischen kalorienreduzierten Diät erzielt werden kann.
Eine Besonderheit, die dem Intervallfasten mitunter zugeschrieben wird, ist die sogenannte Autophagie, eine Art Reparaturprogramm für die Körperzellen. Dieses setzt allerdings erst dann ein, wenn die kurzfristig verfügbaren Energiedepots ausgeschöpft sind.
Hinweise auf einen regenerierenden "Autophagie-Effekt" geben Experimente mit Mäusen. So stellten US-Forscher fest, dass Tiere, die nur alle 21 Stunden gefüttert wurden, langlebiger waren als Artgenossen, die zwar keine größeren Mengen, aber dafür rund um die Uhr fressen konnten. Wissenschaftler aus München machten jedoch die einschränkende Beobachtung, dass die vorteilhaften Effekte des Intervallfastens nur bei erwachsenen Mäusen bestanden. Bei Jungtieren führten langen Fresspausen hingegen dazu, dass Insulin produzierende Zellen unterentwickelt blieben - ähnlich wie bei Menschen mit Typ-1-Diabetes. Ob sich die Erkenntnisse aus den Mäuse-Experimenten auf den menschlichen Organismus übertragen lassen, ist ungeklärt.
Was ist beim Heilfasten zu beachten?
Die in den 1920er Jahren von dem Arzt Otto Buchinger entwickelte Heilfasten-Methode sieht einen zeitlich begrenzten Verzicht auf feste Nahrung vor, üblich sind dabei zwischen sieben und zehn Fastentage. In dieser Zeit werden ausschließlich Wasser, Gemüsebrühe, Kräutertees sowie Obst- und Gemüsesäfte getrunken. Obwohl dabei mitunter einige Kilogramm Körpergewicht verloren gehen, betont die Krankenkasse DAK, dass der Fokus beim Heilfasten nicht auf dem Abnehmen liegt, sondern auf einer bewussten Pause für den Organismus.
Der beim Fasten veränderte Stoffwechsel soll dem Konzept zufolge zur Entlastung und Regeneration des Körpers dienen, etwa indem entzündliche Prozesse gehemmt werden. Zudem soll das Heilfasten das Empfinden für Hunger und Sättigung schärfen und gesündere Ernährungsweisen befördern.
Um die Fastenzeit motiviert durchzustehen, empfiehlt sich das Fasten in Gruppen, wie sie viele Kirchengemeinden in der vorösterlichen Fastenzeit anbieten. Unerfahrene sowie Menschen mit Vorerkrankungen sollten zudem vor einer Heilfastenkur ärztlichen Rat einholen.