Die bretonische Insel Ouessant bittet Englands König Charles III., eine vom Einsturz bedrohte Kirche zu retten. Das berichtet die Zeitung "La Croix". Die gewagte Idee hat ihre Wurzeln demnach am Ende des 19. Jahrhunderts; damals habe Königin Victoria den Glockenturm von Saint-Pol-Aurélien finanziert, um den Inselbewohnern für ihren Einsatz für Schiffbrüchige des gesunkenen Passagierschiffs "Drummond Castle" zu danken.
Der örtliche Verein zum Schutz des religiösen Erbes schickte laut dem Bericht einen entsprechenden Brief an Charles III. Die neugotische Kirche sei seit kurzem geschlossen, da das Dach einzustürzen drohe. Die Kosten für die Rettung könnten sich auf 1,5 Millionen Euro belaufen.
1896, am Vorabend seiner Ankunft in London, feierte die britische "Drummond Castle" das Ende ihrer Überfahrt von Kapstadt/Südafrika, wie die Zeitung berichtet. Durch einen Navigationsfehler sei das Schiff auf ein Riff gelaufen und binnen weniger Minuten gesunken. Je nach Quelle schwankt die Zahl der Opfer zwischen 243 und mehr als 350. Nur drei Personen seien am frühen Morgen von Fischern gerettet worden.
Bergung der Leichen – Krankensalbung
Nachdem sie alarmiert worden waren, organisierten die Inselbewohner die Bergung der Leichen und die Bestandsaufnahme der Habseligkeiten der Verstorbenen, um Behörden und Familien die Identifizierung zu ermöglichen. Den Opfern wurde die Krankensalbung erteilt; in einem Akt der Solidarität, der laut "La Croix" ganz England erschütterte.
Die Traditionszeitung hatte schon 1896 über die Vorgänge berichtet. Aus Dankbarkeit für die Hilfe finanzierte Königin Victoria im Folgejahr den Bau des Glockenturms auf Ouessant und schenkte der Kirchengemeinde einen Kelch, der laut Bericht noch heute in dem Gebäude aufbewahrt wird. Zusätzlich zu dem Hilferuf an Charles III., einen direkten Nachkommen Victorias, habe man auf der Website des Vereins eine Spendenaktion gestartet, um die Restaurierung der Kirche zu finanzieren.