Papst Franziskus mahnt zum Einsatz für Europa

Warnung vor einem verwelkenden Kontinent

Papst Franziskus hat sich sehr besorgt über Europa gezeigt. Bei seinem Rückflug von Rumänien forderte er mitreisende Journalisten auf: "Betet für Europa!" Zurückhaltend äußerte sich Franziskus zu den politischen Verhältnissen in Italien.

Papst im Flugzeug / © Andrew Medichini (dpa)
Papst im Flugzeug / © Andrew Medichini ( dpa )

Franziskus äußerte den Appell am Ende einer Pressekonferenz im Flugzeug. Zuvor war er nach seiner Einschätzung zunehmend nationalistischer Tendenzen in Europa gefragt worden. Man möge an die Lage 1914 oder die 1930er Jahre denken, so der Papst. "Lasst uns nicht dahin zurückkehren; lernen wir aus der Geschichte", warnte er.

Auf die Frage eines deutschen Journalisten, was er zur Stärkung Europas gegen nationalistische Tendenzen empfehle, verwies Franziskus unter anderem auf seine Ansprache bei der Karlspreisverleihung 2016. «Lesen Sie auch, was der Bürgermeister von Aachen damals sagte, das ist ein Kleinod, das von Ihnen Deutschen stammt", so der Papst.

Papst: Europäische Identität war immer dynamisch

Bürgermeister Marcel Philipp hatte damals unter anderem gemahnt, die Herausforderungen durch die Globalisierung, ob durch Finanzwirtschaft oder Migration, seien so groß, dass Europa diese nur gemeinsam schaffe oder gar nicht. "Familien schaffen es nur gemeinsam, Städte schaffen es nur gemeinsam, Europa schafft es nur gemeinsam oder gar nicht", so Philipp damals.

Der Papst selber sagte 2016, er träume von einem "neuen europäischen Humanismus", der sich durch die Fähigkeit zu Integration, Dialog und Kreativität auszeichne. Nachdrücklich verteidigte er Kulturoffenheit und Mut zur Veränderung: "Die europäische Identität ist und war immer eine dynamische und multikulturelle Identität", so der Papst.

Papst: Jedes Land muss Einsatz zeigen

Am Sonntagabend wiederholte er, Europa müsse sich der Gedanken seiner Gründerväter vergewissern und sie neu beleben. Mit allem, was eine gute Politik biete, müsse daran gearbeitet werden, Trennungen und Grenzen zu überwinden. Natürlich habe jedes Land seine Kultur, die es schützen müsse. Dies solle aber in Einheit geschehen.

Im Übrigen müsse jeder seinen Teil dazu beitragen, dass die europäische Einheit wachsen könne. Man dürfe nicht darauf setzen, dass Brüssel alles regelt. "Die wechselnde EU-Ratspräsidentschaft ist kein bloßer Akt der Höflichkeit, einmal bist du dran, einmal du - wie bei einem Menuett", mahnte der Papst. Jedes Land habe seine Pflicht, damit es Europa gut geht, sonst werde der Kontinent "verwelken".

Derzeit hat das von Franziskus gerade besuchte Rumänien erstmals den Vorsitz. Bei seiner Ansprache vor den Vertretern von Politik und Gesellschaft in Bukarest am ersten Besuchstag hatte der Papst ebenfalls auf diese Verantwortung hingewiesen und Rumänien für seinen Beitrag gedankt.

Papst: Keine Audienz-Anfrage von Salvini

Franziskus hat sich zurückhaltend zu einer möglichen Begegnung mit Italiens Innenminister Matteo Salvini geäußert. "Ich habe nicht gehört, dass es mit Ausnahme des Ministerpräsidenten die Anfrage nach einer Audienz gegeben habe", antwortete der Papst bei seinem Rückflug auf die Frage, ob es stimme, dass er den stellvertretenden Ministerpräsidenten nicht treffen wolle.

Gemäß dem üblichen Protokoll habe es eine Anfrage von Ministerpräsident Giuseppe Conte gegeben. Mit diesem habe es ein rund einstündiges sehr gutes Gespräch gegeben, so der Papst. Er habe Conte als intelligenten, gelehrten Mann erlebt, "der weiß, was er sagt". Vom Vizepremier - Salvini - oder anderen Ministern habe er keine Anfrage erhalten. Wohl habe er auch Staatspräsident Sergio Mattarella getroffen.

Papst: Bete für Italien

Auf die Frage, was er davon halte, wenn Politiker wie Salvini in Wahlkampfreden den Rosenkranz hochhalten oder ihre Sache der Gottesmutter Maria weihen, entgegnete der Papst, er verfolge so etwas in den Medien nicht. In der Hinsicht sei er unwissend; es wäre daher unklug, sich zu den Wahlkampfmethoden einer einzelnen Partei zu äußern. "Ich bete für alle, dafür, dass Italien Fortschritte macht und die Italiener zur Einigkeit finden", so Franziskus.

Quelle:
KNA