Viele Priester in der Ukraine leben unter der Armutsgrenze

Zu wenig Geld für Kleidung und Schuhe

Eine Umfrage bringt die finanzielle Notlage von 38 Prozent der griechisch-katholischen Priester in der Ukraine ans Licht. Ihnen fehle das Geld, um sich Kleidung und Schuhe zu kaufen, so Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk.

Flüchtlingsunterkunft in einer Kirchengemeinde in der Ukraine / © Francesca Volpi (KNA)
Flüchtlingsunterkunft in einer Kirchengemeinde in der Ukraine / © Francesca Volpi ( KNA )

Mehr als ein Drittel der mit Rom verbundenen Geistlichen in der Ukraine leben laut einer Studie unter der Armutsgrenze. Das Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, sagte am Sonntagabend in seiner wöchentlichen Videobotschaft: "38 Prozent unserer Geistlichen verfügen nicht über ausreichend Geld für Kleidung und Schuhe." Drei Prozent könnten sich nicht mal selbst mit Essen versorgen. 

Swjatoslaw Schewtschuk, Erzbischof von Kiew und Großerzbischof von Kiew-Halytsch der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche / © Cristian Gennari (KNA)
Swjatoslaw Schewtschuk, Erzbischof von Kiew und Großerzbischof von Kiew-Halytsch der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche / © Cristian Gennari ( KNA )

Schewtschuk berief sich auf die von seiner Kirche in Auftrag gegebene Studie des unabhängigen Meinungsforschungsinstituts Fama aus Lwiw (Lemberg). Er beklagte, dass unter dieser schweren sozialen Notlage nicht nur Priester selbst litten, sondern auch ihre Ehefrauen und Kinder. Wie orthodoxe Priester sind die meisten griechisch-katholischen Geistlichen verheiratet.

"Dass sie alle Schwierigkeiten teilen"

Das Kirchenoberhaupt betonte zugleich, dass 92 Prozent seiner befragten Priester erklärt hätten, zufrieden mit ihrer Tätigkeit zu sein. "Trotz äußerst schwieriger und manchmal unerträglicher Umstände sind sie glücklich, Gott und dem ukrainischen Volk zu dienen", so Schewtschuk. Er dankte den Priestern und ihren Familien für ihre "aufopferungsvolle Selbsthingabe" und dafür, "dass sie alle Schwierigkeiten teilen, die unser Volk durchmacht".

Zerstörte Kirche in Kiseliwka, Ukraine / © Bernhard Clasen (KNA)
Zerstörte Kirche in Kiseliwka, Ukraine / © Bernhard Clasen ( KNA )

In der Ukraine gibt es keine Kirchensteuer wie in Deutschland. Geistliche finanzieren ihren Lebensunterhalt durch Kollekten während der Gottesdienste, durch freiwillige Spenden der Gläubigen und den Verkauf von Kerzen. In dem mehrheitlich orthodox geprägten Land bekannten sich in einer jüngsten landesweiten Umfrage sechs Prozent der Erwachsenen zur griechisch-katholischen Kirche.

Christliche Kirchen in der Ukraine

Die kirchlichen Verhältnisse in der Ukraine sind komplex. Rund 70 Prozent der 45 Millionen Ukrainer bekennen sich zum orthodoxen Christentum. Sie gehören allerdings zwei verschiedenen Kirchen an: der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (UOK) des Moskauer Patriarchats und der autokephalen (eigenständigen) Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU). Zudem gibt es eine römisch-katholische Minderheit mit rund einer Million Mitgliedern sowie die mit Rom verbundene (unierte) griechisch-katholische Kirche der Ukraine.

Das Heilige Feuer aus Jerusalem am 18. April 2020 im Kiewer Höhlenkloster Petscherska Lawra, Hauptsitz der ukrainisch-orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchats. / © Sergey Korovayny (KNA)
Das Heilige Feuer aus Jerusalem am 18. April 2020 im Kiewer Höhlenkloster Petscherska Lawra, Hauptsitz der ukrainisch-orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchats. / © Sergey Korovayny ( KNA )
Quelle:
KNA