Bischof Voderholzer veröffentlicht Hirtenbrief in Corona-Krise

Vernunft und Nächstenliebe zwingen zu Distanz

​Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat sich nachdrücklich hinter die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gestellt. Gottesdienste würden momentan auch stellvertretend für alle gefeiert, die nicht teilnehmen können.

Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg / © Maria Irl (KNA)
Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg / © Maria Irl ( KNA )

"Die Nachrichten, die uns aus Italien, aus Spanien und auch aus den USA erreichen, müssen uns eine dringende Warnung sein und ein Appell, dem Rat der Experten und den Weisungen der Regierung zu folgen", schreibt der Bischof in einem am Freitag veröffentlichten Hirtenwort zur aktuellen Krise. Eine Verringerung sozialer Kontakte sei zwingendes Gebot der Vernunft und christlicher Nächstenliebe.

Blick auf die Freiheit der Religionsausübung

Voderholzer richtete in seinem Schreiben auch "ein Wort an alle, die sich gewünscht hätten, dass die Kirche mehr auf ihre Rechte und die Freiheit der Religionsausübung pocht: Sie haben insofern Recht, als die Kirche nicht nur systemrelevant, sondern sogar heilsrelevant ist! Und auch insofern, als die Eucharistie als 'Arznei der Unsterblichkeit' (Ignatius von Antiochien) noch wichtiger ist als alle anderen Medikamente. Aber der Staat stellt doch nicht das Christsein unter Strafe, wie einst das römische Reich in den Zeiten der Christenverfolgung". Beide Zeiträume seien nicht vergleichbar.

Der Bischof distanzierte sich "von allen Verschwörungstheorien" und dankte den Politikern "für ihr entschlossenes Handeln". Dabei vertraue er auch darauf, "dass die Verantwortlichen Maß und Ziel kennen. Nicht dass wir zwar vom Coronavirus verschont bleiben, dafür aber an Verarmung oder Vereinsamung und gebrochenem Herzen sterben".

Hoffen auf Rückkehr zum Normalbetrieb

Den Gläubigen seines Bistums legte Voderholzer vor allem die Sorge um ältere Menschen ans Herz, die weder Computer noch Internet hätten. Die derzeit stattfindenden Messen feierten die Priester nicht privat, sondern stellvertretend für alle, die nicht kommen könnten. "Ich weiß, dass all dies niemals ein wirklicher Ersatz sein kann. Aber es ist doch immerhin eine Notlösung, von der wir hoffen und beten, dass sie bald wieder abgelöst wird von der gemeinschaftlichen Feier."

Die für Ende Mai geplante traditionelle Regensburger Fußwallfahrt nach Altötting soll nach den Worten des Bischofs unbedingt stattfinden, "und wenn es nur eine Gruppe von zwei Pilgern stellvertretend für alle ist". Der Trägerverein nehme dafür Gebetsanliegen entgegen. Derzeit ruht der Wallfahrtsbetrieb. Alle Kirchen in Altötting sind geschlossen. In Bayern dürfen derzeit mehrere Personen nur noch gemeinsam ins Freie, wenn sie in einem Haushalt zusammenleben.

Quelle:
KNA
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