Kardinal Woelki übt Kritik an Frauen-Synodalforum

"Vehikel für lang gehegte Wünsche"

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hat Aussagen des Arbeitstextes des Synodalforums "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" kritisiert. Dieser scheine ganz bewusst die Weihe von Frauen vorbereiten zu wollen.

Kardinal Woelki in Rom (EWTN)
Kardinal Woelki in Rom / ( EWTN )

"Die Frage nach neuen Ämtern kann nicht gegen die Schrift und Überlieferung beantwortet werden", sagte Kardinal Woelki am Samstagnachmittag in Rom. Der Kölner Erzbischof äußerte sich dort im Rahmen eines Referates beim Symposium des (Neuen) Schülerkreises Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. zur Offenbarung im Spannungsfeld von Wahrheitsvorgaben und Lebenswirklichkeiten. Dabei bezog er Texte mit ein, die das theologische Denken von Joseph Ratzinger widerspiegeln wie die Enzyklika "Fides et ratio" Johannes Pauls II. oder das nachsynodale Schreiben "Verbum Domini" Benedikts XVI.

Die Wahrheit befände ich in einer Krise, wir seien es gewöhnt, "dass die Wahrheit der Offenbarung angezweifelt wird – auf allen möglichen Ebenen", formulierte Woelki in seinem Referat. Dies könne aber auch zu einer vertieften Reflexion führen, was Offenbarung und Tradition bedeuten, wie es Ratzinger in seinen Kommentaren zur Konstitution "Dei Verbum" des Zweiten Vatikanischen Konzils betont hat.

Woelki: Nicht jede Lebenswirklichkeit entspricht dem Wort Gottes 

Was die Überlieferung angehe, da mache es die breite Interpretation Ratzingers, der den Dienst des Lehramtes als eine Komponente von mehreren sieht, nicht leicht, die Fundorte für die theologische Erkenntnislehre konkret festzulegen und zueinander ins Verhältnis zu setzen. Daher stelle sich hier auch die Frage, welche Rolle die Lebenswirklichkeiten der Menschen spielen.

Nicht jede Lebenswirklichkeit entspreche dem Wort Gottes und nicht jede Lebenswirklichkeit solle die Überlieferung mitprägen, verwies der Kölner Erzbischof auf "Verbum Domini". "Manche Lebenswirklichkeiten und Überlieferungen entstellen das Wort Gottes, manche versperren sogar den Weg." Daher sei eine Unterscheidung der Geister notwendig, wie Papst Franziskus immer betone.

"Überlieferung in der Kirche kommt erst gar nicht vor"

Die Aussage des Arbeitstextes des Synodalforums "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche", dass angesichts der gegenwärtigen pastoralen Kontexte zu prüfen sei, welche neuen Dienste und Ämter zu gestalten sind, sei dann richtig, wenn der Handelnde bei dieser geschichtlichen Entwicklung Gott ist, der seine Kirche durch den Heiligen Geist leitet. Wenn die Gründe für diese Entwicklung als rein menschengemacht, säkular und innergeschichtlich angenommen würden, dann sei die Aussage des Textes falsch.

Es sei bezeichnend, dass in den weiteren Ausführungen nur auf die Schrift geschaut und dabei einseitig zitiert würde, bedauerte Woelki. "Ich würde nun gerne sagen, dass die Überlieferung in der Kirche im Dokument stiefmütterlich behandelt wird. De facto muss man aber sagen: Das Bollwerk der Überlieferung in der Kirche, dass die Bibel, die Heilige Schrift, davor schützt, fundamentalistisch oder ideologisch interpretiert zu werden, kommt erst gar nicht vor. Es würde dann schnell auffallen, dass die Überlieferung der Kirche keine derartige Weihe von Frauen kennt."

Woelki: Lebenswirklichkeit nur ein Vehikel?

Der Text der Synode scheine ganz bewusst auf die Weihe von Frauen vorbereiten zu wollen, kritisiert der Kardinal und sieht darin eine Antwort auf Befindlichkeiten, da der Ausschluss von Frauen von den Weiheämtern von vielen als verletzend und ungerecht wahrgenommen würde. Auf diese Lebenswirklichkeit müsse freilich eine Antwort gefunden werden, aber nicht gegen die Offenbarung.

Woelki erinnerte auch daran, dass die ursprüngliche Lebenswirklichkeit, die zum synodalen Weg geführt habe, der Glaubwürdigkeitsverlust der Frohen Botschaft und der Kirche durch den sexuellen Missbrauch durch Kleriker war. "Wenn diesem Problem nur ein marginaler Absatz gewidmet ist, kann ich den Verdacht nicht verschweigen, dass diese Lebenswirklichkeit nur ein Vehikel zu sein scheint, um lang gehegte Wünsche wahr werden zu lassen."

Der Kölner Kardinal erklärte sich allerdings bereit, sich auf einen Dialog über Lebenswirklichkeiten einzulassen, jedoch nicht gegen die lebendige Überlieferung der Kirche. "Das verzerrt das Wort Gottes. Das macht den Dialog mit Gott unmöglich, der uns zu unserem eigentlichen Glück und zu wahrer Freude führen soll. Das versperrt den Weg zur Gemeinschaft mit ihm, die uns zu dem Menschen macht, der wir eigentlich sein sollen und wollen."

Quelle:
DR
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