DOMRADIO.DE: Sie hatten bereits öfter Kontakt mit dem Vatikandiplomaten Hubertus van Megen. Was ist das für ein Mensch?
Gudrun Sailer (Vatikan-Journalistin bei Vatican News): Ich habe Erzbischof van Megen am Rande unserer Interviews über die Jahre als humorvollen und kritischen Kirchenmann kennengelernt, als hervorragenden Beobachter und als Diplomaten, der Problemfelder gut identifizieren kann und trotzdem konziliant bleibt.
Er war Nuntius in einem so schwierigen Land wie dem Südsudan, aber vor allem in Kenia. Er war insgesamt weit über 20 Jahre in Afrika, und es war immer spürbar, wie sehr ihm Afrika am Herzen liegt.
DOMRADIO.DE: Wie sieht es mit seinen Deutschkenntnissen aus?
Sailer: Hervorragend! Genauso wie sein Englisch, Französisch und Italienisch. Er ist einer jener Interviewpartner, die hintereinanderweg in vier, fünf verschiedenen Sprachen Rede und Antwort stehen können.
DOMRADIO.DE: In Ihrem letzten Interview aus dem vergangenen Sommer hat er betont, wie wichtig es ist als Nuntius ein Brückenbauer zwischen Heiligem Stuhl und Lokalkirche zu sein. Wird er das auch in Deutschland können?
Sailer: Genau das ist sein Auftrag als Vatikandiplomat. Ich bin sicher, Erzbischof van Megen wird als Nuntius in Berlin eine konstruktive Rolle spielen. Vor allem glaube ich, er wird auch auf einer persönlichen Ebene gut mit dem neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, zusammenarbeiten können. Das sind beides Bischöfe mit einem Weitwinkelblick.
DOMRADIO.DE: Wie beurteilen Sie seine Berufung nach Deutschland? Passt das ins Bild von Leos Personalpolitik?
Sailer: Durchaus. Auch weil Papst Leo weiß, dass es ideal ist, wenn Nuntien die Sprache ihres Gastlandes sprechen. Van Megen ist, glaube ich, in vielerlei Hinsicht eine gute Wahl für Berlin.