Niederländischer Erzbischof van Megen wird neuer Nuntius in Berlin

Afrika-Diplomat kommt an die Spree

Nach dem 75. Geburtstag von Nuntius Nikola Eterović steht nun sein Nachfolger fest: Der niederländische Erzbischof Hubertus van Megen soll den Papst in Berlin vertreten. Der Diplomat hat Erfahrung mit kirchlicher Krisenkommunikation.

Apostolischer Nuntius Erzbischof Hubertus Matheus Maria van Megen (DBK)
Apostolischer Nuntius Erzbischof Hubertus Matheus Maria van Megen / ( DBK )

Nach Vatikan-Angaben wird der Niederländer Hubertus van Megen neuer Nuntius in Berlin. Die letzten Stationen seiner Laufbahn lassen schon vermuten, dass Hubertus van Megen, der 1987 im niederländischen Bistum Roermond zum Priester geweiht wurde, ein umtriebiger Bischof ist. 

Der 64-jährige Diplomat steht seit Jahrzehnten im Dienst des Heiligen Stuhls und spricht fließend und akzentfrei Deutsch. Viele Erfahrungen hat er in den vergangenen Jahren in Afrika gesammelt. In Nairobi, Kenia, war er seit 2019 als Nuntius stationiert und übernahm von dort aus auch die Vatikandiplomatie für das Krisenland Südsudan, wo Papst Franziskus eine große Rolle im Einsatz für den Frieden der verfeindeten Volksgruppen spielte. 

 Die Fahne des Vatikan weht auf dem Gelände der Apostolischen Nuntiatur (dpa)
Die Fahne des Vatikan weht auf dem Gelände der Apostolischen Nuntiatur / ( dpa )

Der Papst hatte die politischen Führer der verfeindeten Parteien 2019 in den Vatikan geladen und ihnen mit der Bitte um Frieden sogar persönlich die Füße geküsst. 2023 schrieb Franziskus Geschichte als erster Papst, der das kernkatholische und jüngste Land Afrikas persönlich besuchte. Van Megen begleitete den Prozess im Hintergrund intensiv. "Ich weiß noch genau, wie Präsident Salva Kiir mir einmal gesagt hat: Diese Geste von Papst Franziskus ist ein Segen, aber auch ein Fluch", sagte er kurz vor dem Papstbesuch gegenüber Vatican News.

Erfahrung mit Krisenkommunikation

Van Megen ist also mit politisch heiklen Situationen vertraut. Obwohl die Lage in Berlin nicht mit der im Südsudan oder in Kenia vergleichbar ist, wird er auch dort auf eine angespannte Lage treffen. Das gilt besonders für das Verhältnis zwischen der deutschen Kirche und dem Heiligen Stuhl. Seit dem Beginn des Reformprozesses "Synodaler Weg" fand eine gewisse Entfremdung zwischen Rom und Deutschland statt. 

Erster Vermittler zwischen den Parteien war und ist der Nuntius in Berlin, der regelmäßig Bericht an den Heiligen Stuhl erstattet. Er nahm sowohl an den Sitzungen des Reformdialogs teil als auch an den Vollversammlungen der Deutschen Bischofskonferenz. Der noch amtierende Nuntius Eterović ist hier öfter auf Unverständnis gestoßen, was auch an den kulturellen und sprachlichen Barrieren liegen mag, an die der kroatische Erzbischof in Deutschland geraten ist.

Erzbischof Nikola Eterovic / © Lars Berg (KNA)
Erzbischof Nikola Eterovic / © Lars Berg ( KNA )

Auch in Afrika gibt es Konflikte zwischen Vatikan und Ortskirche, auch wenn diese ein wenig anders ausfallen. Darüber sprach van Megen in einem weiteren Vatican-News-Interview im Sommer 2025, als er gemeinsam mit über 100 weiteren Vatikanbotschaftern zur ersten Audienz bei Papst Leo XIV. geladen war. "Dass es dann auch eine Spannung gibt zwischen dem, was der Papst sagt, und dem, was in einer Lokalkirche geschieht, ist manchmal auch schwierig", so der Nuntius. 

"Aber dazu ist man dann auch Diplomat, um da hindurch zu manövrieren und ein Brückenbauer zu sein zwischen diesen zwei Realitäten, der Realität des Vatikans und der Universalkirche und der Realität der lokalen Kirche. Aber am Ende geht es dann doch um diesen Gehorsam an Petrus, das ist meine erste Verantwortung." 

Afrikanische Konfliktthemen

In Afrika habe sich die Kritik in den vergangenen Jahren zum Beispiel auf das Papstdokument "Fiducia supplicans" bezogen, mit dem Franziskus 2021 eine erste Öffnung für den Segen für Paare in "irregulären Beziehungen" einleitete. Dies tue dem Ansehen des Papstes und des Heiligen Stuhls in Afrika aber keinen Abbruch; mitunter fänden Kirche, Papst und Vatikan größeren Respekt als lokale und nationale Politiker.

Großen Respekt äußerte van Megen in dem Interview auch gegenüber Papst Leo XIV. Die Audienz mit den Nuntien war eine der ersten bedeutenderen Amtshandlungen des neuen Papstes nach seiner Wahl am 8. Mai des vergangenen Jahres. Bereits zuvor habe der spätere Papst Kardinal Prevost als Präfekt des Bischofsdikasteriums Einblick in die Auswahl der Nuntien gehabt. Dementsprechend habe er auch beim Treffen erhebliche Aufmerksamkeit und Wertschätzung an den Tag gelegt, so van Megen.

Kritik an Westeuropas Gesellschaft

Nun wird der Erzbischof, der neben Afrika auch schon bei den Vereinten Nationen in Genf, in Israel oder in der Slowakei im diplomatischen Dienst tätig war, erstmals seit Jahrzehnten seinen Fokus auf Westeuropa legen müssen. Dass er fließend und akzentfrei Deutsch spricht, wird ihm bei seiner neuen Aufgabe definitiv zugutekommen. Kulturell wird die Aufgabe als Nuntius in Berlin allerdings definitiv eine Umstellung sein.

In innerkirchlichen Kreisen hat er schon mehrmals mit deutlicher Kritik an Kirche und Gesellschaft in Westeuropa Schlagzeilen gemacht. "Die Lehren der westlichen Gesellschaft über Abtreibung, Euthanasie und Gender-Theorie sind klare Symptome einer Gesellschaft, die ihren inneren Kompass verloren hat und hilflos auf dem stürmischen Meer der menschlichen Wünsche treibt, geschüttelt und in jeder Hinsicht geschwächt", sagte van Megen bei einer Bischofsweihe im April 2025 in Kenia, wie ihn das Portal CNA Deutsch zitiert. Weiter sagte er demnach: "Es ist für jedermann offensichtlich, wie der Westen, eine säkulare Gesellschaft, seine Kraft verloren hat und immer mehr mit sich selbst beschäftigt ist." Die westliche Gesellschaft sei "von einem Licht für die Nationen" dazu übergegangen, "ihre Lampe unter den Scheffel zu stellen, ihr Licht wird immer schwächer." 

Apostolischer Nuntius

Der Apostolische Nuntius ist in Doppelfunktion Gesandter des Papstes bei einer Ortskirche und zugleich bei einem Staat oder einer öffentlichen Autorität. Als Mittelsmann des Papstes soll er in erster Linie die Verbindung zwischen dem Apostolischen oder Heiligen Stuhl und der Kirche seines Gastlandes halten und stärken. Zudem soll er nach den Normen des internationalen Rechts das Verhältnis zwischen dem Vatikan und den Staatsautoritäten pflegen, Staat-Kirche-Fragen behandeln und etwa durch Konkordate oder andere Vereinbarungen regeln.

Ein Pileolus und eine Stola liegen auf einer Kirchenbank / © Harald Oppitz (KNA)
Ein Pileolus und eine Stola liegen auf einer Kirchenbank / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
DR

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