Vatikan-Experte Nersinger erklärt Helikopterflüge der Päpste

"Johannes Paul II. war fast ein Helikopter-Fan"

Vatikan-Experte Ulrich Nersinger blickt auf die päpstlichen Helikopterflüge zurück. Papst Paul VI. nutzte als Erster einen und ließ den Landeplatz im Vatikan bauen. Auch der Abschiedsflug von Benedikt XVI. bleibt vielen in Erinnerung.

Autor/in:
Carsten Döpp
Mit diesem Hubschrauber ist Papst Leo XIV. zur Gebetsnacht beim Weltjugendtreffen im August 2025 geflogen - es lag auf dem Gelände von Tor Vergata in Rom. / © 	Pablo Esparza/CNS photo/KNA (KNA)
Mit diesem Hubschrauber ist Papst Leo XIV. zur Gebetsnacht beim Weltjugendtreffen im August 2025 geflogen - es lag auf dem Gelände von Tor Vergata in Rom. / © Pablo Esparza/CNS photo/KNA ( KNA )

DOMRADIO.DE: Der Erste, der einen Helikopter benutzt hat, war Papst Paul VI. Wie kam es dazu, dass Päpste angefangen haben, mit dem Helikopter zu fliegen?

Ulrich Nersinger (Autor und Vatikan-Experte): Es gibt ja so gut wie kein Verkehrsmittel, das die Päpste nicht genutzt haben. Und da musste irgendwann auch der Helikopter kommen. Er wurde von den Päpsten natürlich verwendet, wenn sie nach Castel Gandolfo in ihre Sommerresidenz flogen oder sich zu einem der beiden römischen Flughäfen begaben, um ins Ausland oder innerhalb Italiens einen Pastoralbesuch zu machen.

DOMRADIO.DE: Aber hatte der Vatikan denn eigene Hubschrauber?

Nersinger: Nein, das hatte er nicht. Der Vatikan hat einen Hubschrauber der Luftstreitkräfte der Republik Italien benutzt, und das hat ganz gut funktioniert.

DOMRADIO.DE: Papst Paul VI. hat sich 1976 einen eigenen Hubschrauber-Landeplatz im Vatikan bauen lassen. Wie muss man sich den vorstellen?

Nersinger: Auf dem höchsten Punkt der Vatikanischen Gärten liegt dieser schlichte, einfache Landeplatz, der aber mit allen notwendigen technischen Möglichkeiten ausgestattet ist. Er hat sogar eine eigene Wetterstation, sodass man zu jeder Zeit landen und starten könnte.

Papst Paul VI. in Samoa / © KNA-Bild (KNA)
Papst Paul VI. in Samoa / © KNA-Bild ( KNA )

DOMRADIO.DE: Wer war denn von seinen Nachfolgern ein besonders eifriger Hubschrauber-Nutzer?

Nersinger: Das dürfte wohl Johannes Paul II. gewesen sein. Er hatte viel Spaß am Fliegen und war – kann man salopp sagen – fast ein Helikopter-Fan. Es wurde sogar überlegt, ob der Vatikan nicht einen eigenen Helikopter anschaffen sollte. Das wurde dann im Päpstlichen Staatssekretariat durchgerechnet und man erkannte aber, dass das enorme Kosten verursachen würde. Deshalb hat man darauf verzichtet.

DOMRADIO.DE: Sie haben bestimmt eine besonders schöne Anekdote rund um die Flüge mit Helikoptern, oder?

Nersinger: Ja, da gibt es einige Geschichten. So wurde zum Beispiel ein Vertrag mit einem Kinderkrankenhaus aus der näheren Umgebung des Vatikans abgeschlossen. Man ging nämlich davon aus, dass es wichtige Flüge geben könnte, die lebensnotwendig sind. Somit dient der päpstliche Hubschrauber-Landeplatz nicht nur dem Papst, sondern auch kranken Kindern, die dringend eine Operation oder Transplantation benötigen.

DOMRADIO.DE: Sie haben noch eine Geschichte rund um Benedikt XVI., oder?

Nersinger: Ein Flug ist vielen Leuten wahrscheinlich im Gedächtnis geblieben: Der berührende Abschied von Benedikt XVI., als er den Vatikan verließ, um nach Castel Gandolfo zu fliegen und dort am Abend seinen Rücktritt zu vollziehen.

DOMRADIO.DE: Wie steht denn der aktuelle Papst Leo zu Hubschrauberflügen?

Nersinger: Man weiß, dass Papst Leo zum Weltjugendtag in Rom einen Helikopter genommen hat, während er nach Castel Gandolfo mit dem Auto gefahren ist. Man wird sich also noch überraschen lassen müssen, was Papst Leo künftig in Sachen Helikopter plant. Dass er mit dem Helikopter vom Vatikan nach Monaco fliegen wird, ist aber natürlich schon ein kleines Abenteuer.

Das Interview führte Carsten Döpp.

Quelle:
DR

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