USA-Experte schätzt Treffen der US-Bischofskonferenz ein

Knappe Wahlen, ein Fünf-Jahres-Plan und eine Gebetsarie

In der Nacht ist die Vollversammlung der US-Bischofskonferenz zu Ende gegangen. USA-Kenner Klaus Prömpers erklärt, worüber gesprochen wurde und welche Rolle die Entlassung von Bischof Joseph Strickland bei dem Treffen gespielt hat.

Vollversammlung der US-Bischofskonferenz / © Bob Roller (KNA)
Vollversammlung der US-Bischofskonferenz / © Bob Roller ( KNA )

DOMRADIO.DE: Auf der Vollversammlung der US-Bischofskonferenz wurden unterschiedliche Themen besprochen. Gibt es zum Beispiel einen von den 267 Bischöfen favorisierten Präsidentschaftskandidaten für die US-Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr?

Klaus Prömpers (ehemaliger ZDF-Korrespondent und USA-Experte): Nein, den gibt es natürlich nicht. Da sind die Bischöfe zurückhaltend. Aber wenn man die Geschichte der US-Bischofskonferenz der letzten fünf Jahre Revue passieren lässt, haben die Bischöfe erhebliche Vorbehalte gegen Joe Biden gezeigt. Zum Beispiel beim Thema der Abtreibungsfrage. Biden vertritt dort eine Position, die Abtreibungsmöglichkeiten offen halten möchte. Diese Position lehnen die Bischöfe natürlich ab.

Klaus Prömpers / © Tobias Fricke (DR)
Klaus Prömpers / © Tobias Fricke ( DR )

Während der voraussichtliche republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump den Bischöfen mit seiner Position eines Abtreibungsverbots immer durch die Gegend zieht. Nach dem Urteil des obersten Gerichts letzten Jahres revidierte er allerdings ein bisschen seine Meinung und sagt, gewisse Ausnahmen sollte es geben. Insofern stehen die Bischöfe da ein bisschen im Regen zwischen den beiden Kandidaten.

DOMRADIO.DE: Die Bischöfe planen eine große Aktion gegen psychische Erkrankungen in der US-Gesellschaft. Nehmen die zu?

Prömpers: Offensichtlich. Es gab eine Kommission, die dazu gearbeitet und einen Fünf-Jahres-Plan ausgearbeitet hat, wie man damit umgehen soll und kann. Ungefähr ein Drittel aller Amerikaner leidet nicht zuletzt wegen der Pandemie unter psychischen Erkrankungen. Es gibt aber natürlich auch andere Ursachen.

Bei dem Thema seien auch die Kirche aufgerufen, etwas zu tun, sagt die Bischofskonferenz. Es müsste Hilfe angeboten werden, nicht nur über die Caritas- und sonstigen Dienste, sondern insgesamt. Geplant ist dafür eine Gebetsnovene und es wird einen Ausbau der kirchlichen psychosozialen Dienste geben.

DOMRADIO.DE: Es gab sechs Nachwahlen für sechs Kommissionen und den Generalsekretär der Bischofskonferenz. Welches Bild zeichnet sich dadurch ab?

Klaus Prömpers

"Sie fragen jetzt hilfesuchend nach Rom: Wie sollen wir jetzt in dem einen Jahr das vorläufige Dokument weiter bearbeiten?"

Prömpers: Mehrheitlich sind mit jeweils knapper Mehrheit konservative Bischöfe gewählt worden. Der Generalsekretär, sozusagen der dritte Mann in der Leitung der Bischofskonferenz, ist ein Bischof, der bisher schon stark konservativ aufgetreten ist. Er war einer derjenigen, die Joe Biden und Nancy Pelosi, die frühere Sprecherin des Repräsentantenhauses, mit Exkommunikation gedroht hatte, weil sie beim Thema Abtreibung von der Meinung der Kirche abweichen. Das hatte Papst Franziskus damals verhindert.

Im vergangenen Monat hatte der Papst Bischöfe und Laien zur Weltbischofssynode nach Rom eingeladen. Man muss betonen: darunter auch Frauen. Das hat schon Eindruck hinterlassen. Andererseits sind sehr viele immer noch sehr reserviert gegenüber dem, wie da was geplant sein soll, was an Reformen auf sie zukommen könnte.

Die Bischöfe fragen jetzt hilfesuchend nach Rom: Wie sollen in dem einen Jahr bis zum zweiten Treffen in Rom das vorläufige Dokument weiter bearbeitet werden? In den Gremien der Bischofskonferenz, die bisher dafür vorgesehen sind, sind keine Frauen vertreten. Nun wartet man auf Anweisungen aus Rom, wie man weiterarbeiten kann. Der Nuntius hat in seiner Anfangspredigt erklärt, man möge doch das, was die Bischöfe sehr bewegt, den Eucharistischen Kongress des nächsten Jahres und den synodalen Prozess des Papstes vermählen und beide Wege gemeinsam in Angriff nehmen.

Klaus Prömpers

"Insofern waren diese Gebetsarien vor den Toren der Bischofskonferenz etwas Eigenartiges."

DOMRADIO.DE: Abschließend noch ein Satz zu Joseph Strickland. Der Papst hat ihn vergangene Woche ohne Begründung seines Amtes als Bischof von Texas enthoben. War er jetzt zumindest in der Nähe des Bischofstreffens?

Prömpers: Er war in der Nähe in einem Hotel untergebracht und hat vor dem Tagungshaus, in dem die Bischofskonferenz tagte, mit mehreren hundert Gläubigen den Rosenkranz für die richtigen Entfaltungen der Bischofskonferenz und des Papstes gebetet.

Strickland wurde unter anderem vom Papst herausgeschmissen, weil er beispielsweise während der Pandemie gesagt hat, Impfungen seien nicht nötig, sogar eher gefährlich und ähnliche Dinge. Er ist gegen alle Reformen, die man sich vorstellen kann, die der Papst irgendwo auch nur andeutet und hält den Papst im Grunde für einen Verräter des Glaubens.

Insofern waren diese Gebetsarien vor den Toren der Bischofskonferenz etwas Eigenartiges. Er hätte in den Saal gedurft, aber es heißt, der Nuntius habe ihm nahe gelegt, doch besser nicht im Saal zu aufzutauchen. Es ist üblich, dass auch emeritierte Bischöfe an den Diskussionen teilnehmen, allerdings ohne Stimmrecht. Strickland hat darauf verzichtet und dadurch hat er natürlich viel mehr Aufmerksamkeit erregt im katholischen konservativen Bereich, das er vor den Türen war. Da gab es dann eben immer Bilder mit ihm in den rechtskatholischen Sendern wie EWTN, wo gezeigt wurde, wie er für den rechten Glauben kämpft.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Quelle:
DR