Das katholische Hilfswerk "Kirche in Not" Deutschland hat nach den militärischen Angriffen der USA und Israels auf den Iran vor unabsehbaren Folgen für die christliche Minderheit der Region gewarnt. "Eine weitere Eskalation könnte das Aus für die Christen im Nahen Osten bedeuten", warnte Geschäftsführer Florian Ripka am Montag in München. Nicht nur im Iran, auch unter den Christen im Irak, Syrien, Libanon und im Heiligen Land sei die Angst hoch.
Im Iran lebten nach wie vor einige tausend Christen, fügte Ripka hinzu: "Besonders Konvertiten waren unter dem Mullah-Regime verfolgt. Allein über die Christen im Iran zu reden, ist mitunter schon gefährlich für sie."
Zu begrüßen sei, wenn der Ruf nach Freiheit im Iran jetzt endlich auch im Leben der Menschen ankomme. Aber der Preis eines Krieges sei hoch, "zumal er auch Zivilisten trifft und viele Christen zu den schutzlosesten Gruppen im Iran zählen".
Viele Christen kommen nicht mehr zurück
Der militante Islamismus verursache Leid und Terror, so Ripka. Aber viele Christen fragten sich: "Wird ein Krieg nicht zu noch mehr Hass und Extremismus führen?"
Im Irak, dem Nachbarland des Irans, seien christliche Dörfer gerade wieder instand gesetzt worden "Die Christen würden eine erneute Zerstörung kaum verkraften", sagte Ripka. Erneute Kriege verstärkten die Zukunftsangst: "Es sind so viele Christen ins Ausland gegangen. Die kommen nicht zurück. Aber was soll mit denen werden, die geblieben sind - es sind oft arme und ältere Menschen."
Auch im Heiligen Land ist die erneute Eskalation laut Ripka ein schwerer Rückschlag: "In Gaza ist die humanitäre Lage verheerend. Wenn jetzt Hilfslieferungen eingeschränkt werden sollten, kann die einzige verbleibende katholische Gemeinde nicht überleben - und Tausende Menschen in der Nachbarschaft nicht mehr versorgen."
Die Christen im Westjordanland hätten jetzt, kurz vor Ostern, auf wieder mehr Pilger und Touristen gehofft: "Diese Hoffnung ist jetzt zerstört." Das bedeute für viele Christen: Keine Einkünfte, keine Existenzgrundlage.