Unterschätzt der Mensch die Intelligenz von Nutztieren?

Weder "blöde Kuh" noch "dummes Huhn"

Die Kuh Veronika hat jüngst für Schlagzeilen gesorgt, da sie Werkzeuge mit Bedacht auswählt. Sebastian Knapp ist Dozent am Institut für Theologische Zoologie und erklärt, was das über das Bewusstsein von Tieren aussagt.

Autor/in:
Dagmar Peters
Kuh Veronika nutzt lange Objekte, um sich zu kratzen / © Antonio Osuna Mascaró/Veterinärmedizinische Universität Wien (dpa)
Kuh Veronika nutzt lange Objekte, um sich zu kratzen / © Antonio Osuna Mascaró/Veterinärmedizinische Universität Wien ( dpa )

DOMRADIO.DE: Unterschätzen wir Tierintelligenz?

Sebastian Knapp (Dozent am Institut für Theologische Zoologie in Münster): Absolut, wir unterschätzen deren Intelligenz. Es ist interessant, dass gerade bei Veronika dieses Verhalten vermehrt beobachtet wurde. Denn sie hat nicht nur Besen und Stöcke genutzt, um sich zu kratzen, sondern auch unterschiedliche Teile der Besen und Stöcke an verschiedenen Stellen eingesetzt. 

Sebastian Knapp

"Das ist ein Hinweis darauf, dass Tiere zu viel mehr im Stande sind, als wir denken."

Zum Beispiel hat sie den unteren Teil des Besens für den Rücken und an den empfindlicheren Stellen den Stock des Besens verwendet. Das ist ein Hinweis darauf, dass Tiere zu viel mehr im Stande sind, als wir denken, gerade bei Rindern und anderen sogenannten Nutztieren. Der Begriff ist an sich schon kritisch. 

Auch Schweine sind bekannt dafür, dass sie sehr intelligent sind. Die können zum Beispiel mehrstufige Probleme lösen, indem sie Hebel benutzen, um Dinge zu aktivieren oder zu ändern. Sie verstehen demnach Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge. 

Das "dumme Huhn" ist vielleicht noch mehr verbreitet als die "blöde Kuh". Dabei sind Hühner sozial intelligent. Die haben nicht unbedingt eine klassische Intelligenz, sondern ein vorausschauendes Verhalten und können Individuen unterscheiden. Auch bei denen gibt es interessante Beobachtungen, was Intelligenz angeht.

Sebastian Knapp

"Jedes Leben hat einen Eigenwert und der ist nicht abhängig von Intelligenz, Nützlichkeit oder anderen Fragestellungen."

DOMRADIO.DE: Müssen wir nicht unseren Umgang mit Nutztieren, gerade beim Thema Haltung oder Konsum, nach solchen Erkenntnissen mit anderen Augen sehen und anders handeln?

Hühner / © Adwo (shutterstock)

Knapp: Diese Frage nach der Intelligenz von Nutztieren kann spannend sein, um die Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken. Aber wenn es um die konkrete Frage geht, welche Folgerungen daraus kommen, dann würde ich sagen, dass ein guter Umgang mit Tieren nicht von der Intelligenz des Tieres abhängt. 

Jedes Tier und jedes Lebewesen hat einen guten Umgang verdient, und das hat einen Eigenwert an sich. Das hat auch Papst Franziskus in "Laudato Si" klargestellt. Jedes Leben hat einen Eigenwert und der ist nicht abhängig von Intelligenz, Nützlichkeit oder anderen Fragestellungen.

Das Interview führte Dagmar Peters.

Enzyklika "Laudato si"

Klimawandel, Artenvielfalt, Trinkwasser: Diese Themen bestimmen die Umweltenzyklika von Papst Franziskus. Er wendet sich damit an "alle Menschen guten Willens" - und erklärt, warum eine ökologische Umkehr auch soziale Gerechtigkeit bedeutet. Papst Franziskus hat die reichen Industrienationen zu einer grundlegenden "ökologischen Umkehr" aufgefordert, um globale Umweltzerstörung und Klimawandel zu stoppen.

Deutsche Ausgabe der Enzyklika "Laudato si" / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Deutsche Ausgabe der Enzyklika "Laudato si" / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
DR

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