Die Kirchen haben nach Ansicht von Arzt und Wissenschaftsjournalisten Eckart von Hirschhausen "noch Luft nach oben" beim Thema Klimaschutz. Handlungsbedarf sehe er vor allem bei kirchlichen Kapitalanlagen, bei der Verwaltung kirchlicher Ländereien und beim Essen in kirchlichen Häusern, Kliniken und Kindergärten, sagte er im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Auf diesen Feldern sollten die Kirchen Vorbild sein für Politik und Gesellschaft.
Auf der Weltklimakonferenz hatte Hirschhausen mit Bischöfen aus dem Amazonas wie auch von den Philippinen gesprochen. Das habe ihm gezeigt: "Die Menschen, die heute am härtesten leiden, etwa unter extremen Hurrikans und Überschwemmungen, kommen kaum medial bei uns vor." Allerdings habe die Kirche ihre Antennen rund um die Welt, so Hirschhausen.
Angesichts dessen, dass für die Fleischproduktion "das artenreichste, was wir haben, der Regenwald, zerstört wird, muss doch klar sein: In katholischen Krankenhäusern oder Kindergärten gibt es kein Billigfleisch, sondern leckere pflanzenbasierte und regionale Küche", mahnte Hirschhausen.
Land nur für regenerative Landwirtschaft
Als Besitzer von viel Land sollten die Kirchen dieses nur für regenerative Landwirtschaft verpachten, fügte er hinzu. Denn fruchtbare Böden seien ein immer knapperes, kostbares Gut. Zudem sollten sich die Kirchen bei ihren Kapitalanlagen verpflichten, "den Umbau hin zu erneuerbarer Energie, nachhaltiger Wirtschaft und zu mehr Fairness und Gerechtigkeit" zu fördern.
Auch wenn er noch Verbesserungsbedarf sehe, freue er sich insgesamt über das große kirchliche Engagement für die Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit und Frieden, ergänzte Hirschhausen. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg sei die 2015 veröffentlichte Enzyklika "Laudato si" gewesen, das Lehrschreiben von Papst Franziskus zu Umwelt- und Klimaschutz. Und dazu hatte er sich mit führenden Wissenschaftlern vom Potsdam Institut beraten wie Joachim Schellnhuber und Ottmar Edenhofer.
ARD-Doku zu zehn Jahre "Laudato si"
Derzeit arbeitet der frühere Kabarettist und TV-Moderator an einer ARD-Doku zu "Laudato si" und den Folgen. Ausgestrahlt wird sie voraussichtlich während des Katholikentags in Würzburg - am 14. Mai, dem Feiertag Christi Himmelfahrt.