Zwei Kirchenhistorikerinnen der Universität Paderborn stellen am Donnerstag ihre Studie zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum Paderborn vor. Sechs Jahre lang haben sie das Phänomen untersucht. Die vom Erzbistum geförderte Aufarbeitungsstudie beleuchtet den Zeitraum von 1941 bis 2002, also die Amtszeiten der früheren Erzbischöfe und Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt.
Die Wissenschaftlerinnen Nicole Priesching und Christine Hartig zählten in einer bereits 2021 veröffentlichten Zwischenbilanz 160 Beschuldigte; sie gingen von sehr viel mehr Betroffenen aus. Jaeger und Degenhardt hätten beschuldigte Geistliche geschützt und kaum Fürsorge für Betroffene erkennen lassen.
Missbrauchsvorwürfe gegen Erzbischöfe
Im Oktober 2025 waren zudem Vorwürfe laut geworden, wonach Jaeger und Degenhardt selbst Täter gewesen sein sollen. Laut Erzbistum sind die bislang bekannten Hinweise jedoch teils unvollständig, widersprüchlich oder über Dritte eingebracht worden. Externe Gutachter hätten sie als nicht plausibel bewertet, so die Erzdiözese.
Ob die aktuelle Studie neue Erkenntnisse zu den Vorwürfen gegen die früheren Erzbischöfe enthält, ist bislang offen. Wegen der Sensibilität des Themas würden sämtliche Ergebnisse erst am Donnerstagnachmittag präsentiert, teilte ein Uni-Sprecher der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit. Das Erzbistum erklärte auf Anfrage, die Studienergebnisse erst zusammen mit der öffentlichen Präsentation zu erhalten.