Umstrittener Kirchenlandverkauf in Jerusalem verzögert sich

Streit um Grundstücke

Der umstrittene Verkauf von Grundstücken der griechisch-orthodoxen Kirche in Jerusalem an private Investoren verzögert sich offenbar. Nach Medieninformationen wies das Jerusalemer Bezirksgericht eine Klage des Patriarchats zurück.

Blick auf Jerusalem und den Tempelberg / © Harald Oppitz (KNA)
Blick auf Jerusalem und den Tempelberg / © Harald Oppitz ( KNA )

Wie die Tageszeitung "Jerusalem Post" berichtete, lehnte das Gericht es ab, die Stadt Jerusalem zur Ausstellung Dokumente anzuhalten, die zum Abschluss des Handels benötigt werden. 

Nötig für einen Verkauf ist laut Bericht eine Bestätigung der Stadt, dass keine Schuldlasten auf den Grundstücken liegen. Das Patriarchat hatte der Stadt in der Klageschrift vorgeworfen, die Ausstellung dieser Bestätigung mutwillig zu verweigern, um den Verkauf zu stoppen.

Knapp 250 Grundstücke müssen geprüft werden

Das Gericht bekräftigte laut Zeitung in seinem Entscheid von Sonntag die Haltung der Stadt, die die Notwendigkeit zur sorgfältigen Prüfung geltend machte. Es gehe bei dem geplanten Handel um 246 Grundstücke in verschiedenen Stadtteilen Jerusalems, die überprüft werden müssten.

Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat begrüßte das Urteil. Die Stadt werde es nicht zulassen, dass Bewohner aufgrund von Immobilienhandel zu Schaden kämen.

Anwalt spricht von "Verzögerungstaktik"

Der Anwalt des Patriarchats, Jedidija Loewenthal, warf der Stadt eine Verzögerungstaktik vor. Das Verfahren dauere schon seit über einem Jahr an, obwohl die Stadt rechtlich verpflichtet sei, binnen drei Monaten ihre Zustimmung auszusprechen.

In Israel sorgen die Verkäufe für Beunruhigung, da bestehende Pachtverträge der Kirche mit dem Jüdischen Nationalfonds aus den 1950er Jahren über zahlreiche Grundstücke in den kommenden Jahrzehnten auslaufen. Das Land fiele dann rechtmäßig an die neuen Besitzer, die jetzigen Bewohner verlören ihre Wohnungen.

Christen fordern Absetzung des Patriarchen

Auch unter einheimischen Christen wächst der Protest gegen den Verkauf. Sie fordern die Absetzung des griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III. Anfang Oktober hatte die "arabisch-orthodoxe Nationalkonferenz" dem gebürtigen Griechen die Anerkennung entzogen. Bereits zuvor hatten Vertreter palästinensisch-orthodoxer Organisationen in Ramallah Strafantrag gegen ihn eingereicht.

Die griechisch-orthodoxe Kirche ist nach der israelischen Landbehörde der größte Grundbesitzer in Israel. Der Vorgänger des amtierenden Patriarchen Theophilos III., Irinaios I. war 2005 nach nur vierjähriger Amtszeit über einen Skandal um undurchsichtige Landverkäufe an israelische Geschäftsleute gestürzt. Seither wird Irinaios I., der alle Anschuldigungen als haltlos zurückwies, im Jerusalemer Patriarchat in Klosterhaft gehalten.

Papst Franziskus empfängt den griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III. von Jerusalem / © Osservatore Romano (KNA)
Papst Franziskus empfängt den griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III. von Jerusalem / © Osservatore Romano ( KNA )
Quelle:
KNA