Über 500 Kölner besuchen Gedenkfeier zum Novemberpogrom 1938

Gemeinsam für den Schutz jüdischen Lebens eintreten

Vor 85 Jahren brannten in der Nacht vom 9. auf den 10. November in ganz Nazi-Deutschland die Synagogen. Unter dem Motto "Nie wieder ist jetzt" stand die diesjährige Erinnerung daran in der Kölner Synagoge mit viel Prominenz.

Autor/in:
Beatrice Tomasetti
Schülerinnen und Schüler der Kölner Königin-Luise-Schule unter der Leitung von Sandro Knop gestalten die Feier musikalisch. / © Beatrice Tomasetti (DR)
Schülerinnen und Schüler der Kölner Königin-Luise-Schule unter der Leitung von Sandro Knop gestalten die Feier musikalisch. / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Schon lange vor Beginn der Veranstaltung, zu der traditionell in jedem Jahr die Synagogen-Gemeinde Köln und die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e. V. einladen, bildete sich eine lange Schlange am Eingang der Synagoge in der Roonstraße, die an diesem Abend noch einmal unter besonderer Beobachtung der Polizei stand. Jeder Gast musste sich ausweisen, größeres Handgepäck musste durch den Scanner. Drinnen fand sich dann eine Mischung aus allen Generationen, die dieser Einladung gefolgt war. Jugendliche, aber auch Hochbetagte – die Männer waren gebeten, eine Kippa zu tragen – versammelten sich zu dieser Gedenkfeier, die immer auch eine Solidaritätskundgebung ist. Erst recht in diesem Jahr angesichts des am 7. Oktober angerichteten Massakers der Hamas in Israel.

Deshalb waren auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter von Parteien und der Stadtgesellschaft, von Religionen und Konfessionen, aber auch Schülerinnen und Schüler aus Kölner Schulen gekommen, die sich im Unterricht mit der Reichspogromnacht, dem Nationalsozialismus, dem Holocaust und der Shoah beschäftigen. Sie sollten später Zeitzeugen vorstellen und am Beispiel von Einzelschicksalen ein Gefühl davon vermitteln, was damals in besagter Nacht, vor achteinhalb Jahrzehnten, in Köln geschehen ist und sich niemals wiederholen sollte. Auch die musikalischen Beiträge von einem Musikensemble der Königin-Luise-Schule veranschaulichen eindringlich, wie groß der Schmerz der Juden angesichts einer schweigenden Bevölkerung damals gewesen ist, während ihre Gotteshäuser lichterloh brannten. Allein in Köln sind 1938 sieben Synagogen in Flammen aufgegangen, viele Menschen haben dabei ihr Leben verloren. Die Reichspogromnacht stellte den Beginn der systematischen Verfolgung und Ermordung von Jüdinnen und Juden in ganz Europa und der Welt dar.

Gedenkfeier in der Kölner Synagoge zum Novemberpogrom 1938 vor 85 Jahren. / © Beatrice Tomasetti (DR)
Gedenkfeier in der Kölner Synagoge zum Novemberpogrom 1938 vor 85 Jahren. / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Silke Hörstgen ist eine von den mehr als 500 Gästen, die sich von der aktuellen Entwicklung, einer zunehmend antisemitischen Stimmung in Deutschland, besorgt zeigen und mit ihrer Teilnahme an dieser öffentlichen Gedenkfeier ein deutliches Zeichen der Solidarität setzen wollen. Seit ihrem 14. Lebensjahr sei sie Mitglied der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, sagt sie, und jahrelang zu Mahn- und Gedenkwachen gegangen. Gerade jetzt scheine ihr genau dieses Engagement, selbst aktiv zu werden und mit der ganzen Familie Flagge zu zeigen, notwendiger denn je.

Silke Hörstgen

"Jeder sollte an seinem Ort, in seiner Heimatgemeinde, Verantwortung übernehmen und zeigen, wir stehen alle zusammen und beschützen das jüdische Leben in Köln."

Ihr Sohn, der Geschichte in Köln studiert, hat an diesem 9. November mit der Fachschaft Stolpersteine geputzt. Sie dagegen habe den Weg in die Synagoge gewählt. "Jeder sollte an seinem Ort, in seiner Heimatgemeinde Verantwortung übernehmen", betont die evangelische Christin, "und zeigen, wir stehen alle zusammen und beschützen das jüdische Leben in Köln." Hörstgen ist froh, dass die diesjährige Gedenkfeier besonders große Beachtung findet – wenn auch aus traurigem Anlass. "Aber zuletzt waren die Novemberpogrome zunehmend vom Mauerfall am 9. November überlagert worden, so dass das Verbrechen der Nationalsozialisten hinten über zu fallen drohte." Ein falsches Signal, findet sie.

"Es ist gut, dass Sie alle gekommen sind. Denn wir Juden in Köln, in Nordrhein-Westfalen, in Deutschland brauchen Sie." Überaus dankbar für die große Resonanz auf die diesjährige Einladung begrüßt Dr. Michael Rado, Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde Köln, die zahlreichen Teilnehmenden dieser Gedenkfeier, die nicht alle einen Sitzplatz in dem weitläufigen Gotteshaus finden. Er erinnert daran, dass vor 90 Jahren Hitler an die Macht gekommen sei, es aber schon zehn Jahre später kaum noch Juden in Köln gegeben habe. "Entweder waren sie vertrieben oder ermordet worden." Immer wieder betont er, wie wichtig es sei, gerade jetzt Unterstützung aus der breiten Gesellschaft zu erfahren und appelliert abschließend an seine Zuhörer: "Kämpfen Sie für diese Demokratie in dem Bewusstsein: Diese Demokratie ist gut."

"Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen." Dieses Wort des Holocaust-Überlebenden und Schriftstellers Primo Levi stellt Nathanael Liminski, NRW-Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien und Chef der Staatskanzlei, an den Anfang seiner Ansprache. Er schildert die Gleichgültigkeit vieler Deutscher gegenüber der damals mit großer Grausamkeit verübten Verbrechen, selbst als sich der Hass gegen die eigenen Nachbarn, Bekannten und Freunde richtete. "Es war nicht der Anfang des Nationalsozialismus und schon gar nicht das Ende, aber die Reichspogromnacht war ein Wendepunkt", so Liminski. "Spätestens ab dieser Nacht konnte jede und jeder in Deutschland sehen, dass Antisemitismus und Rassismus bis hin zur Zerstörung und Vernichtung jüdischen Lebens vom Staat nicht nur gestattet, sondern gewollt waren und von einem großen Teil der Gesellschaft hingenommen wurden." Daraufhin sei dann das größte Menschheitsverbrechen in der Geschichte gefolgt. Auch 85 Jahre später noch daran zu erinnern, sei unverzichtbar. "Angesichts des aufflammenden Antisemitismus auf unseren Straßen dringender denn je", unterstreicht der Minister aus Düsseldorf.

Minister Nathanael Liminski bei seiner Ansprache. / © Beatrice Tomasetti (DR)
Minister Nathanael Liminski bei seiner Ansprache. / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Er mahnt, nicht unbeteiligt zu bleiben, selbst wenn für junge Leute oder Menschen, die ihre Wurzeln in anderen Ländern hätten, diese Taten weit weg seien. Jede und jeder, der in Deutschland lebe und dieses Land zur Heimat haben wolle – unabhängig davon, wie alt er sei oder woher er komme – trage Verantwortung für die Sicherheit aller Jüdinnen und Juden sowie für das Existenzrecht und die Sicherheit Israels. "Die terroristischen Gräueltaten der Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 waren eine Zäsur für Israel und Jüdinnen und Juden weltweit. Sie waren aber auch eine Zäsur für uns", stellt Liminski fest. "Auch heute, einen Monat nach den Terrorangriffen, muss klar bleiben, wer Täter und wer Opfer ist."

Nathanael Liminski

"Antisemitismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen."

Wenn diese Verbrechen auf unseren Straßen, in öffentlichen Einrichtungen und in den Medien als Freiheitskampf gerechtfertigt und bejubelt würden, sei das geschichtsvergessen und menschenverachtend. "Antisemitismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen." Eine Täter-Opfer-Umkehr dürfe es nicht geben: nicht in Nordrhein-Westfalen, nicht in Deutschland, nirgendwo, so der Vertreter der NRW-Landesregierung. "Wir werden nicht zulassen, dass zentrale Fundamente unseres Rechtsstaates, Meinungs- und Versammlungsfreiheit als Bühne für Hass und Hetze ad absurdum geführt werden." Israelische Fahnen würden zerstört, Häuser mit Davidsternen "markiert" und antiisraelische Hetze sowie Antisemitismus immer offener proklamiert. Wörtlich sagt Liminski: "Ich verstehe, wenn sich die Lage für viele Jüdinnen und Juden eher nach ‚Nicht schon wieder’ als ‚Nie wieder’ anfühlt."

Oberbürgermeisterin Henriette Reker bei ihrer Ansprache. / © Beatrice Tomasetti (DR)
Oberbürgermeisterin Henriette Reker bei ihrer Ansprache. / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Es müsse jeden einzelnen anwidern, wenn jüdische Mitbürger aus Angst nicht mehr ihren Alltag leben könnten. Nicht noch einmal dürfe es zu ihrer stillen Ausgrenzung kommen. Dazu aber müsse neben der Politik auch die Zivilgesellschaft ihren Beitrag leisten. In dieser emotional aufgeladenen Situation dürfe der Dialog nicht abreißen, auch nicht der der Religionsgemeinschaften untereinander, fordert der Politiker. Alle gemeinsam hätten sie die Verantwortung, jüdisches Leben in Deutschland zu schützen. "Jede und jeder von uns trägt Verantwortung dafür, dass die Worte von Primo Levi eine Mahnung bleiben. Denn dieses ‚Nie wieder’ ist jetzt!"

Henriette Reker

"Das Verbrennen der israelischen Flagge und das Beschmieren der Häuser mit einem Davidstern sind eine Schande für unser Land."

Dass die Stadt Köln alles unternehme, damit Juden in ihrer Heimatstadt sicher leben könnten, versichert auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Für sie sei unerträglich zu wissen, dass die Kölner Partnerstadt Tel Aviv von Bomben bedroht werde und "dass wir unsere Kollegen dort nicht so wiedersehen werden, wie wir sie kennen". "Das Verbrennen der israelischen Flagge und das Beschmieren der Häuser mit einem Davidstern sind seine Schande für unser Land", konstatiert Reker und äußert ihre Sorge darüber, "dass eine Mehrheit angesichts dieses offenen Antisemitismus schweigt". Die Entwicklung der Gewalttaten bedrücke sie zutiefst. "Die Situation ist nicht hinnehmbar."

Stadtdechant Robert Kleine und Dr. Bernhard Seiger vom Evangelischen Stadtkirchenverband bei ihrer gemeinsamen Ansprache. / © Beatrice Tomasetti (DR)
Stadtdechant Robert Kleine und Dr. Bernhard Seiger vom Evangelischen Stadtkirchenverband bei ihrer gemeinsamen Ansprache. / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Die Kölner OB ruft dazu auf, sich die Zivilcourage der Kölner in der Zeit zwischen 1933 und 1945 zum Vorbild zu nehmen, die in dieser Zeit Widerstand geleistet hätten. "Es kommt am Ende auf die von uns selbst gewählte Haltung an." Dazu brauche es vor allem auch die Intellektuellen und Prominenten in dieser Stadt, die eine aufrechte Haltung gegen den Antisemitismus vorlegten. Es gelte, sich rechter Ideologie in den Weg zu stellen und das jüdische Leben in der Stadt mit allen Mitteln des Rechtsstaates gegen Hass und Hetze zu verteidigen. "Ich stehe fest an Ihrer Seite", verspricht sie den Jüdinnen und Juden in der Kölner Synagoge.

Msgr. Robert Kleine und Dr. Bernhard Seiger

"Wir teilen die Angst der Jüdinnen und Juden in Israel um ihre Sicherheit. Und wir teilen die Sorge der jüdischen Bürgerinnen und Bürger unseres Landes und auch unserer Stadt vor einer weiteren Ausbreitung und Entfesselung des Antisemitismus."

Für die beiden großen Kirchen sprechen Stadtdechant Monsignore Robert Kleine und Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger, die ihren Redebeitrag als Mahnung und Erinnerung verstanden wissen wollen. "Wir teilen die Angst der Jüdinnen und Juden in Israel um ihre Sicherheit. Und wir teilen die Sorge der jüdischen Bürgerinnen und Bürger unseres Landes und auch unserer Stadt vor einer weiteren Ausbreitung und Entfesselung des Antisemitismus", betonen sie. Dieser sei nie ganz weg gewesen, nun aber trete der Israel bezogene Antisemitismus und auch der Antisemitismus gegen jüdisches Leben bei Demonstrationen in deutschen Städten erschreckend offen zutage. Das sei alarmierend, und umso mehr seien klare Haltung und konsequentes Handeln gefragt. Auch die beiden Kirchenvertreter betonen: "Hetze gegen jüdische Menschen ist unerträglich und darf in unserem Land nicht geduldet werden, von niemandem und in keiner Form!"

Monsignore Robert Kleine und Dr. Bernhard Seiger sprechen ein gemeinsames Gebet. / © Beatrice Tomasetti (DR)
Monsignore Robert Kleine und Dr. Bernhard Seiger sprechen ein gemeinsames Gebet. / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Stadtsuperintendent Seiger spricht von "unermesslicher Schuld", die die Kirchen über Jahrhunderte gegenüber den Menschen jüdischen Glaubens auf sich geladen hätten und dass sie mitverantwortlich für den Jahrhunderte langen Antisemitismus sowie die Vertreibung und die Vernichtung von Juden seien. Als Beispiele führt er die antijüdischen Schriften Martin Luthers und die Schmähbildern in Wittenberg und anderswo an. "Unsere christlichen Vorfahren haben 1933, 1938 und während des systematischen Holocausts bis 1945 weitgehend geschwiegen. Sie sind dem Rad nicht in die Speichen gefallen", so Seiger und fügt hinzu: "Wir haben hoffentlich in der Theologie und in der Verkündigung sehr gründlich gelernt und stehen heute unmissverständlich an Ihrer Seite."

Auch im Kölner Dom befänden sich antijüdische Artefakte, ergänzt Dom- und Stadtdechant. Inzwischen aber werde diese Art von Antisemitismus und Antijudaismus theologisch und historisch aufgearbeitet. Der Dialog zwischen Judentum und Christentum sei kein interreligiöser, sondern vielmehr ein familiärer, zitierte er Papst Franziskus. Christen bräuchten das Judentum, um sich selbst besser zu verstehen. Beide religiösen Traditionen seien eng miteinander verbunden. Seiger und Kleine bekräftigen: Wie von Politikern betont werde, dass das Existenzrecht Israels deutsche Staatsräson sei, könnten die christlichen Kirchen nicht existieren, ohne klar an der Seite des Volkes Israel zu stehen und ohne ihre jüdischen Wurzeln zu achten.

Konkret bedeute das, sich solidarisch zu erklären mit Worten, aber auch mit der Teilnahme an Kundgebungen sowie mit Bildungsarbeit, Appellen, sich von allen Demonstrationen mit judenfeindlichem Inhalt zu distanzieren, und vielen, vielen Besuchen und Begegnungen. Letztlich aber auch mit dem Gebet und dem Vorsatz, "mit allen Menschen Frieden zu halten". Gemäß dem ersten Gebot, so Kleine, müsse sich jeder die Frage stellen: Wo ist dein Herz? Ist es bei einer Nation? Bei irgendeiner Ideologie? Beim eigenen Vorteil? Oder ist es bei Gott, dem Herrn? Ein gemeinsames Gebet beschließen die beiden Theologen mit einem "Gott segne Israel! Shalom Israel!"

Jürgen Wilhelm

"Dass es offenbar für viele in Deutschland Lebende nicht möglich ist, Mitgefühl mit den jüdischen Betroffenen und Hinterblieben zu haben und ohne Relativierung – also ohne Wenn und Aber – nach einem solchen terroristischen Überfall Solidarität in Israel zu zeigen – das macht mich beinahe sprachlos."

Das Schlusswort bei dieser bewegenden Gedenkfeier hat schließlich Professor Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Auch er erinnert noch einmal an die historischen Fakten und daran, dass antisemitische Hetze, Verfolgung und Ausgrenzung vor 85 Jahren schließlich zur Vernichtung jüdischen Lebens geführt und die Reichspogromnacht eine Zäsur dargestellt habe wie auch heute in der jüngeren jüdischen Geschichte der 7. Oktober. "Dass es offenbar für viele in Deutschland Lebende nicht möglich ist, Mitgefühl mit den jüdischen Betroffenen und Hinterblieben zu haben und ohne Relativierung – also ohne Wenn und Aber – nach einem solchen terroristischen Überfall Solidarität in Israel zu zeigen – das macht mich beinahe sprachlos", sagt er.

Professor Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit bei seiner Ansprache. / © Beatrice Tomasetti (DR)
Professor Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit bei seiner Ansprache. / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Es sei völlig inakzeptabel, dass es gerade in Deutschland hunderte politische Aktionen gebe, die sich geschichtslos brutal gegen Israel richteten und die Morde der Hamas bejubelten. "Wir alle spüren, dass die Gefahr einer Entdemokratisierung im Nachkriegseuropa noch nie so groß war wie heute", erklärt Wilhelm. Die rechte und zunehmend auch die linke Ideologie baue dabei erneut auf faschistische Feindbilder: Migranten, Menschen mit Behinderung, Muslime und Juden würden als "das Fremde" markiert, das vermeintlich traditionelle deutsche Werte bedrohe.

Auch Wilhelm wiederholt, worin sich alle Redner an diesem Abend einig sind: dass der Einzelne in seiner ganzen Verantwortung, die auch nicht auf andere abzuwälzen sei, gefordert ist. "Ich allein bin es, der sich einen moralischen Kompass zulegen muss", formuliert er unmissverständlich. "Das große Versprechen der offenen Gesellschaften ist ohne pluralistisch aufgeklärten ethischen Individualismus, ohne freie Willensbildung freier Bürger und ohne deren zivilgesellschaftliches Engagement nicht einzulösen."

Quelle:
DR