NRW-Ministerpräsident fordert Solidarität mit Juden

"Manchmal ist Schweigen besser als 1.000 Worte"

Am Mittwoch haben in Köln viele Menschen mit einem Schweigegang ihre Solidarität mit der jüdischen Bevölkerung gezeigt. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst erklärt, welche Rolle die Kirchen seiner Ansicht nach in der Situation haben.

Hendrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, und Innenminister Herbert Reul nehmen an einem Schweigegang vor dem Gedenktag der Pogromnacht vor 85 Jahren teil. Auch der Kölner Stadtdechant Robert Kleine war dabei / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Hendrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, und Innenminister Herbert Reul nehmen an einem Schweigegang vor dem Gedenktag der Pogromnacht vor 85 Jahren teil. Auch der Kölner Stadtdechant Robert Kleine war dabei / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

DOMRADIO.DE: Was bedeutet es Ihnen, beim Schweigegang in Köln dabei zu sein?

Hendrik Wüst: (Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen): Es ist mir wichtig, auch an die Menschen jüdischen Glaubens ein Zeichen zu setzen, um zu verdeutlichen, dass sie in ihrer Verunsicherung und in ihrer Angst nicht allein sind.

Hendrik Wüst / © Oliver Berg (dpa)
Hendrik Wüst / © Oliver Berg ( dpa )

Wir müssen es klar benennen. Menschen jüdischen Glaubens haben in Deutschland aktuell wieder Angst. Das darf uns nicht kalt lassen. Wir müssen dagegen arbeiten. Wir müssen für ihre Sicherheit sorgen. Wir müssen aber auch als Gesellschaft ein Zeichen setzen, dass sie nicht allein sind, dass wir an ihrer Seite stehen.

DOMRADIO.DE: Die Kirchen haben diesen Schweigegang mitorganisiert. Welche Funktion, welche Bedeutung können die Kirchen in dieser Notsituation haben?

Wüst: Ich bin den Kirchen dankbar dafür. Die Kirchen bringen Menschen auf die Straße, sie bringen Menschen zusammen und sie können für interreligiösen Dialog sorgen. Das ist wertvoll, das ist wichtig.

Sie können vor allen Dingen auch junge Leute adressieren und junge Menschen zusammenbringen und ein Stück weit das Fremde bei der jeweils anderen Religion nehmen. Das ist wichtig.

Hendrik Wüst

"Die Religionen sollten zusammenführen und die Menschen nicht auseinandertreiben."

DOMRADIO.DE: Religion spielt in diesem Konflikt auch eine Rolle, auch der Missbrauch von Religion. Wie sehen Sie das?

Wüst: Religion wird auch oft missbraucht. Wenn wir die Demonstrationszüge sehen, dann werden Jugendliche, die gar nicht religiös sind, mit ein paar ganz wenigen Floskeln emotional hochgejagt und gegen Altersgenossen, die eine andere Religion haben, aufgehetzt. Das ist nicht gut. Die Religionen sollten zusammenführen und die Menschen nicht auseinandertreiben.

DOMRADIO.DE: Es ist ganz ausdrücklich ein Schweigegang. Was bedeutet das?

Wüst: Manchmal ist Schweigen besser als 1.000 Worte. Trotzdem ist dieses Schweigen ein Signal, nämlich ein hoffentlich laut vernehmbares Signal der Solidarität.

DOMRADIO.DE: Vom Kölner Dom aus geht es zur Roonstraße zur Synagoge. Was bedeutet das symbolisch?

Wüst: Es ist klug gewählt von den christlichen Kirchen, diesen Weg zu machen. Dieser Weg trennt nicht, er verbindet.

Das Interview führte Johannes Schröer.

3.000 Menschen bei Schweigemarsch für Solidarität mit Israel in Köln

Etwa 3.000 Menschen haben am Mittwochabend in Köln mit einem Schweigegang ihre Solidarität mit Israel und der jüdischen Bevölkerung angesichts des Terrorangriffs der radikalislamischen Hamas gezeigt. Die stille Kundgebung am Vorabend der 85. Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November sollte ein öffentliches Zeichen gegen Antisemitismus, Hass und Gewalt setzen. Unter den Teilnehmenden waren auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), Innenminister Herbert Reul und Medienminister Nathanael Liminski (beide CDU) sowie Justizminister Benjamin Limbach (Grüne).

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, Kölns Stadtdechant Msgr. Robert Kleine, NRW-Bildungs- und Schulministerin Dorothee Feller an der Synagoge in der Roonstraße / © Henning Schoon
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, Kölns Stadtdechant Msgr. Robert Kleine, NRW-Bildungs- und Schulministerin Dorothee Feller an der Synagoge in der Roonstraße / © Henning Schoon
Quelle:
DR