Treffen von AfD und Muslimen

Gemischte Töne vor Gespräch

Dem für den heutigen Montag geplanten Gespräch zwischen der AfD und dem Zentralrats der Muslime blicken die Beteiligten mit gemischten Gefühlen entgegen. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Özoguz, nannte die AfD eine "religionsfeindliche Partei".

Wehende AfD- und Deutschlandflaggen / © Christoph Schmidt (dpa)
Wehende AfD- und Deutschlandflaggen / © Christoph Schmidt ( dpa )

Die Lebensumstände für die Muslime in Deutschland in dem vorgesehenen Maß einzuschränken, wäre grundgesetzwidrig, sagte Mazyek am Montag im "Morgenmagazin" des ZDF. Man solle aber die Hoffnung nicht aufgeben, dass die AfD ihre Beschlüsse zurücknimmt. Er wolle das Gespräch abwarten, an dem unter anderen die Parteivorsitzende Frauke Petry teilnehmen wird.

Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen sprach sich für einen weniger feindseligen Umgang mit dem Islam aus. "Moscheen gehören dazu", sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Montag). "Wir müssen nur sehr genau hinschauen, was dort gepredigt wird."

Parteiintern habe er Kritik dafür geerntet, dass er beim Besuch einer Moschee die Schuhe ausgezogen und sich auf den Teppich gesetzt habe, berichtete Meuthen. Das sei schon ein Zeichen der Unterwerfung, hätten Parteimitglieder ihm gesagt. "Das sehe ich überhaupt nicht so", betonte der Politiker. Zugleich bleibe er dabei, dass unter dem Deckmantel der Religion "hochgefährliche Dinge passieren".

Petry wiederholt Kritik an Islam

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry kritisierte unterdessen das Tragen von Kopftüchern aus religiösen Gründen. "Weder Minarette noch der Muezzinruf oder die verschiedenen Verschleierungsarten von Frauen sind entscheidend für die islamische Religionsausübung", sagte sie der "Bild am Sonntag". Die Partei habe "in der Tat ein Problem damit". 

Die AfD-Vorsitzende kritisierte den in Deutschland gelebten Islam. "In Wahrheit predigen viele Imame einen radikalen Islam, wie er zum Beispiel in Saudi-Arabien gelehrt wird, und sie werden auch aus diesen Ländern finanziert." Muslime sollten ihre Religion "privat und friedlich" leben.

AfD-Vize Glaser sagte der "Welt am Sonntag": "Gerade weil die AfD und der ZMD so unterschiedliche Positionen haben, müssen wir miteinander reden." Man werde klären, ob Mazyek bei seinem kürzlich angestellten Vergleich der AfD mit der NSDAP bleibe. "Wenn wir diese Barriere überwinden, dann bekommen wir einen guten Diskurs", zeigte er sich überzeugt.

Özoguz: AfD könnte sich irgendwann andere Ziele suchen

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), nannte die AfD eine "ganz klar religionsfeindliche Partei". Sie beginne mit dem Islam, "weil sie dagegen mehr Menschen mobilisieren kann, zumal viele Flüchtlinge aus islamisch geprägten Ländern kommen", so Özoguz in der "Welt" (Montag). Der Aufschrei würde viel größer ausfallen, wenn die Partei gegen Christentum oder Judentum vorgehen würde. "Aber niemand sollte glauben, dass sich der Populismus der AfD nicht auch irgendwann andere Ziele sucht."

Am Wochenende hatten sich führende Kirchenvertreter zum Umgang mit der AfD und mit dem Islam geäußert. Magdeburgs Bischof Gerhard Feige und die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, grenzten sich deutlich von der AfD als selbst ernannten Verteidigern des christlichen Abendlands ab.

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode rief in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zu mehr Sachlichkeit in der Islam-Debatte auf. Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr verurteilte Nationalismus, sprach sich aber gegen eine pauschale Einordnung aller AfD-Anhänger als Nationalisten aus.


Quelle:
KNA , epd