Pfadfinder tragen Friedenslicht aus Bethlehem in die Welt

"Tolles Zeichen für den Frieden"

Am dritten Adventssonntag wird das Friedenslicht aus Bethlehem in die Welt ausgesandt. Verteilt wird es traditionell von den Pfadfindern. Die Pandemie erschwert jedoch den Transport der Kerze - trotzdem soll die Flamme Köln pünktlich erreichen.

Austeilung des Friedenslichts / © Klaus-Dietmar Gabbert (dpa)
Austeilung des Friedenslichts / © Klaus-Dietmar Gabbert ( dpa )

DOMRADIO.DE: Den Kölner Dom wird das Friedenslicht morgen um 15 Uhr erreichen, DOMRADIO.DE überträgt den Gottesdiensst live aus dem Kölner Dom. Dann wird das Licht in die Gemeinden des Erzbistums weitergegeben. "Alle Jahre wieder", könnte man sagen. Das ist ja eine gute Tradition. Warum ist das so ein besonders schöner Moment für Sie?

Anne Segbers (Diözesanverband Köln der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg): Für mich ist das einmal natürlich ein tolles Zeichen für den Frieden. Dafür, dass jeder Frieden bringen kann, egal wo er hingehen möchte und auch in seinen eigenen kleinen Bezügen und nicht nur auf der großen Weltbühne. Aber ich muss sagen, für mich ganz persönlich ist das Friedens auch immer der letzte Einstieg in die Weihnachtszeit. Wenn man sich dann sonntags da trifft, mit allen, mit denen man das vorbereitet hat, der volle Dom, der Kerzenduft, die ganzen begeisterten Kinder. Das ist einfach der Einstieg in die Weihnachtszeit. Und auch jetzt, wo man sich natürlich nicht mit ganz so vielen Leuten treffen darf, ist es trotzdem, glaube ich, für die, die da sein dürfen und auch für mich etwas ganz Besonderes. Das habe ich letztes Jahr noch mal gemerkt.

DOMRADIO.DE: Es steckt schon im Namen: "Friedenslicht". Welche Idee steckt denn dahinter?

Segbers: Das Friedenslicht wird jedes Jahr in der Geburtsorte Jesu in Bethlehem entzündet und dann über Österreich in die ganze Welt verteilt, vor allem in Europa. Der Gedanke ist eben tatsächlich, Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen zu zeigen: Jeder kann etwas zum Frieden beitragen. Dafür steht dieses kleine Licht, was sich dann eben jeder mitnehmen kann. Wie das bei Kerzen so ist, so ist auch beim Frieden: Er wird nicht weniger, wenn man ihn teilt, sondern eher mehr

DOMRADIO.DE: Man hat die leuchtenden Flammen dann als ganz kleine Kerze in der Hand und irgendwie verbreitete es sich dann an alle. Es sollte diesmal nicht wieder, wie im vergangenen Jahr, digital ausgesendet werden und auch nicht ausfallen. Aber so voll, wie Sie es sonst kennen und wie man sich das auch wünscht für diesen Tag, wird es wohl nicht. Die Corona-Pandemie hat trotzdem von Ihnen gefordert, sich was zu überlegen. Wie feiern Sie morgen die Aussendung des Friedenslichts?

Segbers: Genau, wir mussten uns was überlegen, denn es kommen ja vor allem tatsächlich viele Kinder in den Dom, um das Licht abzuholen. Die konnten sich noch nicht impfen lassen. Und da haben wir natürlich eine besondere Verantwortung, die zu schützen. Das heißt, wir haben uns entschieden, dass aus jedem Pfadfinderstamm, aus jeder Pfadfindergruppe, zwei Leute ausgewählt werden, die morgen kommen dürfen. Die mussten sich anmelden über unsere Homepage. Es sind natürlich auch andere Gruppen dabei, nicht nur Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Aber vor allem die - die können in den Dom kommen und stellvertretend für alle das Licht abholen. Alle anderen können sich das ja dann online beim DOMRADIO anschauen.

DOMRADIO.DE: Genau, wir übertragen. Im DOMRADIO darf jeder mitfeiern, der möchte. Wie kommt das Friedenslicht denn dann in die Kirchen und Wohnzimmer? Aus Österreich wird es ja weitertransportiert. Es wird ja sogar aus dem Heiligen Land per Flugzeug transportiert und dann nach Köln und in andere Städte und große Kirchen gebracht.

Segbers: Das ist auch wieder eine Herausforderung in diesem Jahr. Normalerweise fährt immer eine Delegation nach Wien und holt das dann ab mit dem Zug. Das geht dieses Jahr nicht, denn die Bahn hat wieder verboten, dass das Friedenspflicht überhaupt mit dem Zug transportiert werden darf. Auch in unserer Region nicht. Das heißt, netterweise fahren, wie im letzten Jahr ein paar Pfadfinder aus Deutschland mit dem Auto an die deutsch-österreichische Grenze, wo es dann eine corona-sichere Übergabe gibt.

Und die fahren dann tatsächlich mit dem Auto in drei Routen durch ganz Deutschland und bringen das in die Diözesen. Und wie das unsere Stämme dann hier vor Ort machen, das ist tatsächlich eine Herausforderung, weil viele sonst immer mit dem Zug gefahren sind. Die müssen jetzt eben mit dem Auto nach Köln kommen und das Friedenslicht abholen. Die bringen das dann häufig morgen Abend noch in Gemeinde-Gottesdienste. Da steht es dann ganz oft in den Kirchen bis Weihnachten und man kann es sich da abholen.

DOMRADIO.DE: Traditionell ja am dritten Advent. Das Motto lautet in diesem Jahr: "Friedensnetz - ein Licht, das alle verbindet". Wie ist dieses Friedensnetz zu verstehen? Oder wie erreicht das diejenigen, die gerade alles andere als Frieden erleben?

Segbers: Wir möchten dieses Jahr in unserem Gottesdienst mal auf unser weltweites Pfadfinder*innen-Netz schauen. Denn Pfadfinder und Pfadfinderinnen gibt es ja auf der ganzen Welt. Es gibt nur ganz wenig Länder, in denen es keine Pfadfinder gibt. Das ist ja das Besondere an Pfadfinderinnen und Pfadfindern. Und in unserem Gottesdienst werden wir das auch zeigen. Pfadfinder-Freunde von uns aus der ganzen Welt werden zu Wort kommen. Das finden wir in besonders schönen Gedanken, weil man ja immer sagt: Wenn man jemanden kennt, dann führt man nicht so schnell Krieg mit dem. Und wenn man sich dann mal streitet, dann will man sich aber schneller wieder vertragen. Und das ist eben unser Netz des Friedens, was Pfadfinderinnen und Pfadfinder dieses Jahr spenden wollen.

Das Interview führte Katharina Geiger.

 

Die Friedenslichtlaterne / ©  Ralf Adloff (KNA)
Die Friedenslichtlaterne / © Ralf Adloff ( KNA )
Quelle:
DR
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