Das sagte der frühere Militärdekan an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg im Interview des Deutschlandfunks (Donnerstag).
Zuletzt hatte sich etwa die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, kritisch gegenüber DOMRADIO.DE geäußert. "Ich kann mir eine evangelische Kirche - überhaupt eine christliche Kirche - schwer vorstellen ohne starke radikal-pazifistische Stimmen in ihren Reihen."
Recht zur Selbstverteidigung
Zugleich verwies der Theologe auf ein Recht zur Selbstverteidigung für die Ukraine sowie auf das christliche Gebot der Nothilfe, das dann Anwendung finde, wenn Menschen getötet oder gefoltert würden.
"Das ist eine Situation, in der der Radikal-Pazifist möglicherweise rat- und hilflos daneben steht und der christlich geprägte Soldat verhältnismäßig sein Schutzversprechen einlöst."
Aufmerksamkeit für Friedensethik wieder gestiegen
Generell sei es überfällig, dass die Aufmerksamkeit für Friedensethik wieder gestiegen sei. "Wir haben uns zu lange an den Gedanken gewöhnt, wir seien von Freunden umzingelt", sagte von Schubert.
Es dürfe sich in keinem Fall die Ansicht durchsetzen, dass sich zwischenstaatliche Konflikte noch mit kriegerischen Mitteln lösen ließen; das sei eine "Beleidigung der menschlichen Vernunft", so von Schubert. "Wir kämpfen nicht gegen Russland, wir kämpfen gegen den Krieg."
Ausdrücklich begrüßte der Theologe die Initiative von Papst Franziskus, als Friedensvermittler nach Moskau und Kiew reisen zu wollen. "Ich würde das wunderbar finden", so von Schubert, wenn auch die Erfolgsaussichten schwer einzuschätzen seien. Es werde aber auch den Papst brauchen, um dem Vormarsch "autokratischer Geister" zu widerstehen.