Synodaler Weg berät zu Bischofswahlen und Homosexualität

"Es gibt nur wenige Stimmen, die dem widersprechen"

Es geht um strittige Themen bei der Synodalversammlung in Frankfurt. DOMRADIO.DE-Redakteur Renardo Schlegelmilch berichtet, was bereits beschlossen wurde, wie über den Umgang mit Homosexellen diskutiert wird und was Rom dazu sagt.

Dritte Synodalversammlung / © Maximilian von Lachner (SW)
Dritte Synodalversammlung / © Maximilian von Lachner ( SW )

DOMRADIO.DE: Was wurde von der Synodalversammlung konkret beschlossen?

Renardo Schlegelmilch (DOMRADIO.DE-Redakteur): Gestern Abend gab es eine zweite und letzte Lesung des Handlungstextes zur Frage der Bischofswahl. Das ist ein sehr strittiges Thema, denn normalerweise entscheidet in der Kirche der Papst, wer wo Bischof wird. Deutschland hat da Ausnahmeregelungen in den Konkordaten: Deutschland legt dem Papst eine Liste vor, aus der er sich jemanden aussuchen kann. Jetzt wünscht man sich – was eigentlich auf der Hand liegt für eine aufgeklärte Gesellschaft – mehr Demokratie. Man will das Gottesvolk, die Gemeinden in den Bistümern tatsächlich an dieser Wahl beteiligen. 

Renardo Schlegelmilch / © Martin Biallas (DR)
Renardo Schlegelmilch / © Martin Biallas ( DR )

Das umzusetzen ist sehr, sehr schwierig, weil das nicht dem geltenden kirchlichen Recht und auch nicht den Richtlinien des Vatikans entspricht, wenn Deutschland sagt "Wir machen das jetzt mal auf eigene Faust". Man will das durchsetzen über Selbstverpflichtungen auf Ebenen der Domkapitel.

Das sorgt für Verstimmung im Vatikan, garantiert. Aber man kann sagen, dass die Überzeugung, dass es nötig ist, mehr Menschen an der Wahl eines Bischof zu beteiligen - auch unter den Bischöfen - sehr, sehr groß gewesen ist in der Synodalversammlung. Und deswegen ist das gestern auch mit einer großen Mehrheit beschlossen worden. 

DOMRADIO.DE: Heute Morgen standen die externen Beobachter aus dem Ausland im Mittelpunkt. Auch der Botschafter des Papstes war dabei. Gab es da auch Verstimmung?

Schlegelmilch: Erzbischof Nikola Eterovic, der Nuntius, Botschafter des Papstes in Deutschland begleitet alle Synodalversammlungen, diskutiert nicht mit, aber verfolgt sehr genau, was hier passiert. Der hatte heute Morgen die Möglichkeit, sich in einem Grußwort selber zu äußern. Das hatte es durchaus in sich.

Das Grußwort war zwar höflich formuliert, aber er greift sich Sachen raus, die der Papst in den letzten Monaten gesagt hat, die das ganze Projekt kritisch interpretieren. Zum Beispiel: Die Kirche ist keine Organisation des Parlamentarismus. Also es geht nicht um Anträge, es geht nicht um Statements, um politisches Hin und Her, sondern es geht um "die Unterscheidung der Geister", es geht um den Heiligen Geist. Es geht darum, sich im Sinne der Kirche inspirieren zu lassen und Entscheidungen zu treffen.

Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass der Vatikan und auch der Papst genau das bei diesem deutschen Prozess nicht sehen. Was hier passiert ist für viele dort eher ein politischer und nicht ein geistlicher Prozess. Das so deutlich gesagt zu bekommen vom offiziellen Vertreter des Papstes in Deutschland, das wird vielen im Saal nicht so sehr gefallen haben. 

Renardo Schlegelmilch

"Das wird vielen im Saal nicht so sehr gefallen haben."

DOMRADIO.DE: Und heute stehen dann auch noch heikle Themen auf dem Plan: Homosexualität steht dabei im Mittelpunkt. 

Schlegelmilch: Richtig, heute steht das sogenannte "Forum 4 - Leben in gelingenden Beziehungen" im Mittelpunkt. Das wird auch im Moment diskutiert. Da geht es nicht um Grundlagen, sondern um sogenannte Handlungstexte, wo konkret einzelne Schritte empfohlen werden wie zum Beispiel ein Segen für homosexuelle Paare. Da sagen die zwei Vorsitzenden des Forums, Birgit Mock und Bischof Dieser aus Aachen, wir kennen die Lehre, aber wir werden einen anderen Schritt gehen. Die Praxis muss der Lehre vorausgehen. Deswegen wollen wir hier in Deutschland diese Segensfeiern einführen, auch wenn der Vatikan das im Moment nicht objektiv erlaubt. Man sagt eben, wenn wir diesen Schritt gehen, dann wird die Lehre uns nachfolgen.

Bischof Dieser fügte hinzu: Wir wissen, dass das ein Schritt ist, der kritisiert wird, aber den gehen wir nicht vorschnell. Synodalität verlangt auch mutige Entscheidungen und Vorangehen. Das ist für uns als Kirche in Deutschland jetzt nicht mehr aufschiebbar, so Dieser. Und ich gehe davon aus - entsprechend der Mehrheitsverhältnisse hier in den letzten Tagen zu solchen Entscheidungen wie Segen für Homosexuelle oder die Aufforderung an den Vatikan, grundsätzlich die Lehre zur Homosexualität zu ändern - dass beides mit großer Mehrheit durchkommt, weil man auch bei der aktuellen Diskussion mitbekommt, es gibt nur wenige Stimmen, die dem widersprechen. 

Renardo Schlegelmilch

"Ich gehe davon aus, dass der Segen für Homosexuelle und die Aufforderung an den Vatikan, grundsätzlich die Lehre zur Homosexualität zu ändern, mit großer Mehrheit durchkommt."

DOMRADIO.DE: Seit Donnerstag tagt die Synodalversammlung mit über 200 Leuten plus die Beobachter. Die Corona-Zahlen gehen gerade durch die Decke. Wie ist so eine Veranstaltung da überhaupt vertretbar? 

Schlegelmilch: Mit sehr, sehr hohen Sicherheitsvorkehrungen, das muss man tatsächlich sagen. Wir alle, sowohl die Synodalen wie die Medienvertreter, müssen uns einmal am Tag auf Corona testen lassen. Deswegen ist in der Frankfurter Messe ein eigenes Testzentrum eingerichtet. Es gibt dauernd Maskenpflicht, also selbst auch an den Arbeitsplätzen. Normalerweise sagt man ja, am Schreibtisch setzt man die Maske ab. Es wird darauf geachtet, dass ein Abstand von zwei Metern eingehalten wird und auch solche Dinge, die beim letzten Mal kritisiert wurden - dass sich am Abend an der Hotelbar getroffen wird - werden vermieden. Es wird sehr, sehr stark darauf geachtet.

Man kann tatsächlich sagen, man könnte es nicht strenger machen, als es hier gemacht wird - und die Zahlen bestätigen das. Die letzten Zahlen, die ich habe, sind von gestern Mittag: Da wurde von den über 200 Anwesenden kein einziger positiv getestet. Es gibt eine Impfquote, so sagt man uns, von über 99 Prozent und eine Boosterquote von über 95 Prozent. Sprich, bei 200 Leuten heißt das, dass eine oder maximal zwei Personen hier nicht geimpft sind. Also man versucht wirklich was geht, um das hier in Präsenz abzuhalten. Denn so wichtig wie diese Veranstaltung ist und so eng wie auch der Zeitplan gesetzt ist – man will ja in einem Jahr hier fertig sein und man muss in einem Jahr fertig sein, dass der Vatikan diese Ergebnisse auch selber weiter bearbeiten kann – gibt es keine Alternative zu dieser Veranstaltung in Präsenz. 

Das Interview führte Dagmar Peters. 

Der Synodale Weg

Der Begriff "Synodaler Weg" verweist auf das griechische Wort Synode. Es bedeutet wörtlich "Weggemeinschaft"; im kirchlichen Sprachgebrauch bezeichnet Synode eine Versammlung von Bischöfen oder von Geistlichen und Laien.

In ihrem Reformdialog auf dem Synodalen Weg wollen die deutschen katholischen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) über die Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland beraten. Ausgangspunkt ist eine jahrelangen Kirchenkrise, die der Missbrauchs-Skandal verschärft hat.

Logo Synodaler Weg / © Julia Steinbrecht (KNA)
Logo Synodaler Weg / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
DR
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