Die Kandidaten für das Spitzenamt der rheinischen Kirche

Superintendentin, Professor und Akademie-Chef wollen Präses werden

Seit acht Jahren steht Präses Manfred Rekowski als leitender Theologe an der Spitze der Evangelischen Kirche im Rheinland. Im Januar entscheidet die Synode der zweitgrößten deutschen Landeskirche über seine Nachfolge.

Im Januar 2021 scheidet Manfred Rekowski aus dem Amt: Wer wird auf ihn folgen? / © ur72 (shutterstock)
Im Januar 2021 scheidet Manfred Rekowski aus dem Amt: Wer wird auf ihn folgen? / © ur72 ( shutterstock )

Nominiert für die Nachfolge sind eine rheinische Superintendentin, ein aus Bayern stammender Theologieprofessor und ein Frankfurter Akademie-Direktor. Die Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge:

REINER KNIELING: Der im bayerischen Hof geborene Theologe leitet seit 2011 das Gemeindekolleg der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) in Neudietendorf bei Erfurt. Es begleitet und unterstützt bundesweit Gemeinde- und Kirchenentwicklungsprozesse. Der 57-Jährige ist zudem außerplanmäßiger Professor für Praktische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel. In Wuppertal war er vor seinem Wechsel zur VELKD 16 Jahre lang Dozent an der Evangelistenschule Johanneum. Von 1990 bis 1995 war der Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern Leiter des dortigen Christlichen Jugendbunds. Knieling ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Der Theologe tritt dafür ein, dass sich die Kirche in der Gesellschaft mutig profiliert. Nötig seien eine neue Sprache für traditionelle Inhalte, der Dialog mit Konfessionslosen und couragierte Positionierungen in gesellschaftlichen Debatten. Innerkirchlich müsse gefragt werden: "Was läuft richtig gut und stabil? Was wird auf Dauer keine Kraft haben? Welche Ressourcen werden wir neu entdecken?" Aus den Antworten auf diese Fragen müsse sich der künftige Kurs ergeben.

THORSTEN LATZEL: Der im hessischen Biedenkopf geborene promovierte Theologe ist seit 2013 Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt. Zuvor war er ab 2005 im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover Referent für Struktur- und Planungsfragen und leitete das Projektbüro des Reformprozesses "Kirche im Aufbruch". Der in Bad Laasphe im Kreis Siegen-Wittgenstein aufgewachsene 50-Jährige ist auch Mitglied der EKD-Bildungskammer. In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck war er nach seinem Vikariat Gemeindepfarrer. Latzel ist verheiratet und hat drei Kinder.

Als zentrale Aufgabe von Kirche sieht er an, glaubhaft von Gott zu reden und protestantische Perspektiven in die Gesellschaft einzubringen. Es gelte, sich klar öffentlich zu engagieren und zugleich geistliche Begegnungen einzugehen. Angesichts des Klimawandels, sozialer Spaltungen und eines gefährdeten Friedens müsse davon geredet werden, "was uns als Christen trotzdem Hoffnung gibt". Im Blog "glauben-denken.de" veröffentlicht Latzel wöchentlich theologische Impulse.

ALMUT VAN NIEKERK: Die 53-jährige Theologin ist seit 2016 Superintendentin des Kirchenkreises An Sieg und Rhein. Seit Januar gehört sie zudem als nebenamtliches Mitglied der rheinischen Kirchenleitung an. Im Jahr 1999 wurde sie Gemeindepfarrerin in Sankt Augustin, zwei Jahre später stellvertretende Superintendentin und Vorstandschefin des regionalen Diakonischen Werks. Seit 2008 gehört sie dem Ständigen Innerkirchlichen Ausschuss an. Van Niekerk engagiert sich auch im Frauen-Mentoring-Projekt der rheinischen Kirche und in weiteren Gremien. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Als ein Hauptziel für die kirchliche Arbeit nannte van Niekerk intensivere Verkündigung: Sie wünsche sich eine "ausgesprochen starke evangelische Identität" bei kluger Vernetzung mit Kommunen und Ländern, Kultur und Zivilgesellschaft sowie in der Ökumene und im interreligiösen Gespräch. Die Kirche müsse profiliert und nachhaltig auf Megatrends wie Individualisierung und Digitalisierung, die Lage von Geflüchteten, Kinderarmut und den Klimawandel antworten. Wichtig seien auch "Innovationslust", Kreativität und Flexibilität.

Quelle:
epd