Warum treten Menschen aus der katholischen Kirche aus? Eine neue Studie zeigt, dass vor allem die eigene emotionale Identifikation mit der Kirche entscheidend dafür ist, ob jemand bleibt oder geht.
Themen wie Reformstau, Hierarchien oder das öffentliche Image der Kirche spielen – anders als von vielen angenommen – nicht die entscheidende Rolle, wie die Universität Mannheim am Freitag mitteilte.
Für die Austrittsabsicht sei die eigene Identifikation mit der Kirche ausschlaggebend; also die Zufriedenheit mit ihr, die empfundene Nähe zu anderen Kirchenmitgliedern und die Bedeutung von Kirche für das eigene Selbstbild. Nähmen diese Faktoren ab, steige die Wahrscheinlichkeit eines Austritts.
"Überraschende Ergebnisse"
"Diese Ergebnisse waren für uns überraschend", sagte die Mannheimer Sozialpsychologin und Studienautorin Lotte Pummerer. "Wir haben angenommen, dass Themen wie Reformstau, Hierarchien oder das öffentliche Image der Kirche für sich genommen wichtige Treiber von Austrittsintentionen sind."
Pummerer und ihre Kollegen befragten mehrere hundert Caritas-Mitarbeitende danach, was jemand dazu bringt, über einen Kirchenaustritt nachzudenken. Die Befragungsdaten wurden demnach in drei Wellen zwischen 2023 und 2024 erhoben.
Austritt kein abrupter Entschluss
Negative Einschätzungen von Autorität, Reformfähigkeit und Image der katholischen Kirche stünden zwar auch mit höheren Austrittsabsichten in einem Zusammenhang. Sie seien jedoch weniger entscheidend als die emotionale Identifikation, so die Studie.
Das spreche dafür, dass der Kirchenaustritt kein abrupter Entschluss sei, sondern in den meisten Fällen im Vorfeld mit einer emotionalen Entkoppelung einhergehe. Teilnahme am Gemeindeleben und Mitfeiern von Gottesdiensten könnten hingegen die emotionale Bindung stärken.
Caritas-Mitarbeiter befragt
"Für Kirche und Gesellschaft liefern die Ergebnisse der Studie wichtige Hinweise", resümierte Pummerer. "Entscheidend ist offenbar nicht allein, welche Kritik Menschen an der Kirche haben, sondern ob sie sich ihr noch emotional verbunden fühlen."
Die Erhebung basiert den Angaben zufolge auf Befragungsdaten von 583 katholischen Caritas-Mitarbeitenden aus verschiedenen Regionen Deutschlands sowie einer Langzeitanalyse mit 271 Personen.
Die Zahl der Katholiken in Deutschland sank 2025 laut einer Statistik der Deutschen Bischofskonferenz um etwa 550.000 auf 19,2 Millionen.
Damit sind noch 23 Prozent der Gesamtbevölkerung katholisch. Die Mitgliederzahl der 20 evangelischen Landeskirchen sank im vergangenen Jahr ähnlich stark: um rund 580.000 auf 17,4 Millionen.