Stetter-Karp zieht Zwischenfazit zum Katholikentag

"Wir wissen um den Schatten und die Probleme"

Im Zeichen von Krieg und Krisen findet in Stuttgart der erste Katholikentag seit vier Jahren in Präsenz statt. Mit der Atmosphäre vor Ort ist Präsidentin des Zentralkomitees zufrieden, obwohl einige Punkte die Stimmung trüben.

Seit Mittwochabend ist der Katholikentag in Stuttgart. (KNA)
Seit Mittwochabend ist der Katholikentag in Stuttgart. / ( KNA )

DOMRADIO.DE: Die ersten Veranstaltungen sind über die Bühne gebracht, wie zufrieden sind Sie als Veranstalterin?

Irme Stetter-Karp (2.v.l.), Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), und Frank-Walter Steinmeier (m.), Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland / ©  Julia Steinbrecht (KNA)
Irme Stetter-Karp (2.v.l.), Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), und Frank-Walter Steinmeier (m.), Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Stetter-Karp: Ich bin absolut zufrieden bis jetzt. Wir haben einfach eine gute Stimmung beim Katholikentag. Das Wetter spielt noch mit. Es gab vorher mehrere Tage heftige Gewitter. Es ist nicht so schwül, was in Stuttgart wirklich auch im Sommer anstrengend sein kann: Bis jetzt auch die Veranstaltungen. Ich finde, es ist wirklich eine konstruktive Haltung spürbar und ich freue mich, wenn wir das ausstrahlen können als Christen.

DOMRADIO.DE: Sie haben sicher schon mit sehr viele Menschen hier auf dem Katholikentag gesprochen. Wie war das in den Gesprächen? Wie sind die Leute gestimmt?

Stetter-Karp: Es kommt sehr auf das Thema an, ich war jetzt bei ganz unterschiedlichen Inhalten und Anlässen, unter anderem heute Mittag eine Stunde mit einer ZDF Live-Übertragung, im Gespräch zu Missbrauch und Synodalem Weg. Das sind natürlich keine Themen, wo man einfach nur locker lächelt, sondern es sind ernste, bittere, schwere Baustellen. Dennoch konstruktive Grundhaltung von allen, die jetzt Gesprächspartner waren, auch die, die aus der Politik dabei waren. Bei dem Gottesdienst zum Beispiel heute Vormittag: Ich fand eine gute Beteiligung, auch eine gute Gebets-Haltung. Ich bin einfach nur erst mal zufrieden.

DOMRADIO.DE: Braucht die Gesellschaft noch die Relevanz der katholischen Kirche? Das wird hier viel diskutiert. Wie erleben Sie das?

Irme Stetter-Karp

"Habt ihr überhaupt als Zentralkomitee der deutschen Katholiken, als Teil dieser katholischen Kirche noch eine Legitimation im öffentlichen Raum zu sprechen? Eine sehr harte Frage."

Stetter-Karp: Ja, ich erlebe auch von einzelnen Medien die Frage: Habt ihr überhaupt als Zentralkomitee der deutschen Katholiken, als Teil dieser katholischen Kirche noch eine Legitimation im öffentlichen Raum zu sprechen? Eine sehr harte Frage. Und die Antwort ist aus meiner Sicht: Wir wissen um den Schatten und die Probleme. Wir wissen, dass da eine Arbeit zu leisten ist. Wir sind entschieden, dass wir dazu beitragen wollen, dass diese Krise überwunden werden kann.

Auch weil wir überzeugt sind, dass wir von unserem Glauben her im Sinne einer weltoffenen katholischen Kirche substanziell für einen guten Zusammenhalt in dieser Situation, in dieser unsicheren Situation politisch aber auch durch die Corona-Pandemie und ihre folgen etwas einzubringen haben, auch Hoffnung einzubringen haben, aber auch Teilen von Leid mit denen, die am verletzlichsten sind. Und deshalb lohnt es sich, dass wir hier auch im offenen Raum sprechen.

DOMRADIO.DE: Obwohl man auch nicht leugnen kann, dass die Gräben tief sind. Bestimmte konservative Kreise der katholischen Kirche sind nicht hier. Verweigern die den Dialog?

Stetter-Karp: Jedenfalls muss ich feststellen, dass die wenigen Bischöfe, die im Synodalen Weg nicht mit der Mehrheit die Reformthemen angehen werden, nicht auf den Podien vertreten sind. Natürlich sind alle Bischöfe eingeladen. Ich kann das nur bedauern, aber ich kann es nicht ändern, es gibt nur die Möglichkeit, eine Einladung anzunehmen oder abzulehnen.

DOMRADIO.DE: Die Kirche befindet sich in einem großen Umbruch. Welche Impulse kann da so ein Katholikentag setzen?

Stetter-Karp: Er kann aus meiner Sicht die Meinungen der Basis, die auch nicht alle nur einer Linie folgen, zeigen, spiegeln. Er kann diejenigen, die gleicher Meinung sind, in der Gemeinschaft bekräftigen. Das, glaube ich, ist auch immer Ausdruck von Katholikentagen, dass man Heim fährt im besten Fall mit dem Gefühl: Wir sind viele und wir bleiben im Geiste beieinander. Und wir wissen vor Ort, dass wir nicht allein sind. Wenn es dann manchmal rauer oder ärmer oder was auch immer wird, wenn es trostloser wird. Deshalb sehe ich die Aufgabe des Katholikentags schon auch darin, ein Zeichen der Ermutigung und der Bekräftigung zu geben.

DOMRADIO.DE: Der Katholikentag als Tankstelle, obwohl Sie von morgens bis abends unterwegs sind?

Stetter-Karp: Ja, vielleicht. Also natürlich sind die Tage anstrengend, aber sie sind auch vielfältig und so lange ich sehen kann, was darin Sinn ergibt - und das spüre ich in jeder Begegnung - dann habe ich die Kraft. Dann geht es gut.

Das Interview führte Johannes Schröer.

Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist das höchste repräsentative Gremium des deutschen Laien-Katholizismus. Es vertritt die katholischen Laien bei der gesellschaftlichen Meinungsbildung und ist das von der Bischofskonferenz anerkannte Organ zur Koordinierung des Laienengagements in der Kirche. Allerdings melden sich immer wieder auch einige katholische Laien und Vereinigungen zu Wort, die das ZdK nicht als ihre Vertretung verstehen.

Das Kreuz des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)  / © Harald Oppitz (KNA)
Quelle:
DR
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