DOMRADIO.DE: Ihr habt im wahrsten Sinne des Wortes das große Los gezogen, denn die Teilnahme an dem Empfang wird wirklich ausgelost. Wie groß war denn die Freude, als das Los auf euch gefallen ist?
Rebecca Lyra (Sternsingerin aus der Lüdenscheider Pfarrei St. Medardus): Die Freude war sehr groß. Wir haben so laut geschrien, dass man uns bestimmt bis nach Berlin und auf der ganzen Welt gehört hat.
DOMRADIO.DE: Hast du dich auch gefreut, Nicole?
Nicole Lyra (Begleitung der Sternsinger): Ja, total. Ich habe mich in den letzten Jahren immer wieder beworben und eigentlich immer schnell beiseitegewischt, dass wir nicht gewonnen haben. Aber diesmal stand in der Betreffzeile der E-Mail "Gewinner des Bistums Essen", deshalb habe ich in die Mail reingeschaut und sie nicht direkt gelöscht.
DOMRADIO.DE: Über 100 Sternsingerinnen und Sternsinger aus ganz Deutschland reisen zum Bundeskanzler Friedrich Merz nach Berlin. Welche Botschaft möchtet ihr dem Kanzler überbringen?
Nicole: Wir möchten Friedrich Merz auf jeden Fall sagen, dass etwas bezüglich der UN-Kinderrechtskonvention getan werden muss. Auch dass viel mehr auf die Bildung der Schüler geachtet werden muss, damit sie durch Schulbildung ihren Familien später einmal aus der Armut helfen können.
DOMRADIO.DE: Welche Botschaft möchtest du dem Bundeskanzler überbringen, Rebecca?
Rebecca: Ich möchte ihm sagen, dass er sich dafür einsetzen soll, dass Kinder nicht mehr in Fabriken arbeiten müssen. Wir haben einen Film gesehen, in dem ein Junge ohne Schutzkleidung Schüsseln herstellen musste. Der Junge hieß Tazim. In dem Film hat er zu dem Reporter gesagt, dass er einen Schritt zurück gehen soll, weil er Angst habe, dass sich der Mann schneiden könnte. Da dachte ich mir, wenn er das einem erwachsenen Mann sagt, kann das ja nur gefährlich sein.
DOMRADIO.DE: Eure Gruppe darf das Sternsinger-Thema auch in einer kurzen Theater-Szene vorstellen. Wie habt ihr euch darauf vorbereitet?
Nicole: Wir haben das Stück vom Kindermissionswerk bekommen und nachdem wir die Rollen verteilt haben, eingeübt. Dann haben wir es, sowohl in einer Zoom-Sitzung mit Alena Schmitz vom Kindermissionswerk, als auch mit der Gruppe hier in Lüdenscheid vorbereitet und immer weiter perfektioniert.
DOMRADIO.DE: Rebecca, hast du auch eine Rolle?
Rebecca: Ich werde über das Mädchen Nour erzählen, das in einer Snackfabrik arbeiten muss. Ich bin schon ziemlich aufgeregt.
DOMRADIO.DE: Nicole, du hast Friedrich Merz eine Sache voraus, denn für ihn ist das morgen eine Premiere. Du warst dagegen schon einmal beim Sternsingerempfang. Das war vor 23 Jahren, und damals war Gerhard Schröder Bundeskanzler. Wie ist die Atmosphäre bei solch einem Treffen?
Nicole: Damals war ich Junglehrerin und habe dafür einen Ehrenamtstag bekommen, also ich wurde von meinem Schulleiter freigestellt. Ich bin mit etwas älteren Kindern gefahren, die schon sehr lange Sternsinger in Lüdenscheid waren und unbedingt mit wollten. Es war sehr spannend, wir waren ganz kribbelig und aufgeregt, und durften uns damals sogar im NATO-Saal umziehen. Wir haben Fotos vor der Bühne der Weltpolitik machen dürfen; mit den Fahnen, vor denen sonst tatsächlich die großen Politiker stehen. Der ganze Medienrummel, die Fotografen und Reporter – das war selbst für die etwas älteren Sternsingerinnen und Sternsinger mega aufregend.
DOMRADIO.DE: Rebecca, du bist jetzt elf Jahre alt und quasi Sternsingerin von Geburt an.
Rebecca: Ja, das stimmt. Mama und Papa sind eine Sternsinger-verrückte Familie. Ich bin da reingeboren und wurde schon im Maxi-Cosi mitgenommen. Seit ich laufen kann, gehe ich auch selber mit.
DOMRADIO.DE: Was gefällt dir am Sternsingen denn am besten?
Rebecca: Ich finde die frohen Gesichter der Leute am besten, wenn man die Tür öffnet und ihnen ein Lied singt.
Das Interview führte Lara Burghardt.