Beginnt in Österreich ein neuer Klosterstreit? Laut einem Bericht des ORF vom Dienstag sorgt die Zukunft eines Kapuzinerklosters bei Bregenz für politische Diskussionen. Hintergrund ist der Verkauf einer Klosteranlage an die Stadt Dornbirn. Vereinbart wurde, dass der Franziskanerorden das Kloster noch fünf Jahre nutzen darf; die dort lebenden Patres behalten zudem - solange sie zu dritt sind - ein lebenslanges Wohnrecht.
Kritik richtet sich insbesondere gegen diese Wohnrechtsregelung für die drei Ordensmitglieder. Eine liberale Oppositionspartei sieht darin wirtschaftliche Nachteile für die Bevölkerung und hat Beschwerde eingelegt. Die Stadtverwaltung verteidigt die Vereinbarung hingegen als notwendigen Kompromiss, ohne den ein Verkauf durch die Kirche nicht zustande gekommen wäre. Dem ORF zufolge wechselte das Kloster für rund vier Millionen Euro den Besitzer.
Nutzungsideen für Kloster
Der Bürgermeister brachte bereits mögliche künftige Nutzungen ins Gespräch. So könnten in dem Gebäude etwa standesamtliche Trauungen stattfinden. Teile des Klosters sollen zudem zeitnah für die Öffentlichkeit zugänglich werden. Zugleich soll der Franziskanerorden weiterhin seelsorgerische Aufgaben im Krankenhaus und Pflegebereich übernehmen. Das Kloster gilt als eine der meistbesuchten Kirchen Dornbirns; zahlreiche Gläubige kommen dort zur Beichte. "Ich bin nicht der Meinung, dass wir unsere Kultur über Bord werfen müssen", zitiert der ORF den Bürgermeister.
Die aktuelle Debatte weckt Erinnerungen an den Klosterstreit von Goldenstein bei Salzburg. Dort war ein Kloster in den Besitz des zuständigen Bistums sowie eines weiteren Klosters übergegangen. Den dort lebenden Ordensfrauen wurde zunächst ein Wohnrecht zugesichert, später wurden sie jedoch in ein Altersheim verlegt. Mit Unterstützung von ehemaligen Schülerinnen besetzten sie im Sommer 2025 ihr früheres Kloster. Der Fall liegt inzwischen beim Vatikan.