Aufsässige "Schoko-"Nonnen in Spanien verlassen Kloster endgültig

Ordensschwestern ohne Obdach

Der "Aufstand der Schoko-Nonnen" in einem spanischen Kloster ging 2024 weltweit durch die Presse. Es folgte ein langer Rechtsstreit mit der Kirche. Nun endet die traditionsreiche Präsenz der Ordensfrauen in Belorado.

Symbolbild: Nonne mit Gepäck / © rospoint (KNA)
Symbolbild: Nonne mit Gepäck / © rospoint ( KNA )

Ein bizarrer Klosterstreit in Spanien ist nach fast zwei Jahren unversöhnlich zu Ende gegangen. Nach einem gerichtlichen Räumungsbeschluss verließ eine bis zuletzt verbliebene Gruppe von sieben abtrünnigen Ordensfrauen ihr Kloster Belorado in der Provinz Burgos. Der Auszug erfolgte in den frühen Morgenstunden des Donnerstags. Anwälte regelten die Schlüsselübergabe an die Polizei.

"In einer symbolischen Geste ging die Äbtissin zum Altar und löschte die letzte Kerze, die noch brannte. Unmittelbar danach schaltete sie das Licht aus – und ließ das Kloster in völliger Dunkelheit zurück", teilte ein Sprecher der Ex-Klarissen mit. Diese kämen nun zunächst bei Verwandten unter, die Zukunft sei ungewiss, hieß es.

Das Kloster Santa María de Bretonera der Klarissen in Belorado, Burgos. / © Zarateman (CC BY-SA 3.0)
Das Kloster Santa María de Bretonera der Klarissen in Belorado, Burgos. / © Zarateman ( CC BY-SA 3.0 )

Mit dem unfreiwilligen Auszug endet ein Streit, der die katholische Kirche in Spanien nachhaltig erschüttert hat und international Schlagzeilen auslöste. Die für ihre Süßigkeiten-Manufaktur in Belorado bekannten Ordensfrauen hatten sich im Mai 2024 von der Amtskirche losgesagt. 

In einem aufsehenerregenden TV-Interview erklärten sie damals: Sie hätten nicht aus einer Laune heraus gehandelt. Vielmehr sei es in den vergangenen Jahren mit Blick auf den vatikanischen Reformkurs zu einer schleichenden Entfremdung gekommen. "Von der katholischen Kirche ist kaum noch etwas übrig – jetzt steht nicht mehr Gott, sondern der Mensch im Mittelpunkt", klagte eine der Schwestern. Eine andere fügte hinzu: "Wir erkennen den Vatikan nicht an – es ist eine Farce."

Nachdem zahlreiche Vermittlungsversuche gescheitert waren, wurden die rebellischen Schwestern im Juni 2024 exkommuniziert, also offiziell aus der Kirche sowie aus ihrem Orden ausgeschlossen. Weil sie sich selbst freiwillig losgesagt hätten, hätten sie keinen Anspruch mehr auf den Verbleib im Kloster oder auf dessen Vermögen, erklärte das zuständige Erzbistum Burgos. Das juristische Tauziehen zog sich jedoch in die Länge – bis zur kürzlich erfolgten Gerichtsentscheidung.

Wohnungssuche seit Februar

Anfang Februar veröffentlichte die Gruppe einen "Solidaritätsaufruf an alle Spanier", um nach einer neuen Bleibe zu suchen. "Bedroht von der bevorstehenden Zwangsräumung bitten die Nonnen von Belorado um Hilfe, damit sie ihre Berufung nicht aufgeben müssen", so der Appell.

Sie durchlebten einen der schwierigsten und dramatischsten Momente ihrer Geschichte, seien an den Pranger gestellt, erniedrigt, beschuldigt und verfolgt worden. Und das nur, weil sie an das eigene Lebensprojekt geglaubt hätten. 

Gesucht werde ein Haus, ein ehemaliges Kloster oder ein beliebiger Raum, der als neue Unterkunft für die Gemeinschaft dienen könne. Es gehe um "einen würdevollen Ausweg aus einer ungerechten Situation".

Ein solcher wurde bislang offenbar nicht gefunden. Ungewiss ist derweil auch, was mit dem verlassenen Kloster geschehen soll, das nach jahrhundertelanger Präsenz der Ordensfrauen leer steht. Dem Vernehmen nach will der Erzbischof von Burgos, Mario Iceta, eine neue Gemeinschaft in den Räumen unterbringen.

Exkommunikation

Exkommunikation bedeutet in der katholischen Kirche den Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft. Den Betroffenen ist es verboten, irgendwelche Dienste in liturgischen Feiern zu übernehmen, Sakramente zu spenden oder zu empfangen sowie kirchliche Ämter oder Aufgaben auszuüben. Nach katholischer Lehre handelt es sich um eine Beugestrafe mit dem Ziel, den Betreffenden wieder in die kirchliche Gemeinschaft zurückzuführen.

 © Suwichanon Mahahing
© Suwichanon Mahahing
Quelle:
KNA